NFL Sport Superbowl 51

Julio Jones: Sein Weg zum besten Wide Receiver der Welt

Über den Werdegang des Superstar-Receivers der Atlanta Falcons

Julio Jones: Sein Weg zum besten Wide Receiver der Welt 31. Januar 20174 Comments

Das Online-Magazin mit Mut zu Meinung

Mit 20 Yards pro Spielzug und zwei Touchdowns konnte Julio Jones das NFC Championship Game gegen die Green Bay Packers beinahe im Alleingang entscheiden. Doch wer ist Julio Jones eigentlich? Wer ist der Mann, für den die Atlanta Falcons 2011 beim Draft gleich fünf (!) Draft-Picks an die Cleveland Browns abgaben, um in ihn in der 1. Runde an sechster Stelle auswählen zu können. Wir blicken für euch in die Vergangenheit und begleiten den Werdegang des derzeit besten Wide Receivers der National Football League und einen der Hauptgründe für den diesjährigen Erfolg der Atlanta Falcons.

Quintorris Lopez “Julio” Jones wurde am 3. Februar 1989 in Foley, Alabama geboren. Jones besuchte die dortige Highschool und spielte für die Foley Lions, bei denen er erste Erfahrungen als Wide Receiver und Defensive End sammeln konnte. Neben American Football spielte er für deren Basketballteam und betrieb Leichtathletik. So ist Jones außerdem State-Champion im Weitsprung und im Dreisprung.

How many people do you know as a high school and college player who go by one name, and you know exactly who he is?
— Lance Thomas, Assistant Coach der University of Alabama

Während seiner Highschool-Laufbahn konnte er beeindruckende Statistiken abliefern und unzählige College-Scouts auf sich aufmerksam machen. Man muss dabei wissen, dass in den USA selbst bei Highschool-Spielen eine enorme Medienpräsenz herrscht, besonders wenn die größten Nachwuchstalente des Landes auf dem Feld stehen.

Doch abseits des Feldes war Jones ein eher schüchterner Typ. Wenn er Leute traf, war er ruhig und verhalten. Das Wort “bescheiden” fällt in jedem Gespräch über Julios Rekrutierung für’s College. Jones sah noch nie einen Grund, sich für jemanden zu ändern, wie er selbst meint: “It wasn’t about being humble, it’s just how I am.”

Vom Highschool-Star zum Führungsspieler am College

2008 zeigten Dutzende Colleges ein enormes Interesse an Jones, doch er merkte schnell, dass einige Coaches nicht wirklich verstanden, was er suchte. Oft wurde ihm versichert, dass wenn er für diese Mannschaft unterschreibe, sofort einen Startplatz bekommen würde. Genau was junge Spieler hören wollen, doch Jones war damit nicht zufrieden. Er wollte sich seinen Platz im Team verdienen! Als Nick Saban, Cheftrainer der Alabama University, zu Jones sagte, dass das Team sowohl mit als auch ohne ihn gewinnen würde, sah Jones dies als Motivation und so sollte sein Weg zur berühmten Alabama Crimson Tide führen.

In seinem ersten von drei Jahren bei Crimson Tide wurde Jones relativ schnell zu einem wichtigen Spieler im Team, der auch bei den Fans sehr beliebt war. Julio Jones war zudem der erste Receiver bei Crimson Tide überhaupt, der bereits als Freshman im Eröffnungsspiel der neuen Saison in der Startaufstellung stehen durfte. Im ersten Spiel fing er vier Pässe für 28 Yards und erzielte auch gleich einen Touchdown.

Am Ende der Saison stand das Team mit einer Bilanz von 12-0 im SEC Championship Game gegen Tim Tebow und Florida State. Sie verloren das wichtigste Spiel, doch nur ein Jahr später konnten sie einen von vier Titeln zurück nach Tuscaloosa bringen.

Vom College-Champion zum heiß begehrten Draft-Pick

Am 7. Januar 2011 entschied sich Jones, auf das vierte Jahr am College zu verzichten und sich mit ein paar Kollegen auf den NFL-Draft vorzubereiten. Beim Draft rannte er den berühmten 40-Yard-Dash in 4.39 Sekunden und sprang beim Weitsprung aus dem Stand 3,4 Meter. Crazy Fact: Wie sich später herausstellen sollte, lieferte Jones diese beeindruckenden Zahlen mit einem Bruch im rechten Fuß.

Die Atlanta Falcons brauchten zu dieser Zeit unbedingt einen zweiten Receiver neben Roddy White, doch ihre Ausgangslage war nicht gerade günstig. Atlanta kam erst an 27. Stelle in der ersten Runde zum Zug. Die Chance war sehr gering, mit Julio Jones oder A.J. Green (University of Georgia) eines der Ausnahmetalente auf der Receiver-Position zu draften.

Die Cleveland Browns, welche 2011 den sechsten Pick besaßen, waren Partner der Falcons. Atlanta-General-Manager Thomas Dimitroff kannte seinen Kollegen der Browns schon länger, somit war ein eventueller Tausch im Bereich des Möglichen. Die NFL ist trotz aller Beziehungen ein knallhartes Business und so ließ sich die Franchise aus Georgia den sechsten Pick einiges kosten.

