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Drei zugegeben optimistische Wünsche für die zweite Saisonhälfte in der NBA

Was der zweiten Saisonhälfte noch einmal so richtig einen Schuss in den Wurfarm geben könnte

Drei zugegeben optimistische Wünsche für die zweite Saisonhälfte in der NBA 27. Januar 20173 Comments

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Vergangenen Montag ist es den eher durchschnittlichen New Orleans Pelicans gelungen, das beste Team der Eastern Conference, die Cleveland Cavaliers, 124:122 zu besiegen. Und das, obwohl Clevelands Kyrie Irving 49 Punkte erzielte, LeBron James mit 26 Punkten, 12 Assists und 10 Rebounds ein Triple Double hatte und die Pelicans ohne ihren Superstar, Anthony Davis, auskommen mussten. Genau dasselbe Team aus New Orleans spielte einen Tag zuvor mit ihrem All Star in New York gegen das schlechteste Team der gesamten Liga, die Brooklyn Nets — und verlor 114:143!

Am selben Tag, als die Davis-losen Pelicans den Meister aus Ohio überraschten, gastierte der große Favorit auf den Meistertitel, die Golden State Warriors, in Miami und musste ausgerechnet gegen einen “out of his mind”-spielenden Dion Waiters den Kürzeren ziehen. Der Entstand: 105:102 für die Heat, Waiters mit dem spielentscheidenden Dreier.

Wenn man nach einer kurzen Regenerationsphase einige dieser außerordentlichen Ergebnisse verkraftet hat, kommt man zur Erkenntnis, dass diese schon fast bizarren Resultate nur eines bedeuten können: Willkommen im Jänner, dem NBA-Niemandsland der 82 Spiele langen Regular Season!

Die meisten Spieler sehnen sich schon nach dem wohlverdienten Kurzurlaub, besser bekannt als das All-Star-Weekend, haben mit der ein oder anderen Verletzung zu hadern oder denken schon mehr an die Trade Deadline am 23. Februar, wo es sicherlich wieder zu einigen interessanten Wechsel kommen wird.

Trotzdem sollte nicht zu viel gejammert werden, denn wenn sich ein Großteil der Basketballfans aufregt, dass der amtierende zweimalige MVP, Stephen Curry, anstatt von Russell Westbrook in die Startaufstellung des All-Star-Teams gewählt wurde, kann man durchaus sagen, dass das Niveau so hoch ist wie selten zuvor.

82 Saisonspiele sind aber einfach eine verdammt lange Zeit und da ist es schon mal verständlich, wenn das Interesse nicht immer ganz da ist. Darum sind hier drei (zugegeben optimistische) Wünsche, welche der zweiten Saisonhälfte noch einmal so richtig einen Schuss in den Wurfarm geben könnten.

1. Die “Sixers” erreichen die Playoffs

Wirklich religiös war ich noch nie, doch seit diesem Jahr bin ich ein stolzer Anhänger des “Process”-Klans. Warum, fragt ihr? Deswegen! (Derzeitiger Stand, wie oft ich mir dieses Video schon angesehen habe: 4.279)

Hoch lebe Joel “The Process” Embiid! Bereits 2014 von Philadelphia gedraftet, konnte der Rookie aufgrund mehrerer Verletzungen die letzten beiden Saisonen für die 76ers nicht auflaufen. Da man sich noch etwas Sorgen um die Gesundheit des Youngsters macht, spielte Embiid bisher nur rund 25 Minuten pro Partie. Wenn man seine Statistiken allerdings auf 36 Minuten pro Spiel hochrechnet und mit den Rookie-Saisonen einiger der erfolgreichsten Big Men in der Geschichte der Association (ebenfalls auf 36 Minuten hochgerechnet) vergleicht, wird schnell klar, auf welchem Kurs sich der gebürtige Kameruner befindet:

Embiid: 28,3 Punkte / 11,2 Rebounds / 4,4 3er-Versuche / 3er-Quote: 34,8 % / Player Efficiency Rating: 24,0 (Durchschnitt: 15,0)
Kareem Abdul-Jabbbar (1969-70): 24,1 P. / 2,2 R. / (Die Dreipunktelinie wurde erst 1979 eingeführt.) / PER: 22,5
Shaquille O’Neal (92-93): 22,2 P. / 13,2 R. / 0 3er-Versuche / 3er-Quote: 0 % / PER: 22,9
Tim Duncan (97-98): 19,4 P. / 11,0 R. / 0,1 3er-Versuche / 3er-Quote: 0 % / PER: 22,6

Die Zahlen sprechen für sich. Mit einer Kombination aus Größe (2,13 m), schon weit fortgeschrittener Beinarbeit, einem konstanten Dreipunktewurf und einer bereits jetzt legendären Social-Media-Präsenz könnte Embiid der NBA-Superstar der nächsten 10-15 Jahre werden.

