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Gewinner und Verlierer: Oscars 2017

Gewinner und Verlierer: Oscars 2017 27. Februar 20172 Comments

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In der Nacht von Sonntag auf Montag fand die 89. Oscar-Verleihung in Los Angeles statt. Die mehr als 6.600 Mitglieder der Academy wählten in 24 Kategorien die Sieger aus. Die meisten Statuen (insgesamt sechs) konnte La La Land gewinnen, aber ist der Musical-Film dadurch auch automatisch der große Gewinner der gestrigen Oscar-Verleihung? Welche anderen nominierten Filme müssen als größte Verlierer eingestuft werden? Und was zum Teufel geschah am Ende einer sonst durchaus gelungenen Award-Show?

Gewinner: Jimmy Kimmel

Einer der großen Gewinner der Oscars war der Late-Night-Show-Moderator Jimmy Kimmel. Er moderierte nicht nur zum ersten Mal die Oscar-Verleihung, sondern lockerte auch den gesamten Saal mit humorvollen Sticheleien gegen den aktuellen Präsidenten der USA auf. Mit weiteren populären Elementen seiner Late-Night-Show, wie seiner Fehde mit Matt Damon und einer Sonderedition von “Celebrity  Mean Tweets”, gelang es Kimmel so gut wie selten zuvor, das Publikum über mehr als drei Stunden bei guter Laune zu halten.

Gewinner (und gleichzeitig Verlierer): La La Land

Die Musical-Verfilmung konnte in der allerwichtigsten Rubrik zwar nicht gewinnen, dennoch ist La La Land mit sechs gewonnen Oscar-Statuen der große Abräumer dieser Verleihung. Mit rekordverdächtigen 14 Nominierungen gingen sie ins Rennen, das schafften bis jetzt nur Titanic (1997) und Alles über Eva (1950). Von den angestrebten zehn Statuen war La La Land weit entfernt, nichtsdestotrotz konnten sie in einigen wichtigen Kategorien gewinnen — unter anderem “Beste Hauptdarstellerin” (Emma Stone), “Beste Regie” (Damien Chazelle) und “Beste Filmmusik” (Justin Hurwitz).

Screenshot via Twitter
Screenshot via Twitter

Doch dann die Panne: Für kurze Zeit fühlte es sich wie eine schlechte Clip-Show auf RTL II an. Anders können die letzten Minuten der Liveübertragung nicht beschrieben werden. Eigentlich war alles bereit für den siebenten und letzten Oscar-Gewinn von La La Land in der Kategorie “Bester Film”. Der Vortragende Warren Beatty, selbst ein bekannter Schauspieler, öffnete den Briefumschlag und der Film von Damien Chazelle wurde laut vorgelesen. Alle kamen sie auf die Showbühne, der Regisseur, die Darstellerinnen und Darsteller und die Produzenten. Während der Dankesrede wurde es plötzlich hektisch und ein Mitarbeiter nahm den Gewinnern die Statuen wieder aus ihren Händen. Das Kuvert wurde nochmals überprüft und auf einmal war überraschend das Drama Moonlight der Sieger. Hoch lebe Steve Harvey! Ein solches Missverständnis hätte natürlich nie passieren dürfen, wurde im Endeffekt aber von allen Beteiligten mit Klasse gehandhabt.

Die großen Gewinner: Moonlight und Casey Affleck

Moonlight von Regisseur Barry Jenkins kann ebenfalls als großer Gewinner bezeichnet werden. Neben dem überraschenden Sieg als “Bester Film” konnten Statuen in den Kategorien “Bestes adaptiertes Drehbuch” (Barry Jenkins) und “Bester Nebendarsteller” (Mahershala Ali) gewonnen werden — das ergibt drei von acht möglichen Siegen. Außerdem sollten sich Filmfans den Namen Casey Affleck gut einprägen. Der jüngere Bruder von Ben Affleck gewann für seine immens emotionale Performance in Manchester by the Sea völlig zurecht den Oscar für “Bester Hauptdarsteller”.

MEHR: Ben Affleck — im Fadenkreuz der Kritiker

Verlierer: Lion

Wo es Gewinner gibt, sind Verlierer nicht weit. Der Größte ist das unglaublich packende Drama Lion von Garth Davis, welches in sechs Kategorien nominiert war und komplett leer ausgegangen ist. Die größten Chancen hatte hierbei Dev Patel als “Bester Nebendarsteller”. Ebenfalls erfolglos waren der Western Hell or High Water (vier Nominierungen), Hidden Figures sowie Jackie (jeweils drei Nominierungen). Sogar die schwache Comicverfilmung Suicide Squad gewann einen Oscar in der Rubrik “Bestes Make-up und Beste Frisuren”. Ja, fucking Suicide Squad hat mehr Oscars als Hell or High Water, Hidden Figures und Jackie zusammen!

Gewinner: #OscarsSoWhite

Die afroamerikanischen Schauspielerinnen und Schauspieler hatten schon gewonnen, bevor sie überhaupt Fuß in das Dolby Theatre setzten. Denn im Vergleich zum Vorjahr, wo in sämtlichen Kategorien nur weiße SchauspielerInnen nominiert waren, wurden dieses Jahr gleich sechs für einen Academy Award empfohlen. Neben dem bereits erwähnten Mahershala Ali ging die Kategorie “Beste Nebendarstellerin” an Viola Davis für ihre sehr beeindruckende Rolle in Fences. Auch ihre Dankesrede wird für viele als Rede des Abends in Erinnerung bleiben.

Verlierer: Arrival

Darf ein Film als Verlierer bezeichnet werden, obwohl er einen Preis gewonnen hat? Im Fall von Arrival trifft das auf jeden Fall zu, denn der Science-Fiction-Film von dem kanadischen Regisseur Denis Villeneuve gewann von acht möglichen Preisen nur einen — jenen in “Bester Tonschnitt”. In den weiteren tontechnischen Kategorien entschied sich die Academy lieber für den US-amerikanisch-britischen Kriegsfilm Hacksaw Ridge.

Verlierer (aber eigentlich auch Gewinner): Toni Erdmann

Aus österreichischer Sicht war die Kategorie “Bester fremdsprachiger Film” interessant. Denn der ehemalige Jedermann-Darsteller Peter Simonischek spielt in dem von der deutschen Regisseurin Maren Ade inszenierten Spielfilm Toni Erdmann die männliche Hauptrolle. Im Vorfeld gewann er sehr viele Preise, unter anderem den Europäischen Filmpreis in den Kategorien “Beste Regie” und “Bestes Drehbuch”. Gegen den iranischen Vertreter The Salesman von Asghar Farhadi hatte Toni Erdmann allerdings keine Chance und ging leer aus. Ob The Salesman aufgrund der derzeitigen politischen Lage in den USA gewonnen hat oder doch die Inszenierung an sich der Grund für den Erfolg war, ist schwer zu sagen. Aber allein schon die Oscar-Nominierung sollte sich für Toni Erdmann wie ein Sieg anfühlen und Simonischek und Co. können Hollywood mit erhobenen Häuptern wieder verlassen.

[Foto: Georges Biard/Wikimedia (Portman)/CC BY-SA 3.0/Elen Nivrae/Flickr (Gosling)/CC BY 2.0/Eva Rinaldi/Wikimedia (Garfield)/CC BY-SA 2.0/Illustration von kultort.at]

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