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Eurovision Song Contest: Was wurde eigentlich aus Nadine Beiler, den Trackshittaz & Co?

Von den bisherigen Österreich-Vertretern des ESC hört man relativ wenig, deshalb gehen wir der Frage nach: Was wurde eigentlich aus ihnen?

Eurovision Song Contest: Was wurde eigentlich aus Nadine Beiler, den Trackshittaz & Co? 12. Mai 2017Leave a comment

Bereits seit 1956 flimmern die mittlerweile bunten Bilder des Eurovison Song Contests über unsere Bildschirme und verleiten damit nicht nur Andi Knoll zu waghalsigen humoristischen Kommentaren, sondern machen jedes Jahr aufs Neue bisher unbekannte InterpretInnen international bekannt. Manche kürzer, manche länger. Manche mehr, manche weniger.

Mit ernstzunehmender Musik hat der ESC allerdings schon lange nicht mehr viel zu tun. Warum finden sich also immer wieder KünstlerInnen, die daran teilnehmen? Und was wurde eigentlich aus den bisherigen Österreich-VertreterInnen?

Wir alle erinnern uns noch an den sympathischsten Helden Skandinaviens, Mans Zelmerlöw, die bekannteste Wurst Österreichs und die barfüßige Loreen, bei der man damals nie genau wusste, ob sie bei ihrer Bühnenshow ihren Namen tanzt oder doch mit dem Verjagen von negativen Energien beschäftigt ist. Doch egal wie verrückt die Auftritte teilweise waren, gewonnen haben sie trotzdem und sind uns so im Gedächtnis geblieben.


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Doch abgesehen von Conchita Wurst hat man von einigen heimischen KandidatInnen schon lange nichts mehr in der Öffentlichkeit gehört. So sind Nadine Beiler (2011), die Trackshittaz (2012) oder Natália Kelly (2013), die — wie wir alle wissen — eher minder erfolgreich waren, zwar immer wieder bei diversen Möbelhaus-Eröffnungen oder in den Seitenblicken aufgetreten, eine weitreichende Musikkarriere ist daraus überraschenderweise aber nicht entstanden. Ein Grund dafür könnte der immer wieder aufgedrückte Song-Contest-Stempel sein, den sie alle auch nach Jahren nicht loszuwerden scheinen. “Ah, das ist doch die vom Song Contest!” So erwischt man auch sich selbst oft, wenn ehemalige KandidatInnen in den Medien zu sehen sind.

Oft liegt es nicht fern, dass nach dem Antritt an einen Neuanfang oder eine stilistische Kehrtwende gedacht wird. Nadine Beiler hat sich nach dem Erreichen des 18. Platzes in Düsseldorf zwar immer noch fürs Singen interessiert, stand dann aber offensichtlich doch lieber auf der Musical-Bühne. 2015 verkörperte sie die Maria Magdalena in Jesus Christ Superstar. 

Und auch die in Dorfdiscos allseits beliebte Band Trackshittaz hat nach dem Song Contest eher vergebens versucht, wieder in die Charts zu klettern. Dabei wollten sie es mehr als Hillary Clinton ins Weiße Haus. Aber  man muss schon auch was können, um dabei bleiben zu dürfen. Wer hätte sich das gedacht? So löste sich die Band 2015 zum Leidwesen hart eingesottener Fans auf. Lukas Plöchl versucht nun einen Neustart im Alleingang unter dem Namen Wendja. Man mag gespannt sein, ob dieses Unterfangen zum Erfolg führt.

Doch aus welchen Höhlen sind unsere bisherigen Eurovison-Song-Contest-TeilnehmerInnen eigentlich immer herausgekrochen? Dies lässt sich sehr leicht mit einem Wort beantworten: Castingshows.

