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Darts — mehr als nur ein Kneipensport?

Eine Sportart zwischen Professionalität und einem gewissen Grad an Verrücktheit

Darts — mehr als nur ein Kneipensport? 20. Dezember 20166 Comments

Redakteur

Weihnachten steht vor der Tür, die letzten Geschenke werden noch schnell besorgt und jeder sehnt sich schon nach ein paar besinnlichen Tagen mit seiner Familie. Halt, aber da war ja noch etwas? Genau! Schon seit gut einer Woche läuft die Darts-Weltmeisterschaft im Londoner Alexandra Palace, dem Darts-Mekka im wohl verrücktesten Sport der Welt. Jenes spektakuläre Event, das schon seit Jahren Fans aus aller Welt anlockt und während der Feiertage für viele ein Fixtermin vor dem Fernseher darstellt.

Die Weltmeisterschaft im “Ally Pally” — wie der Alexandra Palace in der Pfeilwerfer-Community genannt wird — ist das Highlight im Darts-Kalender. Monatelang trainieren die Profis auf dieses Turnier hin und versuchen zur richtigen Zeit in Form zu kommen. Aber auch Amateure aus aller Welt nehmen teil. So sind Vertreter aus Neuseeland oder China ebenfalls mit am Start. Für diese ist es vor allem eine Ehre, ihr eigenes Land vor einem großen Publikum zu repräsentieren — während es für die Besten der Besten im Geschäft um eine Stange an Geld geht. Der Sieger darf sich auf ein Preisgeld von 350.000 Pfund freuen. Und heuer scheint wohl nichts an Michael “Mighty Mike” van Gerwen vorbeizuführen. Van Gerwen hat 2016 so viele Turniere in einem Jahr gewonnen, wie keiner vor ihm. Wenn er bei einem Wettkampf an den Start ging, gewann er dieses in der Regel auch.

Da gibt es aber noch einige, die Van Gerwen auf den Weg zum Titel ein Bein stellen möchten. Phil “The Power” Taylor, ohne dem Darts heute nicht diesen hohen Stellenwert beziehungsweise eine so hohe Resonanz hätte, will auf seinen alten Tagen noch einmal glänzen. Der Titelverteidiger Gary “The Flying Scotsman” Anderson will bereits den dritten Titel in Folge gewinnen und seinen WM-Erfolgslauf fortführen. Peter “Snakebite” Wright zählt schon lange als einer der Besten im Darts, konnte aber noch nie ein großes Turnier gewinnen. Raymond “Barney” van Barneveld hat ebenfalls schon oft bewiesen, dass er immer wieder pünktlich zur WM in Form kommt und man daher mit ihm rechnen muss. Und mit Mensur “The Gentle” Suljovic stellt auch Österreich einen Top-10-Spieler. Ob es aber einer von den Genannten, oder auch ein anderer schaffen kann, van Gerwen zu bezwingen, wird sich noch zeigen.

Während die Statistik von 2016 für van Gerwen spricht, war für ihn im letzten Jahr bereits im Achtelfinale Schluss. Viele behaupten, dass der gespielte Tunriermodus der WM daran Schuld gewesen sei. Es ist nämlich das einzige Turnier, welches im Set-Modus abgehalten wird. Bei anderen Veranstaltungen versuchen die Spieler die vorgegebene Anzahl an Legs zu gewinnen und somit das Match für sich zu entscheiden. Im Set-Modus muss man ganze Sätze gewinnen, wo ein Satz mit drei gewonnen Legs für sich behauptet wird. Spieler können also einen Satz mit 3:0 an Legs verlieren, den nachfolgenden mit 3:2 gewinnen und es würde Unentschieden bei ungleich gewonnen Legs stehen. Und einem Spieler wie van Gerwen, welcher schnell ein paar Legs hintereinander gewinnen kann, kommt das nicht gerade zu Gute. Nichtsdestotrotz wird van Gerwen der Gejagte sein, den es zu besiegen gilt.

Ein weiteres Highlight, welches sich jeder gröllende Fan im “Ally Pally” jedes Jahr auf’s Neue wünscht, ist ein sogenannter 9-Darter. Das perfekte Spiel, um ein Leg von 501 Punkten auf 0 zu bringen. Dies sorgt nicht nur für eine gewaltige Stimmung in der Halle, sondern ist auch für die Spieler aus finanzieller Sicht wertvoll. Für einen 9-Darter gibt es ein Bonuspreisgeld von 25.000 Pfund, welches unter all jenen, die einen 9-Darter werfen, aufgeteilt wird. 2013 ist es van Gerwen gelungen, 17 perfekte Darts zu werfen.

Die Fans spielen natürlich auch im Darts-Sport eine gewaltige Rolle. Jeder feuert seinen Liebling an, es herrscht aber im Vergleich zu den Mainstream-Sportarten eine viel freundschaftlichere Basis. Man will einfach eine tolle Veranstaltung verfolgen. Und feiern. Sehr viel feiern. Die größtenteils kostümierten Supporter trinken gerne Bier und machen den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis für alle Teilnehmer. Ohne den enthusiastischen Fans wäre Darts nicht das, was es im Endeffekt auch ist. Eine Sportart zwischen Professionalität und einem gewissen Grad an Verrücktheit.

Die ersten Darts sind bereits geworfen worden und bis zum Finale am 2. Jänner 2017 sind es noch ein paar Tage. Wir können uns aber jetzt schon freuen auf noch viele spannende Partien und hoffentlich auch den ein oder anderen 9-Darter.

kultort.at auf Twitter: @kultort

[Foto: Illustration von James P. Platzer]

Redakteur

6 comments

  1. Hey Phillip, klasse Artikel.
    Ich bin gespannt wo die Reise noch hingeht. Aktuell wird ja sogar besprochen ob man nicht die Location wechselt da der Andrang der Fans und Zuschauer immer größer wird.
    Der Dartssport wird immer populärer. Ich finds grandios!
    Gruß
    Dennis 🙂

    1. Hallo Dennis!
      Danke für dein Feedback. Darts wird immer populärer, da hast du auf alle Fälle recht. Und die Hallen sind zumeist ausverkauft oder gut gefüllt. Meiner Meinung nach ist es also nur eine Frage der Zeit, bis Darts auch ein breiteres Publikum anspricht. Die nächsten Jahre werden es zeigen, wir können uns sicher auf eine grandiose Darts-Zukunft freuen.
      Liebe Grüße
      Phillipp

      1. Ich finde, zumindest für Deutschland, wird zu sehr versucht ultraseriös zu sein. Auch ich werde nur müde belächelt mit meinem Shop, einfach aufgrund des Namens.
        Allerdings bin ich der Meinung, genau aus diesem Grund war und wird Darts eigentlich immer größer. Natürlich ist jedem klar das der gemeine Bier-Darts-Spieler nicht mit den Profis konkurrieren kann, aber die große Masse spielt nun mal in Kneipen. Fussball hat auch nur die Herzen erobert weil es jeder im eigenen Hinterhof, ohne großen Aufwand, spielen konnte.

    1. Zur Situation in Österreich kann ich dir leider nichts berichten. Ich verfolge die internationalen Darts-Turniere, bin aber selbst ein untalentierter Spieler.
      Vielen Dank für den Link und viel Erfolg im „Kneipensport“.
      GAME ON!!!
      Phillipp

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