Um Julio verpflichten zu können, gaben die Falcons im Tausch den 27., den 59. und den 124. Pick sowie den Erst- und Viertrunden-Pick der kommenden Saison an die Cleveland Browns.

Vom teuren Draft-Pick zum NFL-Superstar

Für Atlanta war klar: Julio Jones ist die Zukunft der Falcons. Dimitroff wusste, dass die Fans und die Medien einen Deal dieser Größenordnung forderten, um die Falcons so zum Erfolg bringen würde. Auf den Schultern von Julio Jones lastete deshalb enormer Druck und eine hohe Erwartungshaltung.

He’s so explosive. He’s so physically gifted. Right away, I knew that we had a game-changer on our team.
— Matt Ryan, Quarterback der Atlanta Falcons

Jones konnte in seiner Rookie-Saison 54 Bälle fangen, 959 Yards und acht Touchdowns erzielen und somit alle Erwartungen erfüllen. Außerdem verhalf er der Franchise in seiner ersten Saison mit zehn Siegen und sechs Niederlagen zu einer positiven Bilanz. Am Ende seiner zweiten Saison standen die Falcons sogar bei 13 gewonnen und nur drei verlorenen Spielen, weshalb Julio in den Pro-Bowl gewählt wurde.


MEHR: Tom Brady — mehr Roboter als Mensch


Nach fünf Spielen in der 2013er Saison machte sich jedoch sein rechter Fuß wieder bemerkbar. Jones brach sich den gleichen Mittelfußknochen wie am College. Eine Verletzung, die ihm die letzten elf Spiele der Saison kosteten, was sich auf lange Sicht allerdings positiv auswirken sollte. Julio hatte nur eine Bitte an die Ärtze: “Just make sure it doesn’t happen again.”

Die Methode der Ärzte war ein Erfolg. Sie haben es nicht nur geschafft, Jones für die darauffolgende Spielzeit wieder rechtzeitig fit zu bekommen, sondern auch, dass diese Verletzung seitdem nicht wieder aufgetreten ist. Sein Comeback war atemberaubend. 2014 stelle er 1.593 Receiving Yards auf und konnte sechs Touchdowns erzielen, dennoch beendete Atlanta die Saison mit einer enttäuschenden 6-10-Bilanz.

Mit frischen Ideen an der Seitenlinie zeigte auch die Leistungskurve der Falcons wieder deutlich nach oben. 2015 erreichte Jones 1.871 Receiving Yards, sein persönlicher Rekord, der ihn gleichzeitig zum besten Receiver der NFL machte. In der aktuellen Saison wurde aus den Falcons mit Quarterback Matt Ryan, Offensive Coordinator Kyle Shanahan und vielen weiteren Puzzle-Teilen eine unaufhaltsame Offensiv-Dampfwalze, die bis zum Superbowl 51 jeden Gegner in Grund und Boden spielen konnte.


MEHR: Der Superbowl-Guide — alles was ihr über die Falcons und Patriots wissen müsst


I see this entire arc and evolution of Julio Jones, and it makes you realize, you would never do it any other way. What we did was right for us at the time and right for us now.
— Thomas Dimitroff

Für die Atlanta Falcons ist Julio Jones ein Segen. Mit grandiosen 1.409 Yards bei 83 gefangenen Pässen und sechs Touchdowns zeigte er in dieser Saison, dass er jede Defense vor enorme Probleme stellen kann. Mit seiner Größe (1,91 m) und Statur (rund 100 kg) ist er beinahe 20 Kilo schwerer als seine Receiver-Rivalen Antonio Brown und Odell Beckham Jr. — und trotz seiner körperlichen Vorteile steht ihnen Julio in Beweglichkeit, Beschleunigung und Geschwindigkeit in keiner Weise nach.

Dank seiner körperlichen Voraussetzungen kann er sich gegen jeden Cornerback und Safety der NFL durchsetzen, was sich auch an 465 gefangenen Pässen in den ersten 75 Karriere-Spielen zeigt. In der Geschichte der NFL ist dieses Kunststück noch keinem anderen Spieler gelungen.

Dank seiner Fähigkeiten als vielseitiger Receiver stehen die Falcons zum zweiten Mal in ihrer rund 50 Jahre alten Franchise-Geschichte im Superbowl. Gegen die New England Patriots hat er nun die wohl größte Herausforderung seiner Karriere vor der Brust. Aber dass er sich vor solch einer Challenge nicht beeindrucken lässt, stellte Julio Jones schon oft genug unter Beweis.

Maximilian Ohr lernt Mediendesign in Würzburg und ist Mitgründer des Sportblogs The Undrafted.

kultort.at auf Twitter: @kultort

[Foto: Jack Kurzenknabe/Flickr/Public Domain Mark 1.0/Illustration von kultort.at]

Das Online-Magazin mit Mut zu Meinung

4 comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*