Champions-League-Powerranking: Die letzten Acht!

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Historische Aufholjagden, unvergleichliche Machtdemonstrationen und faustdicke Überraschungen. In der heurigen Champions-League-Saison ist schon so viel Unglaubliches passiert — und doch stehen wir erst unmittelbar vor dem Viertelfinale. Pünktlich dazu versorgt euch kultort.at mit der zweiten Auflage des Champions-League-Powerrankings. Wie letztes Mal gilt, dass neben aktueller Form und Erfahrung der Mannschaften auch Faktoren wie die Schwierigkeit des Loses berücksichtigt werden — eine bloße Reihung nach Stärke der Teams sähe also etwas anders aus.

1. FC Bayern München

So wirklich geglaubt hat kaum jemand an ein frühes Scheitern der Münchner. Alexis Sánchez Ausgleichstreffer im Hinspiel änderte daran auch nicht viel, die Bayern waren für Arsenal schlichtweg zu stark. Wiedermal. 74 % Ballbesitz und 707 angekommene Pässe (fast das Vierfache des Gegners) spiegelten die Dominanz des deutschen Meisters wider und erstickten die Londoner Hoffnung auf eine Sensation im Keim. Das Rückspiel gestaltete sich bis zum Ausschluss von Laurent Koscielny und dem verwandelten Elfmeter ausgeglichener. Am Ende zeigten sich die Münchner gegen ihren Lieblingsgegner erneut grausam, hinterließen Spuren der Verwüstung und Arsène Wenger im Kreuzfeuer von Fans und Medien.

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Das Gesamtergebnis von 10:2 ist allerdings nicht ausschließlich auf die Unfähigkeit der “Gunners” zurückzuführen, sondern sehr wohl auch auf das kaltschnäuzige Auftreten des “FCB”. Die Mannschaft spielt praktisch fehlerlos und ruft immer ihre Leistung ab, seit November war man bis zur 0:1- Niederlage vergangenen Dienstag in Hoffenheim* in allen Bewerben ungeschlagen und in der Allianz Arena ging man in dieser Saison überhaupt noch nie als Verlierer vom Platz. Die größte Bewährungsprobe erwartet die Münchner im vorgezogenen Finale gegen den Titelverteidiger.

Bayern kann sich im Gegensatz zu Real Madrid voll und ganz auf die Champions League konzentrieren, denn die fünfte Meisterschaft in Folge ist ihnen kaum mehr zu nehmen. In der spanischen Hauptstadt musste man sich 2017 bereits dreimal geschlagen geben und bereitet sich neben dem internationalen Geschehen auch auf den Liga-Endspurt vor, wo man nur fünf Tage nach dem Rückspiel den katalanischen Erzrivalen empfängt. Die Tendenz neigt sich also leicht in Richtung der Deutschen, weshalb sie diesmal die Spitze unseres Powerrankings erklimmen.

2. FC Barcelona

Wenn eine gewöhnliche Mannschaft im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinales mit 4:0 unter die Räder gerät, dient das Rückspiel dazu, sich noch einmal von der besten Seite zu zeigen, um die größte Bühne des europäischen Vereinsfußballs erhobenen Hauptes zu verlassen. Der FC Barcelona ist aber keine gewöhnliche Mannschaft. Als der deutsche Schiedsrichter Deniz Aytekin die Partie im Camp Nou eröffnete, lag die Sensation bereits in der Luft.

Ein Monat und drei Millionen Memes später ist die breite Brust wieder auf normale Größe geschrumpft, selbst wenn die “Blaugrana” in der französischen Hauptstadt bleibende Schäden hinterlassen haben. Nach der geschichtsträchtigen Aufholjagd wird allerdings oft vergessen, dass die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte in der Champions League egalisiert wurde. Dieses Mal aber nicht gegen fast unbesiegbare Bayern, sondern gegen ein kriselndes Paris Saint-Germain, das sich in der schlechtesten Form seit 2013 befindet. Juventus Turin wird taktisch zweifellos besser eingestellt sein als der PSG, ein ähnlicher Ausrutscher darf Luis Enriques Mannen also nicht passieren, sonst wird das außergewöhnliche Achtelfinale als kurzer Lichtblick einer enttäuschenden Saison in Erinnerung bleiben.

Für “Barca” spricht weiterhin die unglaublich effiziente Offensive, mit 88 Treffern hat man nun sogar den AS Monaco als gefährlichste Tormaschinerie des Kontinents abgelöst. Im Viertelfinale müssen die Katalanen ihr gesamtes Potential abrufen und zwar in beiden Partien, dann wird es auch heuer wieder sehr schwierig, sie zu schlagen.

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3. Real Madrid

“La duodécima” ist das Ziel. Kein unrealistisches angesichts der Souveränität, mit der Real Madrid wie ein Schnellzug bis ins Viertelfinale gerauscht ist. Nachdem man sich in der Gruppe mit dem zweiten Platz hinter Borussia Dortmund zufrieden geben musste, zog man mit dem SSC Napoli einen sehr unangenehmen Gegner, der in der Vergangenheit schon so manch große Mannschaft ins Straucheln gebracht hatte. Nicht aber den spanischen Rekordmeister. Zweimal gerieten die Weißen in Rückstand, beide Male zeigten sie sich kämpferisch und schickten die Italiener mit 3:1 nach Hause.

