Danke AG Jus, ihr habt uns gezeigt, wie es nicht geht

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Die AktionsGemeinschaft (AG) dürfte gestern am frühen Nachmittag ziemlichen Angstschweiß bekommen haben, als Florian Klenk, Chefredakteur der Wochenzeitung Falter, für 17:00 Uhr einen Leak ankündigte. Dieser versprach, die Inhalte geheimer Facebook-Gruppen und WhatsApp-Chats der AG Juridicum Wien öffentlich zu machen.

Konkret ging es um antisemitische und nationalsozialistische Inhalte, aber auch um sexistische, behindertenfeindliche und rassistische Postings und Memes. Soviel zum Thema. Der Leak ging dann pünktlich um 17:00 Uhr online. (Der Server des Falters war kurz überfordert, was aber auch zu erwarten war.) Aber bereits bevor der Artikel veröffentlicht wurde, hat sich die AG ertappt gefühlt und verfasste ein entschuldigendes Facebook-Posting, das wenig erfolgreich war.

Kann eine einfache Entschuldigung, die wirklich eher müßig klang, solche Vorfälle wieder gut machen? Nein. Auch nicht in hundert Jahren. Man sprach in diesem Statement (ich schreibe absichtlich Statement, Entschuldigung ist in diesem Zusammenhang eine Beleidung) von “Hacks” und “aus dem Zusammenhang gerissenen” Dingen.

Florian Klenk stellte prompt klar: Nichts wurde gehackt und ebenso wenig wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Warum versucht man überhaupt sich hier irgendwie zu rechtfertigen? Warum spricht man überhaupt von “Wahlkampf” in diesem Zusammenhang? Was soll die Opferrolle?  Obwohl: Ja, sie sind wahrscheinlich wirklich echte Opfer – nur halt anders gemeint.

“Viele der Screenshots sind aus dem Zusammenhang einer Diskussion gerissen, um uns vor der Wahl größtmöglichen Schaden zuzufügen.“ — schreibt die AG Jus auf ihrer Facebook-Seite. Schaden hat sich die AG hier wohl eher selbst am meisten zugefügt. Wer hier Ausreden sucht, ist fast genauso dumm wie die Menschen, die eben diese Gruppen und Chats bedienten.

Klar gibt es Konsequenzen. Jeder, der mit diesen Gruppen irgendetwas zu tun hatte, wird von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Dem schließt sich auch Sebastian Kurz an. Wie Heldenhaft. Was mit dem Whistleblower passiert, der die Screenshots der Presse zukommen ließ, ist da irgendwie spannender. Ob er wohl eine rosige Zukunft in der ÖVP-nahen AG hat? Man munkelt. Aber eher nein. Der Rest der “badass Warlords” (ein WhatsApp-Chat-Name der lustigen Soon-to-be-Anwälte) wird wahrscheinlich mit Fanfaren vom Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) empfangen.

Natürlich, die AG, die bei den ÖH-Wahlen 2015 stärkste Fraktion war, wird für diese Aktionen mit herben Stimmenverlusten bezahlen müssen. Aber darum geht es hier gar nicht.

MEHR: Die ÖH ist tot. Lang lebe die ÖH!

Es geht darum, dass es völlig inakzeptabel ist, ewiggestriges Gedankengut zu vertreten und gleichzeitig in einer öffentlichen Funktion dieser Art zu sein. Die AG Jus bezeichnet das als “schwarzen Humor”. Also ist unter dem Deckmantel des schwarzen Humors alles erlaubt? Mit Meinungsfreiheit und Satire hat das nämlich alles nichts zu tun. Das weiß wohl auch die Chefetage der AG. Die politischen MitbewerberInnen hingegen reiben sich die Hände, was auch klar ist.

In einer Studierendenvertretung darf so etwas nicht passieren. Es geht hier nicht um ein paar idiotische Memes, sondern um eine (Lebens-)Einstellung. Wenn jemand im Studierendenalter noch nicht verstanden hat, dass es Themen gibt, über die man nicht auf diese Art und Weise scherzt, der sollte auch nicht für irgendwelche politischen Ämter kandidieren dürfen.

Man darf auf alle Fälle abwarten, wie viele hochrangige FunktionärInnen der Leak wirklich betrifft — anscheinend müssen jetzt noch ein paar Wahlzettel geändert werden. Was für eine Schande. Insbesondere für die AG, aber auch für die gesamte ÖH. An diesem Beispiel erkennt man wieder, wie ernst diese Wahlen genommen werden. Zero Percent.

[Foto: Screenshot via falter.at/Illustration von kultort.at]

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