Gewinner und Verlierer: NFL-Draft 2017

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Von 27. bis 29. April fand in Philadelphia der NFL-Draft statt. In sieben Runden wählten die 32 Teams der Nation Football League insgesamt 253 Nachwuchsspieler aus. Während dieser drei Tage mussten sich alle Verantwortlichen der einzelnen Mannschaften folgende essenziellen Fragen stellen: “Welcher Spieler passt in unser Team? Und wer kann uns in Richtung Superbowl 52 so wirklich weiterhelfen?” Hier sind die größten Gewinner und Verlierer.

Gewinner: Cleveland Browns

Das schlechteste Team der vergangenen Saison legte einen fantastischen Draft hin. Mit dem Overall-First-Round-Pick sicherte man sich Myles Garrett, den besten Spieler der gesamten Draft-Klasse. Damit nicht genug, hatte man dank eines Trades vom Vorjahr noch einen weiteren Pick in der ersten Runde, den man für den unglaublich athletischen Defensivspieler Jabrill Peppers (Pick #25) verwendete. Und weil aller guten Dinge drei sind, tauschte man sich gegen Ende der Anfangsrunde noch einmal nach oben und schnappte sich mit David Njoku (Pick #29) einen der besten verfügbaren Tight Ends.

Allein die ersten drei Picks machen die Browns zu ganz klaren Gewinnern — auch wenn das im Zusammenhang mit der krisengebeutelten Franchise etwas komisch klingt.

Verlierer: Alle Teams, die für einen Quarterback hochtradeten

Nach jetzigem Stand, wo noch kein Rookie einen Snap in der NFL gesehen hat, muss man die drei Teams, welche sich sehr früh für einen Quarterback entschieden, als Verlierer bezeichnen. Warum? Der Preis war sehr, sehr hoch.

Die Chicago Bears gaben für Mitchell Trubisky (Pick #2) einen Third-Round-Pick*, einen Fourth-Round-Pick plus ihren Third-Round-Pick des nächsten Jahres ab, für DeShaun Watson (Pick #12) sendeten die Houston Texans ihren nächstjährigen First-Round-Pick nach Cleveland und für Patrick Mahomes (Pick #10) spendierten die Kansas City Chiefs den Buffalo Bills einen Third-Round-Pick im aktuellen und einen First-Round-Pick im kommenden Draft.

Gelingt es den drei Quarterbacks nicht, ihren hohen Erwartungen gerecht zu werden, könnten die Bears, Texans und Chiefs in den nächsten Jahren einen enormen Nachteil haben. Spielen die drei allerdings so, wie man es sich erhofft, besteht auch die Möglichkeit, langfristig als Gewinner hervorzugehen.

Gewinner: Quarterbacks und Wide Receiver

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Den Quarterbacks selbst kann es auf der anderen Seite nur recht sein, dass sie so früh gedraftet wurden, denn je früher man gepickt wird, desto höher ist das Rookie-Gehalt.

Ähnlich verhielt es sich mit den Wide Receivern. Drei Passfänger gingen schon in den ersten zehn Picks vom Draft-Board. Eine Entwicklung, mit der nicht unbedingt zu rechnen war. Auch sie erwartet bereits in ihrer ersten Saison ein ordentlicher Lohn.

Gewinner und gleichzeitig Verlierer: Joe Mixon und die Cincinnati Bengals

Joe Mixon ist nach Leonard Fournette der beste Runningback der Klasse. Daran besteht kein Zweifel. Dennoch wurde er vor dem Draft frühestens in die zweite Runde prophezeit.

Grund dafür ist, dass Mixon 2014 eine Bekannte windelweich geschlagen hatte und ihr dabei sogar Gesichtsknochen brach. Das Ganze spielte sich zudem noch in der Öffentlichkeit ab, Videos von Überwachungskameras dokumentierten den Fall. Nur knapp entging Mixon einer Gefängnisstrafe und er hatte Glück, dass seine Universität ihn nicht vor die Tür setzte. Auch wenn der Runningback seit 2015 wieder am Football-Feld stehen darf — einen Frauenschläger will nicht jedes Team in der Umkleidekabine haben.

