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Please Madame im Interview: “Ankommen gibt’s in der Musik nicht”

“Brust raus und zeigen, wer wir sind!”

Please Madame im Interview: “Ankommen gibt’s in der Musik nicht” 5. Mai 20173 Comments

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Zurück zum Start! Die Salzburger Rockband Please Madame wagt mit ihrer neuen EP “einen Schritt zurück und zwei Schritte nach vorne”, wie sie es beschreiben. Dominik Wendl (Gesang, Gitarre), Laurenz Strasser (Gitarre), Martin Pöheim (Bass) und Merlin Delic (Schlagzeug) vereinen kraftvollen Gesang, starke Gitarren, aber auch Melancholie. Man glaubt es ihnen, sie klingen authentisch.

Wir durften bereits vorab reinhören und haben uns mit der Hälfte der Band getroffen, um über Back to the Start, ihren bisherigen Erfolg und ihr musikalisches Schaffen zu sprechen.

kultort.at: Was steht hinter dem Titel eurer neuen EP Back to the Start?

Martin Pöheim: Wir haben viele Eindrücke erlebt auf unserer Reise, die wir im letzten Jahr gemacht haben und wir waren auch das erste Mal auf Albumtour. Du fährst viel ins Ungewisse, du hast viele Erwartungen. Viele Erwartungen, die nicht erfüllt werden. Du lernst aber immer dazu und Back to the Start ist irgendwie so: “Hä? Scheiß drauf, was irgendwer sagt. Mach einfach und hab Spaß.” So wie wir damals eigentlich angefangen haben – mit Proben, Herumspielen und Co.

Dominik Wendl: Back to the Start war für uns irgendwie so ein kleiner Neustart von dem ganzen Projekt.

Pöheim: Aber jetzt gar nicht negativ [besetzt], sondern eher einen Schritt zurück und zwei Schritte nach vorne.

Wendl: Jetzt nicht, dass uns das Album irgendwie verändert hätte, aber ich glaub einfach, dass es uns in dem gefestigt hat, was wir sind. In dem Business ist es halt oft so, dass man die Bitch ist. Das merkt man auch, wenn man viel spielt. Aber besser ist einfach: Brust raus und zeigen, wer wir sind. Back to the Start heißt einfach nur, wir manifestieren das, für was wir stehen.

Habt ihr da selber auch ein Lieblingslied?

Martin Pöheim
Martin Pöheim

Pöheim: Lieblingslied ist ganz schwer. Ich finde, dass die EP im gesamten echt gut geworden ist und eine schöne Gesamtheit darstellt. Natürlich hast du deine Favoriten, aber es gibt keinen Song, der für mich die klare Nummer eins ist. Das Lustige ist auch: Wir haben das schon vielen Leuten gezeigt und du hörst von jedem ein anderes Ranking. Das ist glaub ich ganz gut, denn somit stimmt das Gesamte. Ich glaube, das ist das Wichtigste bei einer EP, wenn du schon nur vier Songs veröffentlichst und dass es dann auch irgendwie zusammenpasst. Und das ist uns gelungen, glaube ich.

Ihr wart ja mit der bereits veröffentlichten Single “Stalemate” in den iTunes-Rock-Charts auf Platz eins vor Metallica, habt den Heimo Erbse Förderpreis 2017 gewonnen und letztens im Gasometer für LP als Support gespielt. Seid ihr jetzt karrieretechnisch genau da, wo ihr gerne sein würdet?

Wendl: Man ist karrieretechnisch glaub ich nie da, wo man eigentlich sein will. Vor allem bei kreativen Berufen und generell als Band. Wenn man denkt, man hat alles erreicht, dann kann man es eigentlich eh lassen. Selbst Metallica will wahrscheinlich immer noch mehr!


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Wie würdet ihr euren Sound selbst beschreiben? Indie-Rock? Oder seid ihr einfach eine Mischung aus verschiedenen Stilen?

