Das war 2016: Die größten Sportmomente des Jahres

Sport 2016

2016 — ein Jahr, das wir aus sportlicher Perspektive nicht mehr so schnell vergessen werden. Ein Jahr, das zwar von Russland über Terrorangst in Paris bis zu dem tragischen Unfall Hannes Archs auch seine Schattenseiten hatte, aber trotz dieser vor allem durch sportlich historische Mannschaftserfolge geprägt war. Und dann gab es da ja auch noch Olympische Sommerspiele! Damit ihr euch einen stundenlangen ORF-Jahresrückblick ersparen könnt, setzte sich das kultort.at-Sportressort zum Jahresausklang nochmals gemütlich zusammen, um die bedeutendsten Sportmomente von 2016 ein letztes Mal Revue passieren zu lassen.

Portugal gewinnt die Fußball-EM

Phillipp DarossZu dem Sporthighlight des Jahres wurde die 15. UEFA-Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Für eine Großzahl der Studierenden wurde der Juni dadurch zu einem alles andere als einfachen Balanceakt zwischen emotionalen Public-Viewing-Besuchen und dem schwer vermeidbaren Prüfungsstress. Der Coup Henri-Dselaunay ging letztendlich an Portugal — und das in einer effizienten (und auch unattraktiven) Art und Weise, wie es vor ihnen nur Otto Rehhagels Griechen 2004 zustande gebracht hatten. Nach einer eher mäßigen Gruppenphase mit drei Unentschieden folgte die K.o.-Phase, in der man insgesamt dreimal erst nach Verlängerung oder Elfmeterschießen gewann. Das Finale gegen Frankreich war dann von der frühen verletzungsbedingten Auswechslung Cristiano Ronaldos überschattet. Zu diesem Zeitpunkt sah alles nach einem Sieg für den Gastgeber aus. Die Franzosen waren über die ersten 90 Minuten klar besser, allerdings konnte keiner den Ball im Tor unterbringen und es kam zur Verlängerung. Frankreich schien die Kraft auszugehen und Portugal nutzte dies (wie schon zuvor das gesamte Turnier) gnadenlos aus, als Eder in der 109. Minute mit einem platzierten Schuss für die endgültige Sensation sorgte.

Apropos Sensation: Bei der ersten Europameisterschaft mit 24 Teams gab es auch zwei EM-Neulinge, die für Furore sorgten. Überwältigend war der Auftritt der Isländer, die bis in’s Viertelfinale vordringen konnten. Wales gelang, mit einer starken Performance nach der anderen, sogar der Halbfinaleinzug.

Aus österreichischer Sicht war es nach 2008 die zweite EM-Teilnahme — und die erste, für die man sich aus eigener Hand qualifizieren konnte. Nach einer tollen Qualifikation und dem daraus resultierenden starken Ranking in der FIFA-Weltrangliste war die Euphorie groß und ganz Österreich erwartete sich zumindest den Einzug in das Achtelfinale. Marcel Koller und seine Mannen konnten dem medialen Druck aber nicht standhalten und schieden als Letzter bereits in der Vorrunde aus. Seitdem befindet sich die ÖFB-Truppe auf einem Leidensweg, der bis heute noch anhält.

Rio 2016

Philipp LouNeben den wichtigen Sportereignissen, wie der bereits erwähnten Fußball-EM und dem historischen WWE-Debüt des großen Tim Wiese, erhielten die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro nicht die Aufmerksamkeit, die ihnen gebührt. Die erneut magere rot-weiß-rote Ausbeute spielte wohl auch eine Rolle für das allgemeine Desinteresse hier zu Lande.

Trotzdem waren die ersten Sommerspiele auf südamerikanischem Boden etwas Besonderes. Obwohl Dopingaffären auch heuer wieder im Vorfeld die Titelseiten dominierten, konnte der positive olympische Spirit aufrechterhalten werden. “Um mundo novo” (“Eine neue Welt”) lautete das Motto in einem politisch schwierigen 2016. Ein großes Statement des Zusammenhaltes und des Friedens war der erstmalige Antritt des “Team Refugee Olympic Athletes” — vier Frauen und sechs Männer, die aus ihren Heimatländern flüchten mussten und in Brasilien unter der olympischen Flagge in die Wettkämpfe zogen.

