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Warum die Quarterback-Kontroverse der Dallas Cowboys gar keine sein sollte

“Never change a winning team”

Warum die Quarterback-Kontroverse der Dallas Cowboys gar keine sein sollte 23. November 20161 Comment

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Seit Wochen lautet das am heißesten diskutierte Thema der National Football League, wer als Quarterback der Dallas Cowboys auflaufen sollte: Tony Romo oder Dak Prescott? Was auf den ersten Blick wie eine vernünftige Frage erscheint, wird bei genauerer Betrachtung der Umstände zu einer ziemlich eindeutigen Affäre.

Letzte Woche sprach Jerry Jones, Besitzer der Cowboys, endlich ein Machtwort und es kam mehr oder weniger zu einer Entscheidung für Dak Prescott als Starter. (Wobei immer noch nicht klar ist, was passieren wird, sollte Prescott seine erste schlechte Partie abliefern.) Dennoch fordern einige Fans die Rückkehr Tony Romos aufgrund der außerordentlich guten Chancen der Cowboys auf den Super Bowl dieses Jahr. Hauptargument hierbei: Spätestens in den Playoffs bedarf es eines erfahrenen Quarterbacks, um das Team zum Sieg zu führen. Dass Prescott der wohl mit Abstand “am reifesten” agierende Rookie-Quarterback der letzten zwanzig Jahre ist, wird dabei gerne außen vor gelassen. Auch Romos Bilanz als Starter im Dezember beziehungsweise den Playoffs lässt vieles zu wünschen übrig. Trotz dieser Umstände und einer unglaublich schmalzigen, aber auch fast rührenden Pressekonferenz, in der er versichert, Prescott den Rücken zu stärken und für ihn als Mentor zu agieren, schwebt die Frage weiterhin wie ein Damoklesschwert über dem Team.

Dabei könnte doch alles so schön sein. Mit neun Siegen und nur einer Niederlage führt man überlegen nicht nur die eigene, heuer überraschend starke Division, sondern die gesamte NFC an. Mit dem Rookie-Duo aus Quarterback Prescott und Running Back Ezekiel Elliott spaziert man gemütlich dank der wohl besten Offensive Line des neuen Milleniums von Sieg zu Sieg — Stichwort: MVP.

Um nun aber endlich einen Schlussstrich unter die leidige Quarterback-Diskussion zu ziehen, vergleichen wir einfach die bisherige Saison Prescotts mit zwei anderen Quarterbacks aus der jüngeren Vergangenheit. Zum einen mit Tony Romo selbst, zum anderen mit einem gewissen anderen Quarterback, der durch die Verletzung eines etablierten Starters zu seiner Chance kam und sie bis heute nicht mehr hergegeben hat: Thomas Edward Patrick “Tom” Brady, Jr.

Tony Romo, 2006

Technisch gesehen war 2006 natürlich nicht seine Rookie-Kampagne, allerdings das erste Jahr, in dem er zum Starting Quarterback der Cowboys wurde. Mit einem Record von 6-4 in zehn spielen und einer Completion Percentage von 65,3 % warf Romo für 2.903 Yards, 19 Touchdowns und 13 Interceptions. Sein Passer Rating+ betrug in dieser Saison 119, wobei der jährliche Durchschnitt bei 100 liegt.

Tom Brady, 2001

Nachdem sich Drew Bledsoe im zweiten Saisonspiel eine schwere Verletzung zuzog, lag es fortan an Brady, die Patriots zu dirigieren. In 14 Spielen als Starter brachte er es auf 2.843 Yards bei einer Completion Percentage von 63,9 %. Mit 18 Touchdowns und 12 Interceptions warf er die Patriots zu einem 11-4 Record. Insgesamt kam Brady dabei auf ein Passer Rating+ von 111.

Dak Prescott, 2016

Nach mittlerweile 10 Spielen und dem unglaublichen Record von 9-1 könnte Prescott auf 16 Spiele hochgerechnet für über 4.200 Yards werfen, und das bei einer momentanen Completion Percentage von 67,7 %. Sollte er es weiterhin schaffen, so wenige Fehler zu machen, würde er die Saison mit 27 Touchdowns und lediglich 4 Interceptions beenden. Das würde einem TD/INT-Ratio von 6,75 entsprechen. Zum Vergleich: Das beste Ratio auf die gesamte Karriere gerechnet hält momentan Aaron Rodgers mit 3,88! Auch Prescotts Rating+ von 125 unterstreicht seine bisher unglaublich starke Saison.

At 9-1, the rest of the NFL is looking up at the Cowboys.

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Bekanntlich gilt ja der Grundsatz: “Men lie, women lie, numbers don’t.” Aber es sind ja nicht nur die nackten Zahlen, die für einen Verbleib Prescotts als #1-Quarterback in Dallas sprechen. Natürlich hätte es so ziemlich jeder QB hinter einer Offensive Line wie der der Cowboys leichter als bei vermutlich jedem anderen Team (mit Ausnahme von Oakland). Aber Prescotts Leistung einzig und allein auf die Stärke seiner Vorderleute zu reduzieren, ist dann doch ein wenig naiv — zumal oft im selben Atemzug von Ezekiel Elliott als Liga-MVP die Rede ist. Hinter der Offensive Line der Cowboys könnte allerdings vermutlich sogar mein 13-jähriger Cousin für 3 Yards pro Rush laufen. Die halbe Saison ohne den mit Abstand besten Receiver des Teams auszukommen und Statistiken wie die oben genannten aufzulegen, kann aber derzeit nur ein Mensch auf diesem Planeten: Dak Prescott.

Das wohl unumstrittenste für Prescott sprechende Argument wird bei all dem oft komplett vergessen: Er ist die Zukunft der Cowboys. Tony Romo wird am Anfang der nächsten Saison 37 Jahre alt sein und verdient über die nächsten drei Jahre seines Vertrags noch 59 Millionen US-Dollar. Am Ende dieses Vertrags wird Romo 40 Jahre alt sein und auch wenn man die Position des Quarterbacks im hohen Alter noch effizient spielen kann, gibt es insbesonders bei Romos Verletzungshistorie keine Garantie, ob er überhaupt noch fit genug sein wird. Prescott hingegen verdient von 2017 bis 2019 — da läuft sein Rookie-Vertrag aus — insgesamt $ 1,89 Millionen. Selbst bei einer vorläufigen, kostspieligen Vertragsverlängerung wäre Prescott durch seinen niedrigen Cap Hit und sein Alter immer noch die günstigere und sinnvollere Alternative.

Zusammengefasst muss wohl selbst der größte Romo-Fan anerkennen, dass die Variante mit Prescott derzeit einfach “mehr Sinn macht”. Und falls jemandem selbst die Argumente der statistischen Überlegenheit und der rosigen Zukunftsaussichten immer noch nicht genügen, kann man ja ganz einfach auf das Momentum verweisen, dass die Cowboys derzeit zum wohl besten Team der NFL macht und bei dem es wohl sehr schade wäre, wenn man diese wunderbare Harmonie durch eine kurzfristige Alternative zerstören würde. Denn wie sagt man so schön: “Never change a winning team.”

Von Alexander Helwig

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[Foto: Keith Allison/Flickr/CC BY-SA 2.0/Illustration von kultort.at]

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