5 gewagte Thesen für das Fußballjahr 2017

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2016 hatte es so ziemlich in sich: Portugal gewann den EM-Titel, Leicester City die Premier League, das ÖFB-Team so gut wie nichts und mehrere Topstars folgten dem Ruf des Geldes bis nach China. So wurde das vergangene Fußballjahr zu einem, das wir so schnell nicht wieder vergessen werden. Doch nun wird es Zeit, einen Blick in die imaginäre Glaskugel zu werfen und sich zu fragen, wer uns dieses Jahr die ein oder andere Sensation im populärsten Sport der Welt bereiten könnte.

1. In der Champions League gibt’s einen Überraschungssieger

Die Gruppenphase der Champions-League-Saison 2016/2017 ist vorbei, Überraschungen gab es bisher keine. Die Buchmacher zählen die üblichen Verdächtigen zum engeren Kreis der Titelaspiranten: Real Madrid, FC Bayern München, FC Barcelona oder Atlético Madrid. Aber auch die kleinen Teams haben für Aufsehen gesorgt.

Nach dem letztjährigen Titelgewinn läuft es für Leicester City in der Premier League zwar nicht nach Plan und man gurkt in der unteren Tabellenhälfte umher, in ihrer Debütsaison in der Champions League haben die Mannen von Claudio Ranieri aber mit dem Gruppensieg eine gute Figur gemacht. Mit dem FC Sevilla treffen sie im Achtelfinale auf einen schlagbaren Gegner.

Neben den “Foxes” hat es auch der AS Monaco als Gruppensieger geschafft, das Achtelfinale zu erreichen. In der heimischen Liga läuft es ebenfalls richtig gut, Monaco liegt nur zwei Punkte hinter OGC Nizza und sorgt für wahre Offensivspektakel — 56 Tore in 19 Spielen bedeutet einen Schnitt von fast drei Toren pro Match. Im Achtelfinale treffen sie nun auf Manchester City, welches in den vergangenen Saisonen immer bewiesen hat, dass es sich in der Champions League schwer tut. Eine Überraschung ist hier durchaus möglich.

Die Vergangenheit hat bewiesen, dass Fußballzwerge auch in der Königsklasse weit kommen können und heuer ist es wieder soweit.

2. RB Leipzig wird deutscher Meister

Nach der Gründung des Fußballklubs Rasenball Leipzig im Jahr 2009 war es nur eine Frage der Zeit, bis der Verein bis in die deutsche Bundesliga aufsteigen würde. Im vergangen Jahr war es dann soweit und man konnte nach nur sieben Jahren die oberste Stufe im deutschen Vereinsfußball erklimmen. Statistiker und Analytiker haben den “Bullen” in ihrer ersten Saison zunächst wenig zugetraut und einen Platz im gesicherten Mittelfeld prognostiziert. Nach 16 Spielen und dem zweiten Platz in der Tabelle (nur drei Punkte hinter dem übermächtigen FC Bayern) lassen die Zahlen und Fakten aber eine andere Sprache sprechen.

Das Projekt des Red Bull Inhabers Dietrich Mateschitz ist umstritten und außerhalb der Stadt nicht sehr beliebt. Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, kritisierte die Philosophie von RB Leipzig stark und auch bei Auswärtsspielen zeigen Fans ihren Unmut gegenüber dem finanzstarken Verein, welcher scheinbar aus dem Nichts den deutschen Fußballhimmel erobert hat.

Sportlich lässt man sich aber nicht aus der Ruhe bringen und kann konstant starke Leistungen abrufen. Mit dem gebürtigen Grazer Ralph Hasenhüttl hat man auch einen Trainer, der den modernen Fußball zelebriert und am Trainermarkt in Europa heiß begehrt ist. Es ist wieder einmal an der Zeit, dass eine Mannschaft dem “Stern des Südens” Konkurrenz macht. Leipzig ist heiß und will sich bereits in der erste Saison etablieren. Die Überraschung wird gelingen.