Und dann wäre da ja noch der heurige Nummer-1-Pick der “Sixers”, Ben Simmons. Der Australier konnte aufgrund eines Fußbruches noch keine einzige NBA-Minute absolvieren, sein Auftritt in der Summer League sah aber schon vielversprechend aus und erinnerte etwas an einen jungen LeBron James.


MEHR: Zwei Jahre nach ihrer Trennung — so geht es den “Heatles” heute


Derzeit befindet sich Philadelphia auf dem zwölften Rang in der Eastern Conference, 4,5 Spiele fehlen auf einen Playoff-Platz. Im Jänner konnten die 76ers allerdings neun ihrer zwölf bisherigen Spiele gewinnen und Simmons könnte schon kurz nach dem All-Star-Break sein Debüt geben. Wie schön wäre es also, wenn den jungen 76ers noch ein Run auf den achten und letzten Playoff-Platz gelingen würde und es in der ersten Runde auf ein Aufeinandertreffen zwischen dem “Process” und dem Meister aus Cleveland käme?!

2. Das Ex-Thunder-Trio dominiert das MVP-Rennen

2012 gelang es den damals noch jungen Oklahoma City Thunder, bis in die NBA-Finals vorzustoßen. Dort scheiterten sie zwar an den Miami Heat, aber für die Truppe rund um Kevin Durant, Russell Westbrook und James Harden war zu diesem Zeitpunkt klar, dass dies erst der Beginn einer Zeitspanne war, in der die Thunder noch viele Endspielauftritte haben würden.

Einige schlecht getimte Verletzungen und fragwürdige Personalentscheidungen führten allerdings dazu, dass “OKC” seitdem der Finaleinzug verwehrt geblieben ist. Nur ein paar Monate nach der Niederlage gegen LeBron & Co. wurde James Harden, der zu dieser Zeit amtierende “Sixth Man of the Year”, nach Houston getradet, vergangenen Sommer wechselte Kevin Durant in die Bay Area zu den Warriors.

Somit ist Russell Westbrook der nun unumstrittene Superstar in Oklahoma City und wird dieser Rolle auch mehr als gerecht. “Brodie” ist mit 31 Punkten, 10,6 Rebounds und 10,2 Assists auf dem Weg, nach Oscar Robertson der erst zweite Spieler in NBA-Geschichte mit einem Triple-Double-Schnitt über eine ganze Saison zu sein. Können seine Durant-losen Thunder ihre derzeitige Form behalten und den Einzug in die Playoffs schaffen, wäre Westbrook ohne Zweifel einer der Top-Favoriten auf die Auszeichnung zum “Most Valuable Player”.

Ähnliches gilt für James Harden in Houston. Neo-Rockets-Coach Mike D’Antoni entschied sich vor der Saison dazu, den Mann mit dem auffälligen Bart auf die Position des Point Guards zu geben und der Taktikwechsel trägt bereits seine Früchte. Der Ex-Thunder erzielt die drittmeisten Punkte (28,6 pro Spiel) in der Liga und führt mit 11,6 Vorlagen pro Partie in der Assistwertung. Zudem sind die sehr offensiv ausgerichteten Rockets in der Western Conference auf dem beeindruckenden dritten Platz und wahrscheinlich das einzige Team, das den Warriors in einem Offensivduell die Stirn bieten könnte.

Und was gibt es über den ehemaligen MVP, Kevin Durant, eigentlich noch zu sagen? “KD” macht, was “KD” schon seit Jahren macht — nur dieses Jahr sogar noch effizienter, denn seine Effective Field Goal Percentage beträgt unglaubliche 60,1 %. Sein bisheriger Karrierebestwert lag bei 57,8 %. Hauptgrund dafür ist sein Wechsel zu den Warriors, denn in einem Team mit Curry, Klay Thompson und Draymond Green bekommt der 28-Jährige unzählige freie Würfe, die er auch eiskalt verwertet. Gelingt es heuer den Warriors, erneut die 70-Siege-Marke zu erreichen, sollte wohl auch der beste Spieler des mit Abstand besten Teams der Liga die MVP-Trophäe entgegennehmen.

