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BP-Wahl 2016: Welche Lehren können wir daraus ziehen?

Endlich keine Wahlen mehr

BP-Wahl 2016: Welche Lehren können wir daraus ziehen? 6. Dezember 20164 Comments

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Aus. Vorbei. Die unendliche Wahlgeschichte kommt zum Ende. Alexander Van der Bellen ist der neue Bundespräsident Österreichs. Das kann man jetzt zu knapp hundertprozentiger Sicherheit sagen (ja, nur knapp hundert Prozent), denn Heinz-Christian Strache, seinerseits Klubobmann und “El Chefe” der FPÖ, hat gesagt, er wird dieses Mal nicht anfechten. Aber wer weiß, ob das dann auch stimmt — deshalb nur knapp.

“Endlich vorbei”, wird sich so mancher Staatsbürger gedacht haben, als sich gestern um knapp 17:15 Uhr die ersten Hochrechnungen wie ein Lauffeuer verbreiteten. Ein Sieg des ehemaligen Grünen-Chefs zeichnete sich immer mehr ab. Nach einem knappen Jahr Wahlkampf — we America yet? — kann man getrost sagen, dass es mit der Zeit sehr anstrengend wurde. Doch jetzt legt sich der Sturm, es kehrt wieder Ruhe ein. Oder so könnte man meinen, denn die rechte Blase ist unglaublich aufgewühlt. Das war natürlich eine sehr absehbare Folge eines gewählten Bundespräsident Alexander van der Bellen.

Man werfe einen Blick auf gewisse Social-Media-Seiten der FPÖ. Dort ist man nicht in den wohlverdienten Ruhe-Modus nach der Wahl gegangen. Nein, im Gegenteil sogar. Es wird über Verschwörungen gesprochen, von Wahlbetrug, von “linken Medien, die mit Parteien zusammenarbeiten” und natürlich von Chemtrails, die 50% der Bevölkerung blöd gemacht haben. (Das ist kein Scherz.)

Doch die Kommentarspalten bleiben nicht nur lächerlich und abfällig gegenüber Van der Bellen. Was jedoch eine gewisse Lächerlichkeit behält, ist, dass genau eben diese Statements unkommentiert und unmoderiert auf FPÖ-Seiten stehen bleiben. Eine Schande.

Die Bürger und Bürgerinnen sind besorgt. Und neben vielen Ausfälligkeiten wird weitgehend von Trauer gesprochen. Von Verzweiflung. Von “Gott, schütze jetzt bitte unser Österreich”. Und diese Sorgen sollten nicht ungehört bleiben. Es kommt nicht von irgendwo, dass eine Partei wie die FPÖ in allen Umfragen vorne liegt. Es kommt auch nicht von irgendwo, dass die Altparteien es nicht geschafft haben, mit einem ihrer Kandidaten auch nur ansatzweise um den Einzug in die Hofburg zu zittern. Na, klingelt’s?

Hoffentlich. Der Zulauf zur FPÖ ist von vielen Faktoren bestimmt. Ein großer ist, dass man auf den kleinen Mann vergisst. Politik ist schon länger keine universelle Sache mehr, über die sonntags diskutiert wird. Die politische Garde hat sich vom Boden entfernt. Generell: Die Sozialdemokratie hat stellenweise vergessen, woher sie kommt — und in Österreich wurde das “Sozial” und das “Demokratie” normalerweise großgeschrieben.

Kollektiv lässt sich jedoch schon sagen, dass es dem übermächtigen Großteil der Österreicher und Österreicherinnen ziemlich gut geht. Das Sozialsystem hat in jedem Fall seine Daseinsberechtigung. Wer nicht daran glaubt, sollte in Amerika anrufen und fragen, wie es so ist, wenn man bei einer Grippe Angst vor einer Arztrechnung hat. Die Ängste vieler Menschen sind meist auch eher marginal. Man darf nicht leugnen, dass viele Leute die FPÖ aufgrund der Ausländer- und Flüchtlingsthematik wählen. Sind diese Ängste begründet? Eher nicht. Doch die Angstmache funktioniert. Und das hat man auch bei dieser Wahl gemerkt.

Die Stimmung hat sich aber nicht gedreht. Ein Teil der Bevölkerung ist nach wie vor unzufrieden. Und das sind immerhin noch knapp 50 %. Alexander van der Bellen muss alles daransetzen, Österreich wieder zu vereinen. Es muss wieder Politik für alle gemacht werden, ansonsten wird diese Spaltung noch schlimmer als bisher. Doch die FPÖ ist und bleibt im “Driving Seat”. Es wird genauso weiter alles und jeder beanstandet werden und es wird weiterhin gegen das System gepoltert werden. Und wenn keine Veränderung passiert, wird diese Wahl nur ein kleines Lüftchen im Vergleich zu der nächsten sein.

Ein Schlussappell: Lasst uns vergessen, was uns teilt. Mögen es auch noch so tiefe Gräben sein. Lasst uns zusammenrücken und gemeinsam daran arbeiten, dass Österreich das Land bleibt, welches wir in unser Herz geschlossen haben. Lasst uns nicht auf billige Hetze reinfallen. Besinnen wir uns auf gesunden Menschenverstand und Menschlichkeit.

Wenn wir eine Lehre aus der gestrigen Wahl ziehen können, dann ist es diese: Love > Hate.

Dominik auf Twitter: @dominikwendl

[Foto: Ailura/Wikimedia/CC BY-SA 3.0 AT/Illustration von kultort.at]

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