3. “Kloppo” gewinnt als erster deutscher Trainer die Premier League

Nach dem überraschenden Rücktritt als Trainer von Borussia Dortmund ließ Jürgen Klopp im Oktober 2015 die Bombe platzen: Er ist der nächste Trainer des FC Liverpool. Somit ist“Kloppo” nach Felix Magaths Engagement beim FC Fulham 2014 erst der zweite deutsche Trainer auf der Insel. Klopp, der den 1. FSV Mainz 05 bis in die deutsche Bundesliga coachte und dort etablierte, ist nicht nur einer der besten Trainer der Welt — er ist auch bei Medien und Fans sehr beliebt und wirkt bei Pressekonferenzen und am Spielfeldrand äußerst authentisch und menschennahe. Er spielt gerne mit Emotionen und zeigt diese auch, was ihn als Trainer besonders macht.

Nachdem er Borussia Dortmund wieder zurück an die Spitze des deutschen Fußballs und bis ins Champions-League-Finale brachte, soll er nun den FC Liverpool wieder zu gewohnt alter Stärke führen. Nach seiner Übernahme konnte er dem Team schnell seine Grundwerte vermitteln: Mut, Kampfgeist und ein starker Wille. Es scheint so, als könnte Klopp den Spielern den alten Geist der Anfield Road wieder eintreiben.

Man rangiert nun an zweiter Stelle, fünf Punkte hinter dem FC Chelsea. Ob es “The Normal One” heuer gelingen wird, das Team von Antonio Conte noch einzuholen, wird sich zeigen. Aber auch in Zukunft ist mit dem neuen FC Liverpool und Jürgen Klopp zu rechnen.

4. Cristiano verlässt Real Madrid

Das Jahr 2016 wird Cristiano Ronaldo wohl nicht so schnell vergessen. Real Madrid fehlte zwar ein Punkt auf die nationale Meisterschaft, das Champions-League-Finale gegen den Stadtrivalen konnte man aber in einer epischen Schlacht im Elfmeterschießen gewinnen. Und wer hat den entscheidenden Penalty verwandelt? Klar doch, das war niemand geringerer als the man himself, Cristiano Ronaldo.

Nicht zu vergessen: Der Europameisterschaftsgewinn als verletzter Co-Trainer. Er führte sein Portugal durch die Qualifikation und trotz einer eher durchschnittlichen EM sogar zum Titel — einer der wenigen Triumphe, der in seiner Sammlung noch gefehlt hatte.

Auf Vereinsbasis (wie auch persönlich) hat “CR7” alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Es muss etwas Neues her. Eine neue Herausforderung. Seine Karriere scheint noch nicht vorbei zu sein und er ist sicher noch hungrig. Was wäre die logische Konsequenz? Genau, ein Vereinswechsel!

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Top-Klubs in Europa bereit sind, nahezu unerschwingliche Summen für einen einzelnen Spieler auszugeben, was im Falle einer Verpflichtung von Ronaldo wohl auch notwendig wäre. Gerüchte haben schon letztes Jahr einen Wechsel zurück nach Old Trafford vorausgesagt. Ob aber Real bereit ist, Ronaldo ziehen zu lassen, ist eine andere Frage. Er selbst würde wohl ein neues Kapitel in der Erfolgsgeschichte seiner Karriere begrüßen.

5. Österreich schafft die Wende in der WM-Quali

Nach der ernüchternden Europameisterschaft erhoffte man sich einen Neuanfang in der WM-Qualifikation. Nach vier Spieltagen liegen Baumgartlinger und Co. aber nur auf dem vierten Tabellenplatz, sechs Punkte hinter Leader Irland. Aus der Sicht des Nationaltrainers Marcel Koller kann man 2016 als ein Seuchenjahr bezeichnen. Nichts schien zu gelingen, die Mannschaft verfiel in alte Muster und das Selbstvertrauen war verloren.

Aber: 2016 ist vorbei, somit vielleicht auch die Seuche? Das nächste WM-Quali-Spiel findet Ende März statt und noch ist nichts verloren. Gegen Moldawien wird man sich wieder fangen und mit einem Kantersieg neue Hoffnung schöpfen. Die richtungsweisenden Spiele gegen Irland und Wales werden als “Bezwinger des Inselfluchs” der österreichischen Nationalmannschaft in die Geschichte eingehen. Zum Schluss wird es noch drei Siege gegen Serbien, Georgien und Moldawien geben und wir fahren 2018 zur Weltmeisterschaft. Und die Euphorie wird wieder von vorne beginnen — mit reichlich mehr an Erfahrung.

[Foto: Illustration von kultort.at]

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