NFL Sport Superbowl 51

Tom Brady schreibt Sportgeschichte und macht sich endgültig zum “GOAT”

Tom Brady und seine New England Patriots gewinnen Superbowl 51

Tom Brady schreibt Sportgeschichte und macht sich endgültig zum “GOAT” 6. Februar 20171 Comment

Redakteur

Die New England Patriots und die Atlanta Falcons boten uns in der 51. Auflage des Superbowls eine unfassbare Show, ein Endspiel das man nicht mit einem Wort beschreiben kann. Der unfassbaren Leistung Atlantas in Hälfte eins folgte ein totaler Zusammenbruch im letzten Viertel und in der ersten Superbowl-Verlängerung überhaupt. Und am Ende blieb nur die Erkenntnis: Sie haben es schon wieder getan — Tom Brady und Bill Belichick sind die Masterminds des Comebacks, beide fünfmalige Champions und Brady beendet ein für alle Mal die Debatte, wer der “GOAT” (“Greatest of All Time”) in der NFL ist. Man könnte Bücher füllen.

Dabei war alles schon angerichtet für den ersten Superbowl-Erfolg von Atlanta. 28:3 führten die Falcons zu Beginn des dritten Viertels, eine schier undurchbrechbare Dominanz der Offensive, die ihrem Namen wieder einmal gerecht wurde und stur über das Feld marschierte. New England fand kein Mittel gegen Matt Ryan und seine zahlreichen Waffen.

Besonders Julio Jones konnte von den Patriots nicht gestoppt werden. Diese Woche wird er sich am Zeh operieren lassen müssen. Das wusste er schon vor dem Superbowl, hinderte ihn aber nicht daran, sein gewohntes Ding durchzuziehen. Just vor dem kritischen Sack an Ryan (später mehr dazu) sorgte er mit einem unglaublichen Catch an der Seitenlinie wieder für Sorgenfalten auf den Stirnen der Patriots-Fans. Von allen Spielern die gestern auf dem Feld standen — ihm hätte man den Erfolg am meisten gegönnt. Der Fehler, zu diesem Zeitpunkt das Bett aufzusuchen, wurde von vermutlich zu vielen Fans begangen.


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In jedem Superbowl gibt es diesen einen Schlüsselmoment, an den man sich für immer erinnern wird: Sei es David Tyrees Helmet Catch 2008, der Onside-Kick der New Orleans Saints 2010 zu Beginn der zweiten Hälfte, Mario Manninghams Sideline-Catch im vierten Viertel des 46. Superbowls oder der letzte Spielzug der Seattle Seahawks gegen die Patrtios vor zwei Jahren — jede Aktion ist so spektakulär, beinahe schon unrealistisch, aber so spielentscheidend. Im Endeffekt kippt das Momentum immer zu Gunsten einer Mannschaft … und da kommt dieser Herr ins Spiel: Julian Edelman!

Beim Stand von 20:28 aus Sicht der Patriots mit 2:25 Minuten auf der Uhr schlug seine große Stunde, als er einen abgelenkten Pass von Brady gegen drei (!) Falcons-Defensivspieler in spektakulärer Manier behaupten konnte. Raumgewinn von 23 Yards — der Football-Gott schien sich wieder einmal New England zuzuwenden.

Dass die Patriots überhaupt noch einmal zurück ins Spiel kamen, ist natürlich auch Verdienst von Tom Brady. Der 39-Jährige erlebte einen katastrophalen Abend bis zu jenem jetzt schon berühmten vierten Viertel: Incompletions von Brady und unfassbarer Quarterback-Druck der Falcons führten dazu, dass sich Brady mehr am Boden als in der gegnerischen Endzone wiederfand. Als er nach seiner Interception im zweiten Viertel mitansehen musste, wie Robert Alford gemütlich mit dem Ei in die Endzone lief, bekam der gemeine Zuschauer schon fast Mitleid mit dem erfolgsverwöhnten Superstar. Geknickt mit dem Kopf Richtung Boden und die Hände fast schon betend zusammengefaltet saß er auf der Bank, allein, und wusste wohl auch nicht, wie ihm gerade geschah.


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Aber es wäre nicht Brady, würde er nicht alles versuchen, um den Rückstand (egal wie hoch) wieder aufzuholen. Und das tat er dann auch einfach. Er schnappte sich seine Mitspieler und gab nicht auf, punktete und setzte auch ein Zeichen für seine Defensive, die Atlanta plötzlich stoppen konnte.

Dan Quinn, Cheftrainer der Falcons, dürfte sich spätestens jetzt einen sehr großen Zettel mit in sein Büro mitnehmen, auf dem er sich in großen Lettern “RUN THE BALL” notiert hat. Wie schon vor zwei Jahren, als er noch Defensive Coordinator der Seattle Seahawks war, muss er zu der Einsicht kommen, dass es in manchen Situationen einfach besser wäre, wenn man den Ball in die Hände seiner Running Backs gibt. Damals ließ man Marshawn Lynch nicht laufen (für diese Entscheidung ist Quinn nicht verantwortlich gewesen), für den Gameplan gestern muss er sich aber mitverantworten.

Sechs Minuten vor Ende der regulären Spielzeit und mit einem Vorsprung von acht Punkten setzte man auf einen Mix aus Lauf- und Passspiel, anstatt einfach stur zu laufen und damit mehr und mehr Zeit von der Uhr zu nehmen. Es trat der Worst Case ein, Ryan wurde gesacked, die sehr gute Ausgangsposition für ein Field Goal (das vermutlich für den Sieg gereicht hätte) wurde verspielt, man musste punten und ließ den Patriots noch massig Zeit. Wertvolle Sekunden, die Brady schließlich gnadenlos ausnutzte.

Die Münze hat zwei Seiten und entschied sich für beide Mannschaften. Zu Beginn des Spiels für Atlanta, in der Overtime für New England. Das starke Kollektiv der Falcons-Defensive konnte nicht mehr mithalten mit der freigesetzten Power der Patriots-Offensive. James White sorgte für den entscheidenden Touchdown. Brady brach sämtliche Superbowl-Rekorde (meiste Passversuche, meiste angekommene Pässe, meiste Yards) und machte sich mit seinem fünften Superbowl-Sieg endgültig unsterblich.

Aber so ist es nun einmal in der NFL, denn American Football ist ein einfaches Spiel: Rund 100 Männer jagen 60 Minuten lang einem Ei nach, und am Ende gewinnen die Patriots.

Martin auf Twitter: @msenfter

[Foto: Keith Allison/Flickr/CC BY-SA 2.0/Illustration von kultort.at]

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