Das war 2016 Popkultur

Das war 2016: Popkultur-Phänomene des Jahres, Teil 1

Das war 2016: Popkultur-Phänomene des Jahres, Teil 1 28. Dezember 20161 Comment

Das Online-Magazin mit Mut zu Meinung

Das vergangene Jahr hatte nicht nur politisch und sportlich einiges zu bieten, sondern lieferte auch das ein oder andere kulturelle Schmankerl. Deshalb schwelgte das Popkultur-Ressortteam noch einmal gemeinsam in Erinnerungen und die RedakteurInnen berichten von ihren persönlichen Highlights. Hier der erste Teil unseres Jahresrückblicks im Bereich Gesellschaft, Film und Musik.

Zu Teil 2 unserer Popkultur-Phänomene des Jahres geht’s HIER.

Glanz, Glamour und Skandale

Johannes Mayer: Oh, wie wir sie lieben. Auch wenn wir sie irgendwie alle verabscheuen, können wir auch nicht ohne sie. Die Welt der Prominenten unterhält uns — mehr oder weniger parallel zu unserem trüben Alltag — auf berauschende Art und Weise. Lasst uns doch einen Blick darauf werfen, wie es der glitzernden Scheinwelt im vergangenen Jahr ergangen ist:

Es war ein Jahr der Trennungen. Ach, was? Ist ja jedes Jahr so. Denn auch wenn sie alle hübsch und reich sind, ihre ausgeleuchteten Beziehungen enden ja im Grunde, trotz dem Luxusleben, in einem Desaster aus Schuldvorwürfen, aufgedeckten Affären und bizarren Outings.

Ganz vorne liegen hier natürlich Brad Pitt und Angelina Jolie, die ihre siamesische Beziehung als “Brangelina” mit einer überraschenden Scheidungsmeldung auflösten und damit einige Münder offen stehen ließen. Erschreckend? Ne, sind wir uns ehrlich — sowas musste doch kommen. Ähnlich schockierend natürlich Cathy und Richard “Mörtel” Lugner, deren Liebe als unerschöpflich galt. Auch Johnny Depp reiht sich hier ein und macht seinem Nachnamen alle Ehre. Siehe hier, warum. Und die Lombardis hat’s auch erwischt … wer auch immer das sein soll.

Weiteres haben wir erfahren, dass viele Deutsche den Nationalspieler Jerome Boateng nicht als Nachbarn haben wollen. Wahrscheinlich wegen dem ständigen Rampenlicht, Goodies aus der Nachbarschaft oder seinen lärmenden Lamborghinis. Ja, wer will schon neben einem Star leben. Auch Gina-Lisa Lohfink und Charlie Sheen haben sich was eingefangen. Gina-Lisa eine Klage, die sie selbst losgetreten hat, und Charlie einen Virus, der uns, trotz allem Mitgefühl, leider auch nicht verwundert.

Kommen wir zu der nächsten Frau, die wohl eher eine Birne als tatsächlich ein Hirn in ihrem Hinterkopf versteckt hält. Denn wer immer postet, wo er oder sie und mit wem sich ständig befindet, darf sich dann nicht über etwaige Mitwisser wundern. Sorry, Kim! Aber manchmal geht ein Hashtag auch nach Hintern los.

Wichtig gemacht hat sich auch der Jan Böhmermann mit seinem satirischen Angriff in Richtung des türkischen Präsidenten, Recep Tayyip Erdoğan. Als ewiger Befürworter von Satire muss ich allerdings zugeben: Nach dem Gedicht hätte ich als Erdoğan dem Böhmermann auch eine klatschen wollen. Dennoch stehe ich natürlich hinter Jan.

Das wären sie dann auch schon gewesen — einige meiner Highlights der staubigen, sich immer wieder überbietenden Glitzerwelt. Man sieht, die Luft da oben riecht eigentlich auch nicht viel besser. Die Kacke dampft einfach nur ein bisschen süßlicher.

Kinogang des Jahres

Magdalena Berger: Es gab bestimmte Phasen im Jahr 2016, in denen ich am liebsten im Kino gewohnt hätte, weil ich mich von zig Trailern immer ein bisschen zu sehr begeistern ließ. Meistens war dann der Trailer besser als der Film — klassisch — und ich bin € 9 ärmer und ein bisschen grantig aus dem Saal gelaufen. Bei Was hat uns bloß so ruiniert wäre ich am liebsten noch ein paar Minuten länger im weichen Kinosessel sitzen geblieben. Und das, obwohl meine Erwartungshaltung vorher immens war, was ja normalerweise Enttäuschungen vorprogrammiert.