Beeindruckend an dieser Begegnung war die Ruhe der “Königlichen”, die in der Halbzeit des Rückspiels nur ein Gegentor vom Ausscheiden entfernt waren. Zinédine Zidane vertraute seiner Stammformation trotz schwacher 45 Minuten und schickte sie unverändert zurück aufs Spielfeld. Binnen zwölf Minuten verwandelte sich das Stadio San Paolo vom kochenden Hexenkessel in einen Universitätshörsaal, Sergio Ramos und Co. erteilten den “Azzurri” eine Lehrstunde und brachten das Publikum zum Schweigen.

Nun aber wartet eine neue Herausforderung auf die Spanier. Und was für eine! Das Aufeinandertreffen der beiden Giganten Real Madrid und Bayern München ist nicht neu in der Königsklasse. Mit 11:9 Siegen aus 22 Partien haben die Bayern knapp die Oberhand, der Stachel des letzten Duells sitzt bei den Münchnern aber immer noch tief. Auf dem Weg zum zehnten Titel entthronten die Königlichen 2014 den damaligen Titelverteidiger im Halbfinale und untermauerten den 1:0-Heimsieg mit einem unvergesslichen 4:0 in Süddeutschland. Nun will Bayern-Trainer Carlo Ancelotti den Stachel wieder rausziehen, den er selbst vor drei Jahren mit seinen Madrilenen mitten ins Münchner Herz gebohrt hat.

Zidane will den Traum der erstmaligen erfolgreichen Titelverteidigung jedoch weiter aufrechterhalten. Das Rezept soll die verlässliche Offensive sein: Wettbewerbsübergreifend trafen Benzema und seine Kollegen in jedem der letzten 51 (!) Spiele. Barcelonas ehemaliger spanischer Rekord lag bei nur 44 Partien.

4. Atlético Madrid

Nach dem überraschenden Meistertitel 2014 können die “Colchoneros” heuer nicht ganz mit den beiden Großen mithalten. Bleibt nur noch der internationale Bewerb, wo man nach den beiden Finalniederlagen gegen den Stadtrivalen gegen ein kleines Trauma ankämpfen muss. Die “Werkself” bereitete den Spaniern im Achtelfinale keine allzu großen Probleme und der nächste Gegner ist auf dem Papier nicht viel stärker einzuschätzen. Doch Leicester City hat bereits den FC Sevilla ausgeknockt, der sich heuer ähnlich stark präsentiert wie die Madrilenen. Der Finalist des Vorjahres ist gewarnt.

5. Juventus Turin

Nach 31 Spieltagen ist den “Bianconeri” der Meistertitel kaum noch streitig zu machen. Doch nach fünf “Scudetti” und zwei Cupsiegen in Folge verliert der nationale Fußball in Italien langsam seinen Reiz. Der erste internationale Titel in diesem Jahrtausend muss endlich her! Leichter gesagt als getan, denn die Hürde könnte viel größer nicht sein. Die “Alte Dame” hat die herbe Finalniederlage gegen Barca vor zwei Jahren noch nicht vergessen und ist heiß auf Revanche. Schwierig, aber möglich.

6. AS Monaco

Alles in Frankreich dreht sich in den letzten Wochen und Monaten um das kleine Team aus dem Fürstentum rund um Supertalent Kylian Mbappé. Die Schmach, die Paris über den französischen Fußball gebracht hatte, machte Monaco nur eine Woche später wieder gut. Borussia Dortmund ist heuer nicht stärker einzuschätzen als Manchester City, weshalb den Monegassen der Einzug ins Semifinale durchaus zuzutrauen ist. Auf den ersten Titel seit seiner Übernahme wartet der russische Investor Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew noch, da man sich im Ligapokalfinale dem PSG mit 1:4 geschlagen geben musste.

7. Borussia Dortmund

In der Meisterschaft ist der inoffizielle Titel (Bayern spielt ohnehin außer Konkurrenz) in weite Ferne gerückt. Das ist vor allem der Inkonstanz der Borussen geschuldet, denen es in dieser Saison einfach nicht gelingt, ihre Form zu halten. In der Champions League konnte sich der BVB mit dem Gruppensieg einige Strapazen ersparen und trifft auch im Viertelfinale auf eine machbare Aufgabe. Der französische Tabellenführer ist allerdings meilenweit über Benfica Lissabon zu stellen und wird den Deutschen alles abverlangen. Es bedarf zwei guter Leistungen, um zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte in das Halbfinale der Champions League vorzustoßen.

8. Leicester City

Der Klassenerhalt sollte nun endlich gesichert sein. Kurios das zu schreiben, wenn man vom englischen Meister und Champions-League-Viertelfinalisten spricht. Seit Anfang März ist die Form der “Foxes” aber mit einem Mal wieder gut. Nach sieben Pleiten aus neun Spielen und der Entlassung des Meistermachers Claudio Ranieri kann das Team von Christian Fuchs wieder siegen. Atlético Madrid dürfte im Normalfall dennoch eine Nummer zu groß sein. Aber was ist schon normal bei Leicester?

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*Anmerkung des Autors: Eine frühere Version dieses Artikels gab an, dass Bayern München seit November ungeschlagen sei. Dabei wurde die Niederlage vergangenen Dienstag gegen Hoffenheim außer Acht gelassen.

[Foto: l3o_/Flickr/Public Domain Mark 1.0/Illustration von kultort.at]

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