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Der Moneymaker-Effekt

Was macht die Faszination Poker aus?

Der Moneymaker-Effekt 25. November 2016Leave a comment

Redakteur

Alle Jahre wieder findet im Herbst der Final Table des Main Events der World Series of Poker (WSOP) in Las Vegas statt. Millionäre werden geboren und Poker-Action — live im TV übertragen — begeistert zahlreiche Fans auf der ganzen Welt. Aber was macht die Faszination Poker eigentlich aus?

Es war im Jahr 2003, als ein gewisser Chris Moneymaker — der Kerl heißt wirklich so — das Main Event der WSOP mit einer Siegesprämie von 2.5 Millionen US-Dollar gewann und dadurch den sogenannten Moneymaker-Effekt auslöste. Diese Pokerveranstaltung war eine der ersten ihrer Art, welche mediale und globale Präsenz erhielt. TV-Sender weltweit wurden aufmerksam und sahen in Pokerübertragungen eine Marktlücke, um Zuschauergruppen anzulocken. Nicht nur durch seinen eleganten Namen war der Erfolg Moneymakers der Auslöser für einen weltweiten Poker-Boom. Mit seinem Sieg gab er nämlich auch KartenspielerInnen auf der ganzen Welt Hoffnung, aus einem Hobby eine Profession zu machen. Bis dorthin war es für Normalsterbliche unerdenklich, eine solche Summe bei einem Pokerspiel zu gewinnen. Moneymaker bewies das Gegenteil und der Poker-Hype nahm seinen Lauf.

Man betrachtet die Teilnehmerzahlen der vergangenen Jahre der WSOP-Hauptveranstaltung: Als Moneymaker 2003 gewann, nahmen 839 Personen am Turnier teil, für welches man $ 10.000 Startgeld zahlen mussste. Ein Jahr später waren es schon über 2.576 und bis heute kann man jedes Jahr mit einem Teilnehmerfeld von über 6.000 rechnen. Wenn man bedenkt, dass es neben dem Main Event auch noch über 60 andere Turniere gibt, kann man sich in etwa vorstellen, wie viele PokerspielerInnen aus der ganzen Welt an der World Series of Poker teilnehmen. Neben der WSOP gibt es noch eine ganze Reihe an Turnierformaten, welche die Pokerszene in Angebot stellt.

Während für viele SpielerInnen Las Vegas der Traum aller Träume ist, und vielleicht auch immer bleiben wird, kann man zum Beispiel auch in Österreich, speziell in Wien, auf eine belebte Pokerszene zurückgreifen. Neben den Casinos Austria zählen die Concord Card Casinos zu beliebten Schauplätzen für Pokerliebhaber und bieten ein breites Spektrum an Entertainment.Wie hat es Poker aber geschafft, eine neue, junge Generation an Menschen anzusprechen und die Pokerleidenschaft in ihnen zu wecken?

Durch das immer stärker werdende Aufkommen des Internetzeitalters war es nicht verwunderlich, dass kurz darauf Poker im World Wide Web zum Favoriten vor allem vieler junger Leute wurde. Der heute bekannteste Anbieter im Bereich des Onlinepoker stellt mit PokerStars nicht nur eine Möglichkeit dar, im Internet mit anderen Leuten Karten zu spielen, sondern ist für viele auch ein Lifestyle. Viele Pokerprofis sind im Team von PokerStars und vermitteln nach außen ein Gefühl von Familie. Fans sehen hier ihre Idole und wollen dadurch ein Teil dieses Projekts sein. Neben dem Aufstellen eines Teams von Pokerprofis hat es PokerStars auch geschafft, Werbekampagnen mit Prominenten auf die Beine zu stellen: Ex-Fußballprofi Ronaldo oder Tennisstar Rafael Nadal haben Werbeverträge mit PokerStars und sind leidenschaftliche Pokerspieler. Und selbst NBA-Star LeBron James scheint sich das ein oder andere Mal eine Online-Partie zu gönnen.

Neben der Vermarktung durch Prominente wirbt die Plattform mit günstigen Angeboten. Zu geringsten Einsätzen kann man an Turnieren teilnehmen und enorme Preisgelder gewinnen. Ab 1 Cent kann man sogenannte Satellites spielen, um an einem Turnier teilzunehmen, für das man im Normalfall über $ 100 Startgeld bezahlen müsste. Die Strategie hat funktioniert und PokerStars hat sich gegen andere Anbieter eine Art Monopolstellung erarbeitet.

Während in älteren Filmen wie Maverick oder Cincinnati Kid Poker als verrucht und eine im Untergrund stattfindende Szene dargestellt wird, hat sich in der letzten Dekade der Pokerbegriff einem vollkommenen Wandel unterzogen. Von einem reinem Glücksspiel kann schon lang keine Rede mehr sein. Unzählige Bücher über Strategien, wie man seine Gewinnchancen erhöhen kann, finden sich in den Buchläden. PokerspielerInnen beschreiben darin genau ihre Skills und bieten der breiten Masse Verbesserungsmöglichkeiten ihrer Spielweisen an. Nichtsdestotrotz besteht der Pokersport zumindest zu einem gewissen Grad aus Glück. Mit den vorhandenen Möglichkeiten kann der Faktor Glück aber auch zu einem gewissen Teil beeinflusst werden, um sein Geschick gegen KonkurrentInnen auszuspielen.

Von HobbyspielerInnen bis hin zu Profis ist Poker schon längst für viele Menschen zu einer Bereicherung ihres Alltags geworden. Ob dies auch ohne der Erfolgsgeschichte von Chris Moneymaker heute so wäre, werden wir wohl nie wissen.

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[Foto: flipchip (lasvegasvegas.com)/Wikimedia Commons/Illustration von kultort.at]

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