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Der Remake-Wahn des Mäusekonzerns

Der Remake-Wahn des Mäusekonzerns 22. November 2016Leave a comment

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Es gab eine Zeit, in der Zeichentrickfilme noch Zeichentrickfilme waren, und keine (zu 100 Prozent am Computer entstandenen) Animationswerke. Eine Zeit, in der mit handgemachten Zeichnungen Geschichten erzählt wurden. Eine Epoche, in der Figuren erschaffen worden sind, die sich so stark ins Gedächtnis gebrannt haben, dass man sich bei dem kleinsten Gedanken an sie sofort in die Kindheit zurückversetzt fühlt.

Bekannte und beliebte Zeichentrickfilme gibt es wie Sand am Meer, etwa der 1967 erschienene Asterix der Gallier. Dieser basierte vor allem auf dem Comicband mit selbigem Titel, kreiert von den bekannten französischen Comic-Autoren Albert Uderzo und René Goscinny. Ein weiteres Beispiel ist die wunderbare Verfilmung eines Fantasyromans von Schriftsteller Peter S. Beagle — Das letzte Einhorn aus dem Jahre 1982.

Diese Liste könnte noch ewig weitergeführt werden, aber an dieser Stelle liegt das Hauptaugenmerk auf einem Konzern aus Burbank, Los Angeles County, USA. Eine der beliebtesten, bekanntesten und auch gewinnbringendsten Marken auf diesem Planeten. Eine Firma, die — das sei nur am Rande erwähnt — Star Wars und die Marvel-Filmstudios sein Eigen nennen darf. Spätestens jetzt sollte jeder aufmerksame Leser wissen, dass es um eine Weltmarke geht, die Figuren wie Dagobert Duck, Mickey Maus und Co erschaffen hat. Die Rede ist natürlich von dem berühmten The Walt Disney Company-Konzern — kurz: Disney.

Disney hat so viele Zeichentrick-Klassiker erschaffen, dass der Überblick schon einmal verloren gehen kann. Angefangen bei den Geschichten rund um Mickey, Donald und Co. bis hin zu Arielle, die Meerjungfrau, König der Löwen und noch vielen mehr. Aber was passiert, wenn man mit diesen bekannten Werken nach und nach immer weniger Geld verdient? Welches Schlupfloch wird gesucht, wenn (fast) jeder Mensch auf dieser Welt diese Filme bereits gesehen hat und nicht mehr in die Kinos stürmt oder die DVDs kauft? Ein Konzern wie Disney will jedes Jahr seine Gewinne steigern, daher macht er das einzig Richtige: Er beteiligt sich am derzeitigen Trend in der Kino- und Serienlandschaft und verfällt wie viele Filmstudios dem Remake-Wahn.

In Hollywood sind Neuinterpretationen stark im Kommen. Bekannte und erfolgreiche Filme – um die Beispiele Ben Hur und Die glorreichen Sieben aus diesem Jahr zu nennen – bekommen ein neues Gewand mit aktuell beliebten SchauspielerInnen und besseren Effekten. Im Falle von Disney sind es nicht bloß nur Remakes, sondern auch Sequels und Prequels — also Filme, die die Handlung des Vorgängerfilms fortführen beziehungsweise voranstellen. Mit dem Genre Zeichentrick haben diese Neuinterpretationen nicht viel zu tun, denn der Konzern hat nämlich beschlossen, seine Klassiker als sogenannte Live-Action-Filme neu in die Kinos zu bringen. Doch was bedeutet “Live-Action”?

Das Dschungelbuch

Es ist die berühmte Geschichte um den Waisenjungen Mogli, der im Dschungel bei einem Wolfsrudel aufwächst. Er freundet sich mit Balu dem Bären an, und Baghira der Panther wird sein Aufpasser und Mentor. Im Jahre 1967 erschien der bekannte Zeichentrickfilm, der vor allem wegen seiner Lieder große Bekanntheit erlangte (“Probier’ s mal miiiiiit Gemütlichkeit”). 2016 inszenierte der US-amerikanische Regisseur John Favreau ein Live-Action-Remake. Der einzige menschliche Schauspieler ist Neel Sethi, der den jungen Mogli verkörpert. DarstellerInnen wie Scarlett Johannson, Idris Elba und Ben Kingsley verliehen den animierten Tieren ihre Stimme. Auf den ersten Blick erscheinen diese Lebewesen fast lebensecht, da sie sich realistisch bewegen. Der Schein trügt allerdings: Sie entstanden wie das gesamte Leben im Dschungel am Computer, denn mit der heutigen Green- und Bluescreen-Technik ist einiges möglich.

