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Mit dieser Anleitung wirst du endlich Rechtspopulist

Komm auf die schöne Seite des Lebens und werde Rechtspopulist!

Mit dieser Anleitung wirst du endlich Rechtspopulist 8. Mai 20174 Comments

stv. Ressortleiter Popkultur

Der folgende Text ist ein satirischer Beitrag zum Thema Rechtspopulismus. Das Recht auf eine eigene Meinung sollte deswegen keinem abgeschlagen werden. Es soll lediglich die Problematik gewisser Denkmuster veranschaulicht werden.

Hey, du! Ja genau, du! Na, wie sieht’s denn bei dir aus mit der Politik? Sauer, weil Grün und Rot dein Wien einsauen? Bist du auch schon kurz davor die schwarzen Politiker des Landes verweisen zu wollen, weil sie nichts zusammen bringen außer eine noch größere Gruppe von alten, reichen Säcken, die sich eine Badewanne mit dem hart verdienten Geld der Bürger einlassen? Dann bist du hier genau richtig.

Mit dieser Anleitung kommst du endlich weg von dieser altmodischen Politik, in der du nur das Nachsehen hast. Lass uns doch endlich gemeinsam gegen unsere politischen Feinde vorgehen! Komm auf die schöne Seite des Lebens. Lass dich endlich mitreißen, ich fordere dich auf: Werde Rechtspopulist!

Zeigen, dass man die Heimat im Herzen trägt

Und wie das geht ist auch relativ leicht erklärt. Denn wir wollen ja einen einfachen Weg bestreiten und uns nicht allzu viele Gedanken über die komplizierten Altstrukturen von eingesessenen Politsystemen machen. Wir brauchen frischen Wind. Und deswegen benötigen wir ein paar allgemeine Leitsätze, an denen wir festhalten.

Zuallererst wollen wir feststellen, was uns wirklich wichtig ist: Der Schutz der eigenen Bürger im Sonnenschein der geliebten Nation. Weil bevor wir irgendjemandem helfen können, muss es erstmal uns gut gehen. Ich meine, uns geht es ja auch momentan nicht gut, oder? Immerhin sind nach internationaler Definition im Jahr 2016 mehr als 270.000 Menschen in Österreich ohne Arbeit. Wollen uns die Politiker jetzt erzählen, wenn wir mehr Leute in unser Land lassen, dann sinkt diese Quote? Nicht mit uns!


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Also halten wir fest: Wir brauchen keine weiteren Ausländer mehr im eigenen Land. Davon haben wir erstens eh schon genügend, zweitens können sie sich nicht anpassen und bauen dann an jeder Ecke einen Dönerstand — oder, noch schlimmer: Eine Moschee. Wir lassen uns doch nicht unsere Kultur von den Osmanen nehmen. Immerhin haben wir Österreicher schon zweimal eine Belagerung des Osmanischen Reiches überstanden. Da werden wir eine dritte wohl auch noch schaffen.

Endlich richtig Farbe bekennen

Ausländer hin oder her. Noch viel schlimmer als deren Erdoğan ist unser Van der Bellen. Da wählen wir uns selbst einen alten, rauchenden Schornstein an die Spitze unseres Heimatlandes. Nur um zu sehen, dass der wieder nichts anders macht. Norbert Hofer hätte längst das ganze Land umgekrempelt.

Also Lektion Nummer 2: Wir gehen wählen und unsere Kreuzchen sind blau. Weil Veränderung nur über diese Partei führen kann, zumindest in Österreich. Die anderen (auf die wir sonst aber nicht hören!) machen’s ja auch: Gert Wilders, Marine Le Pen oder das Aushängeschild himself: Donald Trump. Also wenn ich schon selbst Rechtspopulist sein will, muss ich auch einen wählen.

Aber jetzt, wo du schon halber Rechtspopulist bist, musst du dich auch an die Gesetze deiner Art halten. Wir sind natürlich religiös klar definiert. Am Christentum führt kein Weg vorbei. Andere Religionen sind uns egal, im Land wollen wir sie nicht haben. Das Kreuz bleibt hängen, obwohl wir selbst natürlich nur hin und wieder beten. Aber da geht es eben ums Prinzip.