Denn sowohl Nadine Beiler als auch die Trackshittaz, Conchita Wurst oder auch unser diesjähriger Teilnehmer, Nathan Trent, kannten sich vor dem ESC bereits sehr gut mit Schnelldurchläufen, Jury-Votings und Fließband-Fame aus. Abgesehen von den Trackshittaz wurde der Wettbewerb von allen TeilnehmerInnen auch sehr ernst genommen, was uns “den Schaß” 2014 mit Conchita Wurst gewinnen ließ. Sozusagen unser zweites Cordoba, denn nach Udo Jürgens waren wir eher gut darin, bereits im Semi-Finale auszuscheiden oder einen Rekord im “Wer liegt in der Punktewertung am nächsten bei Null?” aufzustellen. So dürfte der Sieg Conchitas damals so manch kleinen Herzinfarkt oder Anrufe beim Psychodoktor hervorgebracht haben, da man sich sicher war, man würde halluzinieren.

Aber nein, die 290 Punkte waren echt und absolut bereichernd für die Karriere der Wurst. Denn im Gegensatz zu so manch anderen ESC-SiegerInnen wurden ihr danach auf der ganzen Welt förmlich Rosen gestreut. Ok, außer in Russland. Dennoch, nach Kopenhagen ergab sich eine innige Freundschaft mit dem Modedesigner Jean-Paul Gaultier, es erschien ihr erstes Buch, ein neues Album und der bisher mit Abstand größte Coup war ihr Auftritt im berühmten Opernhaus von Sydney, bei dem sie einige ihrer besten Songs gemeinsam mit dem Sydney Symphony Orchestra vor ausverkauftem Saal zum Besten geben durfte. Dass der Song Contest Conchita geschadet hätte, ist somit eindeutig widerlegt. Seit Jahren hat es kein/e SiegerIn international so weit gebracht wie sie — und das, obwohl sie so sehr polarisiert. Vielleicht aber auch gerade deswegen.


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Aber alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Und so war jene auch im Jahr darauf fleißig mit dem Song Contest beschäftigt. Diesmal in Wien, wo die Makemakes unseren höhenflugartigen Sieg verteidigen wollten. Was daraus geworden ist, wissen wir alle. Die Jungs nahmen die null Punkte aber durchaus gelassen hin und sahen sich in ihrem Image als Rockband, die eigentlich nicht in so eine Veranstaltung passt, nur bestätigt. Reich geworden sind sie durch die Teilnahme beim Song Contest nicht und so erzählen sie kurz danach in einem Interview, dass sie sich ihren Lebensunterhalt nun primär mit Musikunterricht finanzieren. Bringt ja auch viel mehr als eine Freundschaft mit Gaultier.

Letztes Jahr hat man dann auf das genaue Gegenteil gesetzt und versucht, sich mit Feenstaub und Schwammerlbühne in die Herzen der EurovisionszuschauerInnen zu singen. So hat Zoë sogar den 13. Platz belegt und erzielte damit ein besseres Ergebnis als gedacht. Seitdem steht die 20-Jährige eher wieder sprechend als singend vor der Kamera. Sie verkörperte im letzten Jahr die Dorf-Revoluzzerin Rosa Rieder in der heimischen Miniserie Pregau. Der große internationale Gesangsdurchbruch blieb allerdings aus.

Was unseren diesjährigen Kandidaten Nathan Trent angeht, hat der einstige Kiddy Contest- und X-Factor-Teilnehmer zumindest schon mal Erfahrung mit dem schnellen Ruhm, der noch schneller wieder vorbeigeht. Und auch an Energie und positivem Denken scheint es ihm nicht zu mangeln, wie er in unzähligen Interviews immer wieder zum Besten gibt. Sein Song “Running On Air” ist im Vergleich mit den anderen Liedern der TeilnehmerInnen zwar keine musikalische Meisterleistung, hat aber dennoch Ohrwurm-Potential und dadurch sehr wohl gute Chancen auf eine respektable Platzierung. Anfang dieser Woche lag Nathan Trent in den Wettquoten allerdings auf Platz 30. Ob der 25-Jährige es noch schafft, den sogenannten ExpertInnen den Kampf anzusagen und sich morgen im Finale einen Namen macht, steht in den Sternen.

Unterstützend wie wir sind, drücken wir dem Tiroler auf jeden Fall mal die Daumen und sind schon jetzt auf seine “After-ESC-Karriere” gespannt.

Yvonne auf Twitter: @YviCathe

[Foto: christophhenrichs/Flickr/CC BY 2.0]

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