Die Schöne und das Biest

Der 61-jährige Filmregisseur Bill Condon hatte die ehrenvolle Aufgabe, das Remake zu dem Film Die Schöne und das Biest zu inszenieren, welches 2017 in die österreichischen Kinos kommt. Eine der schönsten Liebesgeschichten aus dem Hause des Mäusekonzerns. Die Grundgeschichte handelt von einem Mädchen namens Belle, das auf der Suche nach ihrem geliebten Vater ein Schloss betritt, wo dieser gefangen gehalten wird. Um ihn zu retten, handelt sie einen Deal mit dem Biest aus und bleibt somit in diesem Schloss. Dabei trifft sie auf sprechende Gegenstände wie Kerzenständer, eine Uhr und eine Teetasse. Jene Gegenstände, die in der Neuinterpretation am Computer animiert wurden. Eine real wirkende Teetasse, die durch die Gegend hüpft und von einem Synchronsprecher gesprochen wird … genau das ist Live-Action.

Im Jahre 2014 begann der Remake-Wahn von Disney mit der Verfilmung Maleficent — Die dunkle Fee. Die Resonanz war so groß, dass bereits ein Jahr darauf Cinderella und 2016 The Jungle Book erschien. Nachdem diese drei Filme bereits für den Heimkinobereich käuflich zu erwerben sind, planen die Verantwortlichen noch ganze 15 (!) Remakes, Prequels und Sequels ihrer Zeichentrickklassiker. Aladdin, Mary Poppins, Rosenrot (die Schwester von Schneewittchen), Pinocchio, Cruella (aus 101 Dalmatiner), Mulan — nur ein kleiner Vorgeschmack. Dieses Unterfangen darf durchaus kritisch beäugt werden. Vor allem wenn durchsickert, dass der für seinen düsteren Stil bekannte Regisseur Tim Burton für die Neuinterpretation des fliegenden Elefanten Dumbo am Regiestuhl Platz nehmen wird. Wie diese Kombination zusammenpassen soll, kann sich noch kein Filmkritiker oder Filmfan vorstellen. Genauso wenig wie das Remake zu dem Klassiker schlechthin — der König der Löwen. An diesem wird laut Gerüchten schon gearbeitet und der Regisseur von The Jungle Book, John Favreau, soll auch hier Regie führen. Es erwarten uns also am Computer erstellte, realistisch animierte Löwen und Giraffen … und Timon und Pumba.

Die Frage nach dem Warum lässt sich mit einer Zahl beantworten: $ 966.522.188. Das ist exakt jene Summe, die The Jungle Book laut boxofficemojo.com an Einnahmen generieren konnte. Und das bei einem Produktionsbudget von 175 Millionen US-Dollar. Ein Gewinn, der sich auszahlt und gleichzeitig die Frage beantwortet, warum Disney so viele seiner Klassiker als Realverfilmungen neu inszenieren möchte. Der chinesische Filmmarkt sollte dabei auch nicht unterschätzt werden. Da dieser kontinuierlich wächst, ist es nicht verwunderlich, wenn vermehrt Filme mit asiatischem Bezug neuverfilmt werden — Stichwort: Mulan.

Es spielt vermutlich keine Rolle, ob Menschen es schlecht, unverständlich, unnötig oder einfach falsch finden. Am Ende wird Disney diese Filme in die Kinos bringen und wir werden trotz der Skepsis hingehen, um unsere Kindheitserinnerungen aufzufrischen.

Hakuna Matata!

[Foto: ezhikoff/Flickr (Disney-Logo)/CC BY 2.0/Illustration von kultort.at]

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