Gospel Dating Service im Interview: “Auf Österreich liegt derzeit große Aufmerksamkeit”

Gospel Dating Service_Kultort

Unzählige österreichische Bands scheitern daran, das perfekte Genre für sich zu finden. Nicht so bei Gospel Dating Service. Ihren Musikstil kann man weder als reinen Pop, Rock noch Soul charakterisieren. Wie man ihren Mischmasch-Stil aber doch beschreiben kann, ist eigentlich ganz einfach: Er funktioniert! Auf der einen Seite perfekt zum Tanzen, schrecken Christoph Ertl (Gesang, Keyboards), David Resch (Bass) und David Ruhmer (Schlagzeug) mit ihren Songtexten auch nicht davor zurück, das Publikum etwas zu fordern.

Anlässlich ihrer bereits zweiten Konzertrunde mit dem Album Champagne haben wir uns mit zwei Dritteln des in Wien lebenden Trios getroffen, um uns über ihren Erfolg der letzten Monate zu unterhalten und wie sie die derzeitige Lage der österreichischen Musikszene einschätzen.

kultort.at: Gospel Dating Service gibt es ja nun schon seit mehr als fünf Jahren, doch erst im Oktober des vergangenen Jahres habt ihr mit Champagne euer erstes Album veröffentlicht. War dieses Projekt für euch so etwas wie ein Neustart?

David Resch: Neustart würde ich nicht sagen, aber wir haben zuvor nur EPs gemacht, damit wir eben etwas zu zeigen haben und Konzerte spielen können. Für ein Album wollten wir uns bewusst mehr Zeit lassen, denn das ist ein Prozess, den man nicht erzwingen kann.

Christoph Ertl: Durch unsere ersten Projekte und die daraus resultierenden Auftritte hat sich unser Sound auch erst so richtig entwickelt. Das Album war dann eben der nächste logische Schritt.

David Resch
David Resch

Die derzeit laufende “Champagne Tour” ist bereits die zweite Reihe an Konzerten mit eurem Debütalbum und auch sonst scheint es derzeit richtig gut bei euch zu laufen. Befindet ihr euch im Moment genau da, wo ihr zu diesem Zeitpunkt eurer Karriere sein wolltet?

Resch: Natürlich kann man es zuvor nicht genau so planen, aber derzeit sind wir wirklich happy. Es hätte natürlich auch sein können, dass Champagne niemanden interessiert. Uns hätte die Platte aber trotzdem gefallen. Wir machen unsere Lieder nicht mit dem Gedanken, dass es anderen unbedingt gefallen muss — sondern so, dass wir in unserer Konstellation einen coolen Song produzieren. Diesen Ansatz würde ich mehr als unseren Zugang zu Musik bezeichnen.

Ertl: Lustigerweise entwickelt sich bei uns alles ziemlich organisch. Als wir dann mit Booking und Label eine anständige Infrastruktur bekamen und unsere Songs zum ersten Mal im Radio hörten — das sind Schritte, die uns natürlich total freuen. Aber dann geht’s für uns auch gleich weiter. Ich glaube, wir sehen das sehr pragmatisch und wollen einfach die ganze Zeit an uns arbeiten — und vor allem auch besser werden. Also wie David schon gesagt hat, Musik machen wir hauptsächlich für uns.

MEHR: Gerard im Interview: “In 5 Jahren wird nur mehr gestreamt”

Lasst uns über “Red” reden. Wie seid ihr auf die geniale Videoidee mit den Boxszenen gekommen?

Resch: Die Idee mit dem Boxen hatten wir vor allem aufgrund des Textes — und da es im Song ja um Gleichberechtigung geht. Das wollten wir auch derart plakativ darstellen und ich glaube, dass es ein ganz schönes Produkt geworden ist.

Und man kann ja durchaus sagen, dass “Red” euer bisher erfolgreichstes musikalisches Werk ist. Gab es da eigentlich ab und zu auch die Sorge, möglicherweise als sogenanntes One-Hit-Wonder abgestempelt zu werden?

Resch: An das habe ich eigentlich noch nie gedacht.

