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Wie Chemikalien in Pflegeprodukten unsere Organe vergiften

In diversen Studien konnte nachgewiesen werden, dass viele Kosmetika bedenkliche Chemikalien enthalten — vonseiten der Politik wird jedoch wenig unternommen

Wie Chemikalien in Pflegeprodukten unsere Organe vergiften 3. Mai 20171 Comment

stv. Chefredakteurin, Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

Totenkopf, im Hintergrund Pflegeprodukte

Dass Chemikalien wie Silikone, Aluminiumsalze und Parabene schädlich sind, ist inzwischen ins kollektive Bewusstsein übergegangen. Warum das so ist und was diese Inhaltsstoffe bewirken, wissen jedoch die wenigsten.

Unternehmen haben sich angepasst und bewerben ihre Produkte nun mit Aufklebern wie “Silikonfrei” und “ohne Aluminium”. Zwar werden diese Stoffe in der Produktion weggelassen, meist aber durch fatalere Chemikalien ersetzt, die nicht nur der Umwelt, vor allem aber unserem Körper enorm schaden, angefangen bei Hautproblemen bis hin zu Krebserkrankungen.

Kosmetikgiganten als Krankmacher

Obwohl das Interesse an biologisch-organischer Ernährung immer weiter wächst und unsere Alarmglocken schrillen, wenn von Pestiziden und Chemikalien in unserer Nahrung die Rede ist, fehlt dieses Bewusstsein bei Kosmetik- und Körperpflegeprodukten fast gänzlich — diese werden ja nur äußerlich angewendet. Man mag auch meinen, dass Pflegeprodukte, die bei uns ganz normal im Handel zu erstehen sind, einer bestimmten Kontrolle unterliegen und somit unbedenklich sind. Dass dem leider nicht so ist und die Gesundheit der Menschen hinter den Profitinteressen der Unternehmen ansteht, ist vielen VerbraucherInnen noch immer nicht klar. Genehmigungen der Inhaltsstoffe sind oftmals Jahrzehnte alt und werden auch nach erschreckenden Testergebnissen nicht zurückgezogen.

Während Hautreizungen und leichte allergische Reaktionen noch ein geringeres Übel darstellen, setzen sich viele Stoffe schleichend und unbemerkt in unseren Organen ab und machen uns langsam aber sicher krank. Doch kaum jemand hat sein Duschgel oder sein Shampoo im Visier, wenn er unter Kopfschmerzen, ständiger Müdigkeit oder sonstigem leidet.

Hormone als erhebliche Gefahr für die Gesundheit

Die österreichische Umweltschutzorganisation Global 2000 hat bereits 2013 eine Studie durchgeführt, in der 400 Pflegeprodukte auf Schadstoffe getestet wurden. In verschiedenen österreichischen Handelsketten wurden insgesamt 159 Bodylotions (davon 21 Naturkosmetikprodukte), 146 Zahnpasten (davon 11 Naturkosmetikprodukte) und 72 Aftershaves gekauft und getestet.

Das erschreckende Ergebnis: In über einem Drittel der Körperpflegeprodukte waren hormonell wirksame Stoffe enthalten, wie beispielsweise Parabene. In den Naturkosmetikprodukten konnten keine Hormone gefunden werden.

Die Europäische Union ordnet Parabene in einer Prioritätenliste des Chemikalienrechts in die “Kategorie 1” ein. Das heißt, dass die hormonelle Wirkung bereits in Tierversuchen nachgewiesen wurde. Verboten ist der Einsatz trotzdem nicht. Und nicht nur bei Tieren konnten die Folgen von Hormonen bereits bestätigt werden, sondern auch beim Menschen:

Grafik: Was Chemikalien bewirken
© Global 2000 Studie (2013)

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) treten in den letzten Jahrzehnten bestimmte Krankheiten gehäuft auf, welche auf die Beigabe von Hormonen in Kosmetika zurückzuführen sein könnten. Folgen dieser Hormone sind unter anderem Hoden- und Prostatakrebs bei Männern und Brustkrebs bei Frauen. Bereits 40 % der Männer in Europa haben außerdem eine verminderte Spermienqualität. Bei männlichen Neugeborenen werden in der westlichen Welt immer häufiger Missbildungen der Geschlechtsorgane und bei Mädchen ein Trend zur verfrühten Pubertät festgestellt. Ebenso kann eine Zunahme von Allergien und Asthma sowie Verhaltensstörungen ausgemacht werden. Diese nicht übertragbaren Krankheiten haben so rasant zugenommen, dass eine genetische Ursache auszuschließen ist.

