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‘MindGamers’: Sci-Fi-Thriller aus Österreich

Was haben Didi Mateschitz und sein Red-Bull-Imperium mit dem Kinofilm 'MindGamers' zu tun?

‘MindGamers’: Sci-Fi-Thriller aus Österreich 26. April 2017Leave a comment

Redakteur

Auf den ersten Blick ist MindGamers ein internationaler Film, der dem Science-Fiction-Genre zuzuordnen ist. Ein Genre, welches Fans und KritikerInnen nur sehr selten mit der österreichischen Filmszene in Verbindung bringen. Der zweite Blick fällt auf die Casting-Liste, die mit international bekannten Darstellern durchaus auftrumpfen kann. Vorneweg Sam Neil, den die meisten als Dr. Alan Grant aus dem allerersten Jurassic Park kennen. Der junge britische Schauspieler Tom Payne steht ebenfalls auf dieser Liste, bekannt aus Der Medicus und der beliebten TV-Serie The Walking Dead.

Das Red-Bull-Imperium

Dietrich “Didi” Mateschitz ist nicht nur der reichste Österreicher, sondern auch Gründer des beliebten Energydrinks Red Bull. Eigentlich bekannt für seine Investitionen in den Sport, sorgte er zuletzt aber eher mit sehr fragwürdigen Aussagen zur Flüchlings-Thematik für negative Schlagzeilen — das Mateschitz-Denkmal scheint zu bröckeln.

Doch was haben der 72-Jährige und sein Red-Bull-Imperium mit dem Kinofilm MindGamers zu tun? Diese Frage ist sehr leicht zu beantworten. Die Produktionsfirma, die für dieses Werk verantwortlich ist, nennt sich Terra Mater Factual Studios. Gegründet wurde es vom österreichischen Produzenten Walter Köhler, der seit 2010 beim TV-Sender ServusTV für das gleichnamige Format Terra Mater zuständig ist. ServusTV gehört zu Red Bull, ergo auch das Tochterunternehmen Terra Mater und darum ist MindGamers zu einem gewissen Teil auch ein österreichischer Film.

Kabellose Übertragung

Die Grundidee des Filmes kann anhand einer Szene erklärt werden: Einem ehemaligen Freerunner, der durch einen schweren Unfall seine Leidenschaft nicht mehr ausüben kann, wird ein spezieller Chip hinter das rechte Ohr geklebt. Dadurch entsteht eine kabellose Verbindung zu einer anderen Person, die ebenfalls einen Chip trägt. Nun ist es möglich, Daten vom einen Gehirn zum anderen Gehirn zu übertragen. Nach wenigen Minuten hat das Gehirn der zweiten Person die relevanten Bewegungen und Grundlagen des Freerunnings übernommen, obwohl diese Person keinerlei Erfahrung in diesem Bereich aufweisen kann. Von einer Sekunde auf die nächste wird durch das Labor gesprungen, als würde sie seit Jahren nichts Anderes machen als Saltos schlagen.


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Red Bull hat sich dabei durchaus etwas gedacht. Sieht man eine Sequenz, in der ein Querschnittsgelähmter durch diese Übertragung auf einmal wieder gehen kann, assoziiert man das gegebenenfalls mit dem Getränkehersteller und dessen Werbeslogan “Red Bull verleiht Flügel”.

Das fast unmögliche Unterfangen diese Beeinträchtigung zu heilen, ist dem Konzern ein wichtiges Anliegen. Daher wurde eine der bekanntesten Spendeninitiativen ins Leben gerufen — Wings for Life. Vielleicht ein bisschen weit hergeholt, aber diese Überlegung könnten die Produzenten tatsächlich in ihren Köpfen gehabt haben, als der Film geplant wurde. Außerdem wurde eine Art intellektuelle Weltmeisterschaft ins Leben gerufen, wo Teilnehmer das Spiel Escape The Room gespielt haben — Red Bull Mind Gamers. Dass der Film dazu dient, diesen Wettstreit zu promoten, liegt nahe, kann aber nicht mit Sicherheit gesagt werden.

Der rot-weiß-rote Nebeneffekt

Neben dem Produktionsstudio können noch zwei weitere österreichische Elemente entdeckt werden. Auf der einen Seite wurde eine hierzulande sehr bekannte Darstellerin verpflichtet, die wahrscheinlich den/die ein oder anderen BesucherIn mehr in die Kinos bringen wird: Ursula Strauss. In MindGamers hat die Schauspielerin ihre erste internationale Rolle, die ihren Bekanntheitsgrad außerhalb des deutschsprachigen Raumes vermutlich stark erhöhen wird.

Auf der anderen Seite haben wir ein sehr modernes, steriles und interessantes Setting, das gut zur Thematik des Filmes passt. Als Drehort fungierte unter anderem die neue Wirtschaftsuniversität Wien. Bei Szenen auf dem Dach kann man auch öfter einmal das Ernst-Happel-Stadion im Hintergrund erblicken.

Mehr Mut zu untypischen Genres

Aus filmdramaturgischer Sicht ist MindGamers allerdings eine absolute Katastrophe. Regisseur Andrew Goth wollte einfach zu viel, einige Szenen wirken sehr konfus. Wissenschaftliche Begriffe werden verwendet, aber nicht erklärt, was ein unverständliches Wirrwarr zur Folge hat. Spätestens als klar wurde, dass der Film sich auch noch in verschiedenen Zeiteben abspielt, bin ich als Zuseher inhaltlich ausgestiegen. Die religiösen Querverweise, von denen es einige gibt, habe ich erst gar nicht versucht zu verstehen. Trotzdem haben auch solche Filme ihre Daseinsberechtigung — egal wie gut, schlecht oder unverständlich sie umgesetzt wurden. Denn allgemein sollten österreichische RegisseurInnen und Filmverantwortliche mehr Mut zum Außergewöhnlichen zeigen.

Wir brauchen mehr Werke wie Die Hölle, ein in Wien spielender Action-Thriller, inszeniert von Oscar-Gewinner Stefan Ruzowitzky (Die Fälscher). Dazu sind aber auch mehr Fördergelder nötig. MindGamers hatte ein inoffizielles Budget von ungefähr 10 bis 15 Millionen Euro. Da wirken die € 490.000, die das österreichische Filminstitut gesponsert hat, wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Nicht dass Red Bull am Hungertuch nagen muss, aber es zeigt, welchen Stellenwert der österreichische Film hat.


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Der Stellenwert des österreichischen Films im eigenen Lande gehört gestärkt — und das funktioniert nur mit mutigen und innovativen Filmen wie MindGamers, obwohl die Inszenierung beim nächsten Mal gerne etwas verständlicher sein darf. Und wer weiß, vielleicht führt der Weg des österreichischen Getränkekonzerns ja eines Tages nach Hollywood.

Thomas auf Twitter: @plapperblog

[Foto: Luc Viatour/Wikimedia Commons (Mond)/CC BY-SA 1.0/bamcat/Flickr (Hollywood)/CC BY-NC 2.0/mark233/Flickr (Flugzeug)/CC BY 2.0/Illustration von Marcel Weld]

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