Dominik Wendl

Wendl: Ich glaube, es ist so ein bisschen rockiger und melancholischer. Am besten kann man sich ein Bild machen, wenn man live vorbeikommt, weil live zu spielen ist eine von unseren Stärken. Die EP ist eher langsamer — half-time und eher rockig, würde ich sagen. Also es ist eigentlich sehr viel Gitarrenmusik drauf.

Pöheim: Und solange es jemandem gefällt, ist es ja scheißegal.

Wendl: Glaub ich auch. Der Weg ist das Ziel, weil Ankommen gibt’s nicht in der Musik. Und wenn die Leute irgendwann mal sagen “Ja, das ist der Sound von Please Madame”, dann ist das schon ein Win.

Was kann man erwarten, wenn man euch live sieht?

Wendl: Alles.

Pöheim: Das Feedback allgemein war eigentlich meistens, dass es lustig ist, uns zuzuschauen, weil man merkt, dass wir Spaß haben. Und dass wir eben durch Authentischsein funktionieren. Wir haben schon viel am Live-Sound gearbeitet und das kommt, glaube ich, auch so rüber. Das liegt auch daran, dass wir für die kurze Zeit, die es uns erst gibt, schon echt viele Auftritte gespielt haben.

Wendl: Man kriegt halt irgendwie so ein volles Programm zwischen Live, Sound und einfach Bühnenpräsenz generell. Wir sind immer ready. Und wenn das Publikum nicht ready ist, dann wird es halt ready gemacht.


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Habt ihr bestimmte Rituale vor einem Konzert?

Pöheim: [lacht] Wir haben wirklich eins. Also wir umarmen uns vor jedem Auftritt, klopfen uns dreimal auf die Schulter und spucken uns dreimal über die Schulter. Das ist irgendwie auf Tour entstanden, weil wir in einem Theaterstübchen gespielt haben — und im Theater soll das anscheinend üblich sein.

Wendl: Das war, als wir in Kassel waren. Es war Montag und wir haben uns gedacht: “Was wird dann am Montag in Kassel los sein bei unserem Konzert? Wenn 30 Leute kommen, sind wir voll zufrieden!” Und dann waren auf einmal 120 Leute da. Nach dem Konzert sind wir Backstage gegangen. Der Veranstalter steht so da und meint: “Hab ich doch gesagt! Bei mir ist es immer voll.”

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Dominik Wendl (links) und Martin Pöheim

Was steht bei euch als Nächstes an?

Pöheim: Der EP-Release, ein neues Video und dann ein paar Festivals im Sommer, die sicher cool werden.

Wendl: Wir sind jetzt gerade fürs Szene Open Air Festival [am Alten Rhein in Lustenau] für Anfang August bestätigt worden.

Pöheim: Auf das freu ich mich schon voll. Das wird sicher geil.

Wendl: Clueso und so kommen, also richtig coole Künstler. Wenn du mit dem Helden deiner Jugend spielen darfst, ist das halt Wahnsinn.

Pöheim: Nächsten Freitag [13. Mai] spielen wir im Rockhouse in Salzburg die Release-Show — hoffentlich mit vielen Leuten. Und eben ein paar Festivals. Im Herbst bzw. Winter werden wir dann in Deutschland und wahrscheinlich auch in Österreich auf Tour gehen.

Wendl: Mit der EP wollten wir vor allem im Sommer auf Festivaltour gehen, aber natürlich arbeiten wir auch am neuen Album weiter.

Hinweis: Dominik Wendl ist neben seiner Tätigkeit als Frontman von Please Madame auch Redakteur bei kultort.at.

Ein großes Dankeschön an Marina Strasser für die Fotos des Interviews — zu ihrem Instagram-Account geht’s HIER

Magdalena Korecka studiert Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Anglistik und Kunstgeschichte an der Universität Wien.

kultort.at auf Twitter: @kultort

[Foto: © Christian Salic/Illustration von kultort.at]

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