Für unser Land einstehen

So, wir haben einige Standpunkte schon mal fest in unserer Einstellung verankert. Jetzt geht es noch einen Schritt weiter: Wir drängen unsere Meinung anderen Leuten auf. Zum Teil, weil wir selbst davon überzeugt sind, noch wichtiger aber wehren wir uns gegen das linke Regime naiver Banausen, die den roten Teppich für alles und jeden ausrollen — nur damit wir nicht wieder als Nationalsozialisten abgestempelt werden. Als hätten Nazis damals das getan, was wir heute tun. Das kann man doch nicht vergleichen. Wir wollen niemanden töten, nur loswerden.

Immerhin müssen wir unser schönes Österreich schützen. Schön, dass das jetzt auch die USA, Frankreich, die Schweiz oder die Niederlande tun. Immerhin gibt es Rechtspopulismus bei uns schon wieder seit ungefähr 30 Jahren. Wir sind die Vorreiter. Damals hat uns der Jörgi den Weg so schön geebnet. Mittlerweile sind wir die Nummer 1. Und jetzt müssen wir uns behaupten, denn noch nie waren wir so stark wie heute.

Ganz wichtig für unseren Selbstschutz ist die Ignoranz. Wir lassen uns bestimmt nichts Anderes einreden. Immerhin müssen wir auch auf uns selber aufpassen, unsere Kinder wachsen in diesem Land auf — und das sollen sie auch ohne steigender Kriminalität dürfen. Dementsprechend wichtig ist neben dem Ausblenden anderer Meinungen vor allem eines: Unsere stichfest auftragen.

Aber wie machst du das jetzt? Immerhin sind die anderen ja mindestens genauso ignorant, wie wir es doch selbst sind. Es funktioniert ganz einfach: Wir posten sie mit unserem Glauben an die Souveränität der eigenen Leute und dem gemeinsamen Glauben an eine neue Zukunft zu. Wir verwenden eine einfache Sprache, der Volksmund hat schon immer funktioniert. Gescheit daher reden kann jeder, aber sagen, was man sich denkt, das soll man doch erst mal tun. Der Verblendung mit einer simplen, knalligen Sprache entgegenwirken.

Wir zusammen gegen das Fremde

Aber was, wenn das die islamisierte Bevölkerung nun nicht glauben will? Was, wenn sie nicht einmal verstehen, was wir ihnen sagen wollen? Bleiben immer noch die eigenen Leute. Zusammen auf ein Bier zum hiesigen FPÖ-Fest! Das verbindet und schafft Raum für gemeinsamen Hass … Pardon, natürlich Nächstenliebe.

Als i-Tüpfelchen für unsere eigene Ideologie beginnen wir mit Schuldzuweisungen. Weil die anderen Schuld daran sind, dass es uns nicht mehr gut geht! Wer nimmt uns denn den Arbeitsplatz weg? Ja, genau. Das muss nicht einmal ausgesprochen werden. Wer sorgt denn dafür, dass wir immer weniger Auszahlungen vom Staat erhalten? Ja, genau. Es sind die anderen, das Fremde. Wie sagt schon unser geliebter HC: “Zuerst die eigenen Leut‘!”


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Außerdem brauchen wir jetzt ein neues Verständnis von Vertrauen. Den Medien können wir schon lange nicht mehr trauen. Sie verschleiern ja nur, was in der Welt vor unseren Fenstern wirklich passiert. Wir brauchen wieder richtige Aufklärung.

Pluralismus ist out! Wieso mehrere Parteien, wenn eine für uns alle stehen kann? Wieso noch dulden, dass sich Politiker in ewig langen Prozessen über kritische Themen auseinandersetzen und nichts dabei rauskommt? Das geht doch nicht. Wir brauchen jetzt Lösungen. Für ein gemeinsames Österreich. Wie in guten alten Zeiten. Also, werde jetzt Rechtspopulist! Spotte und hetze, sei du selbst. Weil wir doch alle eigentlich nur eines wollen: Alleine in unserem Land die Sitten genießen, in die wir uns schon seit Jahrhunderten eingenäht haben.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem leicht zugänglichen Text beweisen, dass Rechtspopulismus im Grunde nur eines ist: Ein einfacher Weg Probleme anzusprechen, ohne Lösungen zu generieren. Eine detaillierte Auflösung über den Komplex Rechtspopulismus findest du HIER.

Johannes auf Twitter: @joschi_mayer

[Foto: Manfred Werner/Wikimedia/Illustration von kultort.at]

stv. Ressortleiter Popkultur

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