Was hat uns bloß so ruiniert wirkt auf den ersten Blick ziemlich witzig. Marie Kreutzer, die auch bei meinem Lieblingsfilm aus 2015 (Gruber geht) Regie führte, zeichnet das Leben von drei befreundeten Wiener Paaren. Die sechs sind in ihren Dreißigern, es geht ihnen gut, sie sind erfolgreich und wirken, als wäre der Begriff “Bobo” quasi für sie erfunden worden. Ihre Welt ist so cool und perfekt, so voller MacBooks und Kochblogs, dass man fast neidisch werden könnte. Die Coolness der Akteure gerät das erste Mal ins Wanken, als Stella (Vicky Krieps) und Markus (Marcel Mohab) ihren Freunden verkünden, dass sie Nachwuchs erwarten. Die Reaktionen darauf sind eher verhalten und statt Stella und Markus mit Glückwünschen zu überhäufen, fragen sich die anderen zwei Paare, ob es für sie nicht ebenfalls langsam an der Zeit für Kinder wäre — und sind kurz darauf schwanger, was das maßgeschneiderte 1070-Leben auf die Probe stellt.

Ich will nicht zu viel verraten, aber eines sei gesagt: Marie Kreutzer lässt uns dabei zusehen, wie sechs Erwachsene unter dem Egoverlust des Elternseins leiden und sich langsam aber sicher zu genau den Spießern entwickeln, die sie niemals werden wollten.

Als Twenty-Something geht man verdammt unrund aus dem Film. Man erkennt sich in den Darstellern wieder und gerade das macht einem schmerzlich bewusst, dass das Leben nicht irgendwann von alleine super-toll wird. Der coole Job in der kreativen Branche, die hippe Altbau-Wohnung, das süße Kind und der fürsorgliche Freund sind kein Garantieschein für Lifelong-Happiness. Vor allem Stella zeigt uns, dass wir alles haben können und uns trotzdem fragen werden, warum wir eigentlich nicht zufrieden sind. Was hat uns bloß so ruiniert zerstört all unsere romantischen Zukunftsvorstellungen auf ironische und leicht überzogene Art und Weise. Und genau deshalb sollt ihr euch diesen Film ansehen.

Blumentopf verabschiedet sich

Thomas Bauer: Es war vermutlich der schwerste Gang in eine Konzerthalle, den ich je gegangen bin. Schon in der U-Bahn habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich wohl am Ende des Konzertes reagieren würde. Wird es emotional? Werde ich Dankbarkeit verspüren? So viele Gedanken schossen mir durch den Kopf, die meine Vorfreude auf ein geiles Konzert aber nicht minderten. Ich war froh, einer von über 900 Fans zu sein, der eine Karte für diese ausverkaufte Veranstaltung bekommen hat. Doch warum wurde dieses Konzert zu einer so emotionalen Angelegenheit?

Es war im Oktober 2015, als meine absolute Lieblings-Rap-Crew mit dem ungewöhnlichen Namen Blumentopf ihre Auflösung bekanntgab. Ich ahnte, dass dieser Zeitpunkt einmal kommen würde, dennoch hat diese Nachricht mich im ersten Moment schockiert. Mit der Zeit transformierte sich der Schock aber in Dankbarkeit und ich darf mit Stolz sagen, dass ich die Crew seit ihrem Debütalbum Kein Zufall aus dem Jahre 1997 begleitet habe. Was danach kam, waren weitere sieben grandiose Alben, unzählige zeitlose Tracks und Feature-Parts, zwei Kollaborationsalben, EM- und WM-Rapportagen, und viele, viele Liveauftritte. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich sie in Wien spielen gesehen habe.

Die Band wollte sich aber nicht einfach nur mit einer banalen Pressemeldung aus dem Business und von seinen Fans verabschieden, sondern mit einer anständigen Abschiedstournee — und Wien war zu meiner Freude dabei. Am 23. Oktober spielten sie ein letztes Mal in der Wiener Arena. Noch einmal durften wir die vier Rapper Cajus, Schuster, Wunder, Roger und DJ Sepalot live erleben. Drei Stunden Power, Bühnenpräsenz, Songs aus ihrem gesamten Repertoire und alles ohne Pause. Ich kenne kaum eine Band, die auf der Bühne so perfekt harmoniert und eingespielt ist. Am Ende war ich froh, dabei gewesen zu sein und bin zufrieden mit ein paar Merchandise-Artikel in der Tasche in der U-Bahn gesessen.

[Foto: Cancillería del Ecuador/Flickr (Angelina Jolie)/CC BY 2.0/Illustration von kultort.at]

Das Online-Magazin mit Mut zu Meinung

One comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*