Für die Cincinnati Bengals scheinen diese Umstände aber kein Problem darzustellen. Noch nie schreckte man vor zweifelhaften Charakteren zurück, also war es schon fast logisch, dass man sich mit dem 48. Pick für Mixon entschied.

Für den erst 20-Jährigen ein Segen, gibt es doch in der zweiten Runde viel mehr Geld als in der sechsten zum Beispiel. Für die Bengals allerdings wieder einmal eine verpasste Chance, sich einem anständigen Imgage-Wechsel zu unterziehen.

Gewinner: James Conner

Der Runningback der University of Pittsburgh wurde in der dritten Runde von den Pittsburgh Steelers ausgewählt. So weit, so normal. Wäre da nicht Conners einzigartige Geschichte.

2014 wurde er zum besten Spieler seiner College-Divison ausgewählt, der vermeintliche Grundstein für eine große sportliche Zukunft war gelegt. 2015 dann der schwere Schicksalsschlag: Hodgkin-Syndrom, Krebs. Conner aber kämpfte wie ein Löwe, kann die Krankheit schlussendlich besiegen und spielte die gesamte letzte College-Saison, bevor er den Schritt in die NFL wagte.

Nachdem die Steelers ihm seinen NFL-Traum erfüllten, bleibt der vielversprechende Runningback auch gleich im Bundesstaat Pennsylvania. Aus sportlicher Sicht wird der 105. Pick des diesjährigen Drafts von ExpertInnen mit niemand Geringerem als Marshawn Lynch verglichen.

Verlierer: New Orleans Saints

Zwar hatten die Saints alles in Allem einen starken Draft, sie mussten sich im Kampf um die prominente Personalie Reuben Foster aber den San Francisco 49ers geschlagen geben. Aufgrund von Disziplinlosigkeiten und einem verwässerten (also automatisch positiv gewerteten) Drogentest fiel der als Top-Fünf-Spieler gerankte Linebacker weit nach hinten.

Für New Orleans war klar, wen sie mit dem 32. Pick nach Louisiana holen wollten. So telefonierte man bereits mit Foster und informierte ihn über ihr Vorhaben. Die Saints sprachen sogar schon mit Fosters Freundin über ein mögliches Haus in “NOLA”!

Zeitgleich wurde der Defensivspieler aber auch von den San Francisco 49ers kontaktiert, die extra für Foster auf den 31. Pick hochtauschten, um den Linebacker in die Bay Area zu holen.

Später gab Foster in einem Interview sogar zu, dass er lieber bei den 49ers spielen wollte und antwortete auf die Frage, ob es ihm denn unangenehm war, den Saints absagen zu müssen: “Nein, ich habe aufgelegt.”

Pech für die Saints, hingegen perfekt taktiert von den 49ers rund um Neo-General-Manager John Lynch, der bei seinem ersten Draft sein Können als hartnäckiger Verhandlungspartner mehrmals unter Beweis stellte.

Gewinner: Die Stadt Philadelphia

Zu guter Letzt noch ein großes Lob an den Veranstalter dieses unglaublichen Spektakels. Über 100.000 ZuschauerInnen ließen sich das Event live nicht entgehen. Die Stimmung war fantastisch und einer Wiederholung im kommenden Jahr steht nichts im Weg.

*Anmerkung des Autors: Eine frühere Version dieses Artikels behauptete fälschlicherweise, dass die Chicago Bears für Mitchell Trubisky einen Second-Round-Pick, einen Fourth-Round-Pick plus ihren Third-Round-Pick des nächsten Jahres abgaben. Anstatt des Second-Round-Picks gaben die Bears den San Francisco 49ers aber ihren diesjährigen Third-Round-Pick.

Martin Senfter ist freier Journalist, studiert Soziologie und Geschichte in Innsbruck und ist Gründer des NFL-Blogs seNFL.

[Foto: swimfinfan/Flickr/CC BY-SA 2.0/Illustration von kultort.at]

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