International Politik

Trump … und jetzt?

Donald J. Trump gewinnt die US-Wahl — und der Welt zieht es die Schuhe aus

Trump … und jetzt? 13. November 201610 Comments

Redakteur

Das Schlachtfeld legt sich. Aus dem Rauch, dem Staub und der Asche erhebt sich ein neuer (etwas oranger) “President-elect”. Name: Donald J. Trump — und der Welt zieht es die Schuhe aus. Wie auch nicht. Die Demokraten sind an sich selbst gescheitert. Die linken liberalen Medien haben sich selbst in die Grube gestoßen. Es wäre alles anders geplant gewesen. Aber auch die Republikaner sind gescheitert, denn mehr als genügend eben jener haben sich vor der Wahl gegen ihren demokratisch gewählten Kandidaten gestellt. Die Grand Ol’ Party hätte sich diese Wahl wohl auch anders vorgestellt.

Das Establishment wollte sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Es sollte alles weitergehen wie immer, denn nicht nur die Demokraten mit Hillary Clinton waren oder sind das Establishment, nein, die Republikaner sind es in der Regel auch. Wäre es nicht wunderschön gewesen, die nächsten vier Jahre das Gleiche zu tun wie die letzten vier? Sich gegen jeden Vorschlag der neuen Präsidentin zu stellen und nach vier Jahren mit einem anderen Kandidaten — irgendein Ted Cruz wird sich schon finden lassen — genau das Gleiche zu predigen wie jetzt: “Blöden Demokraten machen alles kaputt. Mami, unser schönes Amerika!”

Aber durch ein veraltetes System, das “Electoral College”, wurde ein Kandidat zum nächsten Präsidenten gemacht, der erstens weniger Stimmen als seine Konkurrentin bekam und zweitens einen Wahlkampf bestritten hat, der unterirdisch rassistisch und demagogisch geführt wurde. Und das hat sehr viele Menschen angesprochen. In noch keinem US-Wahlkampf wurde das eigene Volk so gespalten — und zwar nicht nur in Demokraten und Republikaner: Progressive, Liberale, Rassisten, Idioten, Akademiker, Wutbürger, Systemhasser und noch tausend andere. Obendrein ist jeder eingeschnappt.

Für Verzweiflung ist es jetzt aber zu spät. Trump wird am 3. Jänner offiziell zum nächsten Präsidenten gewählt. Und jetzt? Wird die Welt untergehen? Werden wir alle darunter leiden? Wird alles noch schlimmer? Berechtigte Fragen, denn so ziemlich alle Zeitungen, Politiker und Prominente hatten anderes vorhergesagt. Die New York Times hatten einen Wahlsieg Hillary Clintons zu 85 % prognostiziert und auch die meisten weiteren Polls sahen die Dame in Blau als unumstrittene Favoritin. Viele Menschen wollten bei einem Wahlsieg Trumps nach Kanada auswandern. Miley Cirus machte ein zwei minütiges Heulvideo, als sie vom Sieg erfuhr … WTF?! Mit ziemlicher Sicherheit wird die Welt aber doch noch ein paar Jährchen aushalten.

Jetzt, nach der Wahl: Kehrtwende. Obama, Merkel, quasi jeder Anti-Trump-“I’m With Her”-Mensch hat jetzt seine Meinung gelockert. So einfach geht das. An einem Tag sagt Obama, es wäre für Amerika das Schlimmste. Am nächsten Tag gibt es Shakehands und es wird auf Zusammenhalt appelliert. Die liberale Elite und auch die Nicht-Elite (absichtlich nicht linke Elite — Demokraten sind weit weg von Links) haben die Courage verloren. Es wird immer weniger diskutiert. Es wird immer weniger wirklich gegen etwas gearbeitet. Es wird immer weniger geschrien. Ja, Schreien mag oft nicht “PC sein, doch auch das muss einmal sein. Vor allem wenn man wütend ist. Oder traurig. Verärgert. Wer hat aber geschrien? Trump! Und 60 Millionen der AmerikanerInnen – und das laut.

Präsident Trump. Wer hätte gedacht, dass das jemals wahr werden würde? Kaum jemand. Wird aber der Immobilienmogul alles besser machen? Oder anders? Nein, das wird er nicht. “Build the Wall!”es gibt zwar keine Mauer, aber einen riesigen Grenzzaun. Ein anderes Wahlversprechen hat er ebenfalls bereits gebrochen. Das vielumstrittene Obamacare, welches “The Donald” am liebsten sofort aus der gesamten Geschichte der USA streichen wollte, ist anscheinend doch gar nicht so schlecht wie gedacht. Er will sogar Teile davon erhalten. Thanks Obama! Also wie war das jetzt mit dem “America Great Again” maken? Wohl eher: “Make America Same Again!”

Weiters lebte der Trump/Pence-Wahlkampf ja davon, dass immer wieder die Karte “Hillary for Prison” ausgespielt wurde. Doch auch hier wird der zukünftige 45. Präsident der Vereinigten Staaten Gnade walten lassen — denn “er habe nicht so richtig darüber nachgedacht”.

Das wird er bei vielen anderen Sachen wahrscheinlich auch nicht gemacht haben. Aber so funktioniert Populismus. Was schockierend ist, ist die Tatsache, dass gerade ein so rassistischer, frauenfeindlicher und dummer Wahlkampf Erfolg bot. Egal welche Debatte, Hillary Clinton war immer überlegen. Trump redete sich meist um Kopf und Kragen, um sowieso wieder genau das Gleiche zu sagen wie immer. Lösungsvorschläge? Fehl am Platz. Fakten? No-No. Unterschwellige Seitenhiebe und keine Diskussionsetiquette? Yes, he can.

Amerika jetzt kollektiv als Rassisten, Frauenfeinde und Demagogen hinzustellen wäre aber zu einfach. Natürlich, man darf nicht außer Acht lassen, dass auch aus diesen Gründen mehr als genug Menschen wählen gegangen sind. Viele Menschen fühlen sich allerdings tatsächlich hintergangen — vom System, vor dem Abgrund ihrer Selbst. Ein Mann stellt sich hinter ein Rednerpult und brüllt. Auch rassistische Dinge, mit denen man sich nicht unbedingt identifizieren kann. Aber er sagt, “Make America great again! Let’s bring back our jobs, let’s be the best country in the world again” und das ködert noch mehr Leute. Die große Masse der Menschen fühlt sich alleine gelassen. Die große Masse der Menschen hat Politiker satt. Und das ist nicht nur in Amerika so — man werfe einen Blick in das eigene Land oder gleich einen Blick auf den eigenen Kontinent. Trump ist die Abwechslung, die viele Leute suchen.

Werden die nächsten vier Jahre die Hölle auf Erden? Wahrscheinlich nicht. Obwohl es doch im Herzen schmerzt, dass so ein Mann mit solchen Ansichten Präsident der Vereinigten Staaten geworden ist. In dieser Hinsicht wäre Hillary mit aller Sicherheit die bessere Kandidatin gewesen. Diese Wahl war nichtsdestotrotz eine zwischen Pest und Cholera.

Wie meine Mutter öfters zu sagen pflegt: “Die Schweine wechseln von Zeit zu Zeit, der Ess-Trog bleibt aber immer der Gleiche.” Der Wahlkampf in vier Jahren wird genauso schmutzig werden wie dieser. Denn nur so funktioniert’s in der heutigen Zeit. God bless America!

Dominik auf Twitter: @dominikwendl

[Foto: Gage Skidmore/Flickr/CC BY-SA 2.0/Illustration von kultort.at]

Redakteur