Vor rund fünf Jahren noch im selben Kader, gehören Westbrook, Harden und Durant heute zu den wahrscheinlich fünf besten Basketballern der Welt. Daher ist die Wahrscheinlichkeit auch sehr hoch, dass einer der drei dieses Jahr sich “Wertvollster Spieler der Saison” nennen dürfen wird. Hätten das die Thunder 2012 schon gewusst, sähe die NBA heute wohl etwas anders aus.

3. “Boogie” wird getradet

DeMarcus Cousins ist (abgesehen von Marc Gasol) der beste Center/Power Forward der Welt. Gedraftet in 2010, sorgt der nun 26-Jährige Saison für Saison für einige der am meisten beeindruckenden Individualstatistiken in der gesamten NBA — auch heuer wieder: 28 Punkte, 10,3 Rebounds und ein PER von 26,7. So war es eine Selbstverständlichkeit, dass “Boogie” schon das dritte Jahr in Serie in das All-Star-Team der Western Conference gewählt wurde.

Aber: Basketball ist immer noch ein Teamsport und um in einem Atemzug mit LeBron, Curry und Durant genannt zu werden, fehlt Cousins etwas ganz Wichtiges: Teamerfolg. Die Kings sind einer der chaotischsten Vereine des letzten Jahrzehnts. Seit der DeMarcus-Ära in Sacramento hatten sie sechs (!) verschiedene Cheftrainer, verpassten jedes Jahr die Playoffs und konnten in keiner Saison mehr als 33 Spiele gewinnen. Natürlich liegt das auch an den schlechten Draft-Picks und missglückten Spielerverpflichtungen, welche die Chefetage in der kalifornischen Hauptstadt durchführte, aber Cousins trifft ebenso eine Mitschuld.

Einerseits ein genialer Spieler, doch auf der anderen Seite ein unbändiger Hitzkopf, der es seinen Mitspielern und Coaches nicht einfach macht, sich rein auf Basketball zu konzentrieren. So ist Cousins Jahr für Jahr einer der Spieler mit den meisten technischen Fouls in der NBA. Die Worte, mit denen Kings-Forward Rudy Gay den nun Ex-Kings-Coach George Karl 2015 in Sacramento willkommen hieß, sind alles, was man über die derzeitige Lage der traditionellen Franchise wissen muss: “Welcome to basketball hell.”

Wie soll es also weitergehen? Ganz einfach, DeMarcus Cousins muss getradet werden. Er persönlich könnte einen Tapetenwechsel wirklich gut gebrauchen und für die Kings wird es Zeit, ein neues Zeitalter in ihrer Teamgeschichte einzuleiten. Schon seit Jahren gibt es Gerüchte, dass die Boston Celtics dazu bereit wären, das Risiko einzugehen, um mit “Boogie” im Kader den allmächtigen Cavaliers richtig Paroli zu bieten. Mit respektierten NBA-Namen wie Avery Bradley, Marcus Smart oder Jae Crowder hätten sie auch die geeigneten Puzzle-Teile für einen Tausch und könnten sich dadurch innerhalb kürzester Zeit in die bescheidene “Heavyweight Division” der Eastern Conference hochtraden.

Aufgrund eines neuen Deals zwischen der NBA und der Spielergewerkschaft, der es Superstars erlauben wird, mit ihren aktuellen Teams einen beachtlich lukrativeren Vertrag zu unterzeichnen als mit anderen Mannschaften, könnten die Kings ihrem Franchise-Player über die nächsten fünf Jahre mehr als 200 Millionen US-Dollar anbieten. Ob Cousins zu dieser gewaltigen Summe Nein sagt, kann bezweifelt werden. Aber Träumen darf man ja noch, oder?

Stand aller angegebenen Statistiken: 27.01.2017 

Johannes auf Twitter: @Joe_Pressler

[Foto: Keith Allison/Flickr (Durant)/CC BY-SA 2.0/Brent Burford Photography/Flickr (Embiid)/CC BY 2.0/Mike/Wikimedia (Cousins)/CC BY-SA 2.0/Illustration von James P. Platzer]

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