Sportlich gesehen war Rio eine Olympiade der großen Abschiede. Der mit Abstand erfolgreichste Olympionike aller Zeiten, Michael Phelps, verabschiedete sich mit fünf neuen Goldmedaillen im Gepäck aus dem Profisport. Einen möglichen Nachfolger fand der Ausnahmeathlet im 21-jährigen Joseph Schooling, der im Finale über die 100 Meter Schmetterling seinem großen Idol die Show stahl und sich zum ersten Olympiasieger aus Singapur krönte. Dass ein Generationenwechsel in der Sportwelt reibungslos ablaufen kann, bewies auch die 19-jährige US-Amerikanerin Simone Biles, die mit fünf Medaillen (vier davon in Gold) zum Shootingstar der XXXI. Spiele avancierte. Wie in Beijing und London strahlte aber auch heuer ein Stern heller als alle anderen: Usain Bolt ist entgültig im Sport-Olymp angekommen. Der charismatische Jamaikaner deklassierte ein letztes Mal die restliche Sprinterwelt und schnappte sich zum dritten Mal in Folge den Gold-Hattrick (100m, 200m und 4 x 100m).

Leicester City schockt alle

Christian HaslingerFür die größte Überraschung im Fußballjahr 2016 sorgte wohl Leicester City, welches die Premier League für sich entscheiden konnte. Niemandem gelang eine so konstante Saison wie den “Foxes” aus Leicester — und das, obwohl beide Teams aus Manchester, Arsenal, Chelsea, Tottenham und Liverpool (aber auch viele andere Mannschaften) rein auf dem Papier weitaus bessere Kader hatten. Eigentlich als Abstiegskandidat gehandelt, schafften die “Füchse”, darunter unser ehemaliger Teamkapitän Christian Fuchs, mit einer Kombination aus kluger Taktik, großartigen Mannschaftsleistungen und einem unbändigen Siegeswillen bereits zwei Spieltage vor Schluss die Sensation und sicherten sich den Pott. Von BBC wurde Leicester City kürzlich auch zum “Team des Jahres” und Cheftrainer Claudio Ranieri zum “Coach des Jahres” gewählt. Zwar läuft es diese Saison alles andere als berauschend, jedoch gebührt ihnen eine Menge Respekt — vor allem dafür, in der teuersten Fußballliga der Welt, in der Jahr für Jahr Hunderte von Millionen ausgegeben werden, zumindest für ein Jahr die Konstante zu brechen, dass ein Team mit unglaublichen Transferausgaben sich zum Meister kürt. Ein Lichtblick, dass manchmal doch Kampf und Leidenschaft gegen “Big Money” gewinnen können. Ein Lichtblick, der vielen Fußballfans das Herz höher schlagen ließ — und das kommt von einem zugegeben deprimierten, leidgeprüften Arsenal-Fan.

King James macht sich unsterblich

Johannes PresslerMachen wir zum Schluss noch einen Sprung nach Nordamerika. Natürlich könnte man hier über den Superbowl-Titel der Denver Broncos philosophieren, angeführt von einer der besten Verteidigungen des 21. Jahrhunderts (und nicht dem nun pensionierten Peyton Manning!). Oder den bereits zweiten Gewinn des Stanley Cups für Sidney Crosby und seine Pittsburgh Penguins. Oder den historischen Erfolg der Chicago Cubs, die nach unglaublichen 108 Jahren wieder die Finalserie der Major League Baseball (MLB) gewinnen konnten. Aber die Erfolgsgeschichte des Jahres gehört ohne Zweifel LeBron James und den Cleveland Cavaliers. Gegen eine der besten Basketballmannschaften aller Zeiten, die Golden State Warriors, kam man (als erstes Team in den NBA-Finals überhaupt) von einem 1:3-Rückstand zurück und gewann in Golden State das alles entscheidende Spiel 7 und somit die erste Meisterschaft für Cleveland seit 1964. Und was war das für ein Game 7! Unentschieden ging man in die letzten Minuten des Spiels, bis sich James dazu entschied, ein letztes Mal seine schon fast übermenschlichen Kräfte einzusetzen und Kyrie Irving 53 Sekunden vor Schluss den entscheidenden Dreier versenkte. Zu Ende war der “Fluch“, der diese Sportstadt für mehr als ein halbes Jahrhundert prägte. Zu Ende war die strittige Diskussion, ob LeBron einer der zehn besten NBA-Spieler aller Zeiten sei, denn seitdem gehört er mindestens in die Top 5.

Und wie es der Zufall so wollte, stammt die amüsanteste sportliche Aktion des Jahres ebenfalls von einem Spieler der Cleveland Cavaliers. Ladies and Gentlemen, J.R. Smith! 

[Foto: Marco Paköeningrat/Flickr (Phelps)/CC BY-SA 2.0/Keith Allison/Flickr (James)/CC BY-SA 2.0/Ajith Kumar/Flickr (Ronaldo)/CC BY 2.0/Illustration von kultort.at]

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