Bedenkliche Stoffe auch in Shampoos

Doch nicht nur Hormone stecken in unseren Pflegeprodukten, sondern auch andere gefährliche Stoffe. Das Verbrauchermagazin ÖKO Test hat diverse Shampoos unter die Lupe genommen. Einige der getesteten Shampoos beinhalteten Polyethylenglykol (PEG) bzw. PEG-Derivate. Dieser Stoff dient als Emulgator, der Wasser und Fett verbindet. Da PEG die Zellwände aufweicht, können Schadstoffe (wie z.B. Hormone) ungehindert in die Haut eingeschleust werden. In der Industrie wird PEG beispielsweise in Bremsflüssigkeiten, Farben und Lacken verwendet.

Auch einige der Shampoos enthalten Konservierungsstoffe, für die es längst Alternativen gibt, wie beispielsweise Formaldehyd. Bereits vor 30 Jahren war bekannt, dass dieser Stoff potenziell krebserregend wirkt sowie Hautreizungen und Allergien auslösen kann — und dennoch findet er bis heute Verwendung. 2004 wurde Formaldehyd von der WHO offiziell als “krebserregend für den Menschen” eingestuft und selbst zu diesem Zeitpunkt wurde nichts unternommen. Lediglich 2014 gab es eine Neueinstufung von Formaldehyd in die “Kategorie 1B”, die besagt, dass die krebserregende Wirkung im Tierversuch zweifelsfrei festgestellt werden konnte und demnach auch für den Menschen wahrscheinlich ist.

Versäumnisse der Politik

Alles, was Kosmetik betrifft — von der Herstellung bis zur Vermarktung — wird durch die Europäische Kosmetikverordnung geregelt. Einige Stoffe sind durch diese Verordnung bereits verboten. Doch trotz vieler Tests, die die Gefahren von weiteren Chemikalien nachweisen, dürfen diese den Pflegeprodukten trotzdem beigefügt werden. Hier müssen jedoch bestimmte Grenzwerte eingehalten werden. Wenn dies erfolgt, besteht nach dem wissenschaftlichen Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU keine Gefahr. Laut einer Studie von Environmental Health Perspectives (EHP) konnten jedoch trotz der vorgegebenen Grenzwerte Giftstoffe sowohl im Urin als auch im Blut der Probandinnen deutlich nachgewiesen werden.

Einige Länder wollen sich nun, ohne auf Verordnungen der EU zu warten, selbst um das Problem mit den Giftstoffen in Kosmetik kümmern. Ganz nach dem Beispiel von Dänemark, welches 2011 als erstes Land zumindest den Einsatz von Propylparaben sowie Butylparaben für Kinder unter drei Jahren verboten hat.

Österreich gehört nicht zu den Ländern, die sich angemessen für ein Verbot von Chemikalien einsetzen. Nach typisch österreichischer Manier wird gewartet, bis die EU-Akteure sich darum kümmern. Deshalb muss vonseiten der Kosmetikhersteller etwas passieren. Diese dürfen sich nicht mehr hinter der Politik verstecken, denn der Verzicht auf gewisse Stoffe ist längst machbar.

Günstige und unbedenkliche Alternativen

Eine Alternative zu Nivea, Panthene und Co. stellen Naturkosmetikprodukte wie Alverde, Lavera oder Sante dar, die man preiswert in der Drogerie erwerben kann. Die VerbraucherInnen müssen sich hier keine Sorgen über Tierversuche oder giftige Inhalte machen.

Obwohl es für Naturkosmetik keine eigene Verordnung gibt, greifen viele Hersteller zur Zertifizierung ihrer Produkte auf freie Institute zurück. Diese prüfen die Kosmetik auf Haut- und Umweltverträglichkeit. Hersteller, die sich diesem Prüfverfahren unterziehen, erhalten das Zeichen “Kontrollierte Naturkosmetik”. Solch eine Zertifizierung zeigt zumindest das Interesse einer Marke an nachweisbarer Qualität — etwas, das man sich auch für große Marken wünschen würde.

Die Liste der gesundheitsschädlichen Stoffe in Kosmetik ist so lang, dass sie hier bei Weitem nicht abgedeckt werden kann. Eine ausführlichere Auflistung der bedenklichen Chemikalien findest du HIER.

Antonia auf Twitter: @isleofbookx

[Foto: cleanwalmart/Flickr/CC BY 2.0/Illustration von kultort.at]

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