Champions-League-Powerranking: Wer schafft es nach Cardiff?

Kultort_Buffon

Vier Teams, drei Städte, zwei Duelle, ein Ziel: Die begehrteste Trophäe im Klubfußball. Wer im großen Finale der Champions League am 3. Juni aufeinandertreffen wird, erfahren wir in den nächsten beiden Wochen. Doch wem kultort.at die größten Chancen auf den Titel einräumt, verraten wir bereits jetzt in der dritten Ausgabe des Champions-League-Powerrankings.

1. Juventus Turin

“Vielleicht mit Paris, aber sicher nicht mit uns!” — das strahlte die gesamte Juve-Mannschaft im Camp Nou aus und spielte die Partie staubtrocken runter, als gäbe es nichts Einfacheres.

Den Abgang von Paul Pogba hat die “Alte Dame” sehr früh in der Saison weggesteckt. Im Gegensatz zum Spieler selbst, dessen Triebwerke in Manchester immer noch nicht auf Hochtouren laufen. Miralem Pjanic konnte die vom Franzosen hinterlassene Lücke perfekt füllen, Gonzalo Higuain ballert das Leder fast nach Belieben in die Maschen und Paulo Dybala hat sich das Prädikat “Weltklasse” in dieser Spielzeit zweifellos verdient.

Das Herzstück der Italiener liegt allerdings klar in der Defensive. Gegen den derzeit wohl stärksten Angriff Europas über zwei Matches ohne Gegentreffer zu bleiben spricht genauso Bände, wie “clean sheets” in über einem Drittel aller Spiele in der diesjährigen Serie A.

Während andere große Torhüter der frühen 2000er Jahre bereits lange über ihren Zenit hinaus sind (man bedenke beispielsweise den rasanten Abstieg des Iker Casillas), spielt der mittlerweile 39-jährige Gianluigi Buffon immer noch so, als wäre er Mitte 20. In der Liga kassierte der vierfache Welttorhüter nur 20 Treffer und in der Königsklasse musste er sich überhaupt erst zweimal geschlagen geben. Gut möglich, dass der Italiener seine einzigartige Karriere doch noch mit der letzten fehlenden, großen Vereinstrophäe krönt.

Titelchancen von Juve: 30 %

1. Real Madrid

Für viele ist der Titelverteidiger auch heuer der Favorit auf den Turniersieg und tatsächlich spricht einiges für das “Weiße Ballett”. Nominell haben sie den wohl stärksten Kader der verbleibenden Teams, zudem traf Zinédine Zidanes Truppe in dieser Saison in jedem Spiel. Auch in der Champions League zeigen sich die Madrilenen in Torlaune. Sie führen die Statistik nicht nur bei Abschlüssen (191) und Schüssen aufs Tor (75) an, sondern konnten tatsächlich auch die meisten Torerfolge verzeichnen (28). Alleine das Offensivduo, bestehend aus Cristiano Ronaldo und Karim Benzema, durfte zwölfmal jubeln — nur einmal weniger als die gesamte Mannschaft des Semifinalgegners Atlético Madrid.

Ebenso deutlich, wie die Vorteile im Angriff, gehen allerdings auch die Defizite in der Defensive aus der Statistik hervor. Mit 15 Gegentreffern kassierte man dreimal so viele wie Jan Oblak und seine Vorderleute, zudem in jedem Match der diesjährigen Champions League mindestens eines.

Wie schmal der Grat zwischen Sieg und Niederlage ist, mussten die Königlichen in einem der besten “Classicos” der jüngeren Vergangenheit am eigenen Leib erfahren. Erst ging Zidanes “Mit dem Kopf durch die Wand”-Taktik auf, ehe Lionel Messi den übertriebenen Mut des numerisch unterlegenen Tabellenführers eiskalt bestrafte und damit die Entscheidung in der spanischen Liga vertagen konnte. Um gegen eine defensiv organisierte Mannschaft wie Atlético zu bestehen, bedarf es daher einiger taktischer Umstellungen.

