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Wie China den Weltfußball erobern möchte

Warum wechseln gerade jetzt einige vermeintliche Superstars in das Reich der Mitte?

Wie China den Weltfußball erobern möchte 20. Februar 2017Leave a comment

Redakteur

Seit dem Wintertransferfenster des Fußballjahres 2015/2016 boomt ein regelrechter Kaufrausch in Chinas höchster Liga, der Chinese Super League (CSL). Klingende Namen wie Carlos Tevez, Jackson Martinez oder Hulk sind dem Ruf des Geldes bis in das bevölkerungsreichste Land der Erde gefolgt. Ein Rekordtransfer jagt den anderen. Im Dezember hat sich Shanghai SIPG die Verpflichtung von Oscar satte 60 Millionen Euro kosten lassen. Die Frage stellt sich nun, warum gerade jetzt einige vermeintliche Superstars in das Reich der Mitte wechseln.

Bis vor ungefähr einem Jahr gab es kaum bekannte Spieler in der CSL. Die zum Teil osteuropäischen Trainer hauchten der Liga einen gewissen westlichen Flair ein, die großen Namen fehlten aber. Für kaum einen Profi aus Europa war es denkbar, für einen chinesischen Verein zu spielen. Der gesamte chinesische Fußball war einfach zu unattraktiv. China belegt zur Zeit Rang 86 in der FIFA-Weltrangliste. Für den chinesischen Staatschef Xi Jinping, selbst ein großer Fußballfan, war die schlechte Position seiner Nation ein Anstoß dafür, mehr für den größten Volksport der Welt zu tun. Es wurden landesweit Fußballakademien errichtet, schließlich muss es ja unter den fast 1,4 Milliarden Chinesen den einen oder anderen Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo geben. Jetzt heißt es nur noch, die zukünftigen Superstars zu finden. Bis dieses Unterfangen aber in die Tat umgesetzt werden kann, sollen ausländische Akteure die Niveaulücken im chinesischen Fußball füllen.

“Bei 25 Millionen [Euro] vielleicht, aber bei 20 noch nicht. Ich bin schon so lange dabei, man darf nichts für die Zukunft ausschließen. Aber Bayern hat schon ein Gespräch mit mir gehabt und ich weiß, was ich an dem Verein habe und auch anders herum. Das ist für mich wirklich kein Thema. Ich bin jetzt fokussiert auf die Rückrunde. Ich will fit sein und Titel gewinnen.” Während einer Pressekonferenz liebäugelte Bayerns Flügelflitzer Arjen Robben mit einem Engagement bei einem chinesischen Verein. Seine Aussage untermauert den wohl ausschlaggebendsten Grund für viele Spieler, aus europäischen Topligen in den Osten zu wandern. Neben der chinesischen Regierung pumpen auch reiche Unternehmen Gelder in die Vereine. Spieler werden mit hohen Gehältern angelockt und die europäischen Vereine mittels hoher Transfersummen zur Abgabe überredet. Carlos Tevez soll angeblich rund 40 Millionen Euro im Jahr bekommen und avanciert somit zum Topverdiener unter den Fußballprofis auf unserem Globus. 


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Während man sich in China durch den Zukauf von Tevez und Co. einen Boom erhofft, verweisen Kritiker oft auf eine umkehrende Entwicklung. Zur Zeit dürfen in der CSL vier nicht-chinesische Spieler von Beginn an am Platz stehen. Die chinesischen Vereine meinen, dass das Ansehen der Liga durch die Stars angehoben wird. Die Schere zwischen den lokalen Spielern und europäisch erfahrenen Kickern reicht aber doch sehr weit auseinander. Der Niveauunterschied kann sich sowohl negativ auf den heimischen Fußball auswirken, als auch auf die Legionäre. Außerdem fürchtet man durch die immensen Investitionen für Spieler eine zu platzen drohende Fußballblase. Angepasste Gehälter für die eher durchschnittlichen chinesischen Spieler lassen die Ausgaben weiter in die Höhe treiben. Das Fußballgeschäft in China wird ohne Erfolge auf Dauer nicht in gleicher Weise fortgeführt werden können.

Volkssportarten in China wie Tischtennis oder Kunstturnen werden schon seit jeher gefördert. Bei olympischen Sommerspielen findet man die Volksrepublik immer weit oben im Medaillenspiegel. Fußball allerdings stand lange im Hintergrund — was sich nun ändern soll. Mit einer einzigen WM-Teilnahme aus dem Jahr 2002 kann der chinesische Fußball (noch) nicht glänzen.  Die nächsten Jahre werden zeigen, ob der gegenwärtige Trend der richtige ist. Man darf auf alle Fälle gespannt die Entwicklungen in China verfolgen.

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[Foto: rayand/Flickr/CC BY 2.0/Illustration von kultort.at]

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