Gospel-Dating-Service_1
Christoph Ertl

Ertl: Was wir mittlerweile gelernt haben, ist halt, dass die erste Single eines Albums von einer breiteren Masse immer die meiste Aufmerksamkeit erhält, da zu diesem Zeitpunkt die Spannung noch am größten ist. Mit dem Video zu dem Song “Champagne” und einer weiteren Singleauskopplung vor dem Sommer wollen wir den Leuten aber noch zeigen, wie vielfältig unser Album ist. Es ist natürlich schön, dass “Red” so gut abschneidet und bereits von so vielen Menschen gehört wurde — unser Ziel auf der derzeitigen Tour ist es aber vor allem, das gesamte Album den Leuten näher zu bringen.

Mit dem aktuellen Erfolg von Bilderbuch, Yung Hurn und Co. befinden wir uns derzeit ja in einer Blütezeit der österreichischen Musik. Seht ihr das ähnlich oder was haltet ihr von der derzeitigen Lage der Szene in Österreich?

Resch: Ich würde dir da recht geben. Derzeit liegt eine große Aufmerksamkeit auf Österreich, da es im Moment auch vieles gibt. Ich glaube, dass Österreich im Moment generell mehr als Musikland wahrgenommen wird. Die letzten zehn Jahre gab es wohl etwas ein Tief und jetzt sind wir wieder in einer Hochphase.

Ertl: Vor allem bei Bilderbuch ist der Knoten nun wirklich geplatzt. Das hat auch allen anderen etwas mehr Mut gegeben — aufgrund dieser eben schon erwähnten großen Aufmerksamkeit auf Österreich. Vielleicht war es auch gar nicht so schlecht, dass es längere Zeit ein Tief gab. Dadurch hat es in der Szene etwas gebrodelt — und nun ernten viele Künstlerinnen und Künstler sozusagen die Früchte.

MEHR: Bilderbuch: ‘Magic Life’ ist kein zweites ‘Schick Schock’

David Resch (links) und Christoph Ertl
David Resch (links) und Christoph Ertl

Und nachdem vor allem deutschsprachigen KünstlerInnen derzeit der Durchbruch gelingt — hattet auch ihr mal Überlegungen, eure Songs auf Deutsch zu performen?

Resch: Nein, wir haben schon immer auf Englisch gesungen. Natürlich kam ab und zu der Gedanke, dass wegen Bands wie Bilderbuch oder Wanda das Interesse an deutschsprachiger Musik sehr groß ist. Aber wenn man schon englischsprachige Musik gemacht hat — dann auf Deutsch zu wechseln, das finde ich etwas billig. Weil das ist ja dann eigentlich nur der Versuch, auf einen Zug aufzuspringen, der im Moment gut in Fahrt ist.

Also glaubt ihr, dass man im deutschsprachigen Raum mit englischen Texten gleich viel Erfolg haben kann wie mit deutschen?

Ertl: Auf jeden Fall. Und es stehen dann einem natürlich auch mehrere Türen offen. Es gibt ja tolle Bands aus Ländern wie Frankreich, die auch auf Englisch singen. Natürlich hört man einen gewissen Akzent heraus, aber genau das ist ja das Charmante daran. Man muss es einfach gut machen — und jetzt wäre es zum Wechseln sowieso schon zu spät. [lacht]

Am 6. April tretet ihr wieder in Wien auf — diesmal im Chelsea! Falls man euch live noch nicht gesehen hat: Was erwartet einen bei einem Konzert von Gospel Dating Service?

Resch: Live versuchen wir die Qualität unserer Platte sogar noch zu übertreffen. Wir sind einfach eine Live-Band und es macht uns richtig Spaß, den Leuten vor Ort unsere Musik zu präsentieren.

Ertl: Man macht im Endeffekt ja alles dafür, dass man dann live performen kann. Und das bereitet uns auch definitiv die meiste Freude.

Dank unseren Freunden von Kleio Records verlosen wir 1×2 Tickets für das Wien-Konzert von Gospel Dating Service im Chelsea. Mehr Infos dazu findet ihr auf unserer Facebook-Seite.

Ein besonderes Dankeschön geht an Sahra Mami für die Fotos des Interviews mit Gospel Dating Service — zu ihrem Instagram-Account geht’s HIER.

[Foto: © David Furrer/Gospel Dating Service/Illustration von kultort.at]

More from Johannes Pressler

Zwei Jahre nach ihrer Trennung — so geht es den “Heatles” heute

Vor sechs Jahren entschieden sich zwei Typen dazu, ihre Talente in einen Koffer...
Read More

5 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*