Titelchancen von Real: 30 %

MEHR: Polzer, König & Co: Wie Fußball im ORF wieder erträglich wird

3. Atlético Madrid

Zum dritten Mal in vier Jahren könnten die “Colchoneros” den Sprung ins Finale schaffen. Und wieder steht der Stadtrivale zwischen ihnen und der heiß begehrten Trophäe, diesmal allerdings schon eine Runde früher. In den letzten Jahren gestalten sich die Aufeinandertreffen der beiden großen Madrider Mannschaften ausgeglichener denn je, aber in der Champions League scheint kein Weg an Real vorbeizuführen. Die Bilanz der “Königlichen” wirkt einschüchternd: Zum siebenten Mal in Folge stehen sie im Halbfinale. Überstehen konnten sie es dabei allerdings nur zweimal. Atlético wiederum brachte es in derselben Zeit auf ebenso viele Finaleinzüge und schied überhaupt noch nie in der Runde der letzten Vier aus.

Um diesen Trend beibehalten zu können, zählen die rot-weißen Madrilenen auf den Rückhalt ihres Publikums. Vor allem das Rückspiel wird eine besondere Atmosphäre bieten, ist es doch das allerletzte europäische Spiel, das auf dem Rasen des Estadio Vicente Calderón ausgetragen werden wird. Mit der Qualifikation für das Finalspiel in Cardiff soll die berüchtigte Heimstätte von Atlético gebürtig verabschiedet werden, bevor ihre Tore nach 51 Jahren endgültig geschlossen werden.

Titelchancen von Atlético: 24 %

4. AS Monaco

Diskussionslos die Überraschung der bisherigen Saison. In der heimischen Liga ist der AS Monaco drauf und dran die Pariser Dominanz zu brechen und den Titel erstmals seit 2012 aus der Hauptstadt zu entführen. Für die Monegassen würde es das Ende einer Durststrecke bedeuten, die seit dem Meisterschaftsgewinn im Jahr 2000 anhält. In der Champions League ist man 180 Minuten vom zweiten Finaleinzug der Vereinsgeschichte entfernt, dabei hatte wirklich keiner das Team von Leonardo Jardim auf dem Schirm.

MEHR: 5 gewagte Thesen für das Fußballjahr 2017

Als sie vor vier Jahren in der Zweitklassigkeit versunken waren, konnte man einen derart rasanten Aufstieg nicht vorhersehen — und doch könnte diese Saison einen mittelfristigen Machtwechsel im französischen Fußball bedeuten. Das Rezept: Eine Kombination aus kollektiven, klugen Routiniers und einem ausgesprochen glücklichen Händchen im Jugend-Scouting. Neben talentierten Legionären, angeführt vom portugiesischen Edeltechniker Bernardo Silva, stellen Sidibé, Mendy, Bakayoko, Lemar und Mbappe gleich fünf Stützen einer vielversprechenden Zukunft für das französische Nationalteam. An den richtigen Stellen sorgen erfahrene Spieler wie Radamel Falcao und Kamil Glik für die nötige langjährige Expertise.

Wie in der Meisterschaft ist auch in der Königsklasse rücksichtsloser Offensivfußball der Schlüssel zum Erfolg. 12 Tore in den vier K.-o.-Spielen. — kein Team hat mehr erzielt. An Juventus Turin könnte sich der französische Tabellenführer allerdings die Zähne ausbeißen. Diese kassierten nämlich nach der Gruppenphase kein einziges Tor mehr.

Titelchancen von Monaco: 16 %

[Foto: Doha Stadium Plus Quatar/Flickr/CC BY 2.0/Illustration von kultort.at]

More from Philipp Lou

Europas Könige — Real Madrid schreibt Fußballgeschichte

Oops, they did it again! Der Titelverteidiger setzte sich gestern in einem...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*