ÖH-Wahl 2017 Österreich Politik

Wie die Wahlplakate die Inkompetenz der ÖH-Fraktionen untermauern

Wer einem permanent so viel Blödsinn unter die Nase hält, darf sich nicht wundern, wie Parmesan über die Käsereibe gerieben zu werden

Wie die Wahlplakate die Inkompetenz der ÖH-Fraktionen untermauern 15. Mai 20171 Comment

stv. Ressortleiter Popkultur

Man möchte meinen, in den letzten Tagen schon genug über die ÖH-Wahlen gelesen zu haben. Zugegeben, auch wir von Kultort haben bereits so einiges darüber berichtet. Dennoch muss man sagen: Wer einem permanent so viel Blödsinn unter die Nase hält, darf sich nicht wundern, wie Parmesan über die Käsereibe gerieben zu werden. Die Leaks der AG Jus waren der Höhepunkt eines ohnehin lächerlich oberflächlich geführten Wahlkampfes.


MEHR: Danke AG Jus, ihr habt uns gestern gezeigt, wie es nicht geht


Aber abseits all dieser Skandale hat dieser Wahlkampf bereits in seiner kommerziellen Verschriftlichung versagt. Ja, wir reden von den diesjährigen Wahlplakaten. Wir haben sie für euch analysiert und dabei köstlich gelacht. 

Beginnen wir doch mit unserem schönen Beitragsbild und dem allseits bekannten Newsletter der ÖH selbst, der so wunderschön titelt: “Es keat oanfach viel mehr gwÖHlt”. Ja, genau. Sollte man meinen. Dieser Satz ist eine Neuformulierung des legendären “Es keat oanfach viel mehr gschmust” und impliziert damit gleichzeitig den Stellenwert dieser Wahl.

Das Originalzitat bedient sich dem Klischee von Studierenden, die gedanklich noch auf Maturareise sind und in irgendeiner türkischen Stadt ihre Zungenpiercings umeinander wickeln wollen. Auf dasselbe Niveau stellt die ÖH mit ihrem neuen Wahlaufruf jetzt ihr eigenes Publikum. Quasi nach dem Grundgedanken: “Ja gemma halt hin, ist eh scheißegal.”

Aber nein, die Wahlen sind uns nicht scheißegal. Meint zumindest der VSStÖ, Verband sozialistischer StudentInnen. In seinem Wahlprogramm ist oftmals von einem Kampf und einem Einstehen für die Studierendenschaft die Rede. Dass die Forderungen des Verbands dabei nahezu utopisch sind, scheint denen komplett Banane zu sein. Entweder verstehen sie es selber nicht, oder sie wollen uns einfache StudentInnen mit simpler Phrasendrescherei zur Wahlurne locken.

Wahlplakat der VSStÖ
Wahlplakat der VSStÖ

Den Wahlspruch “Freie Bildung” hat übrigens mein Kollege Leonard Laurig derartig auseinandergenommen, dass es die SpitzenkandidatInnen der VSStÖ wahrscheinlich selbst aus den Latschen geschmissen hat. Und “Leistbare Öffis” — ernsthaft? Das ist doch schon etwas wenig, wenn man bedenkt, wie unterschiedlich doch die Konditionen des öffentlichen Transportes für Studierende sind. Das ist ungefähr so, als würde ich werben: “Billige Ganzkörperenthaarung” und mir erwarten, dass sich nicht nur RFS-Anhänger angesprochen fühlen.


MEHR: Die ÖH ist tot. Lang lebe die ÖH


Kommen wir zu jener Partei, die sich selbst derartig ins Out geschossen hat, wie es normalerweise nur Michael Häupl beim Gratis-Spritzerfest in der Lugner-City schafft. Die Rede ist natürlich von der AktionsGemeinschaft (AG), die es lustig findet, wenn Nazis die Hände in die Luft strecken und deren Opfer als Aschehaufen skizziert werden.

Wahlplakat der AG
Wahlplakat der AG

Diese Leaks werden sich derartig auf euren Ruf auswirken, dass ihr vermutlich noch in 20 Jahren in einem Würstelstand oder als Taxler hackeln müsst. Aber kommen wir doch zu eurer aufwendig inszenierten Werbekampagne. Im Grunde unterscheidet ihr euch ja gar nicht großartig von eurem großen Bruder, der ÖVP. Eure Wahlplakate sind ja auch nur eines: Leere Worte. Weil “Für dein Studententicket” der letzte Schrei ist. Das wäre vielleicht für StudentInnen wie Konrad Lorenz, Erwin Schrödinger oder Elfriede Jelinek relevant gewesen. Sprich: Im vergangenen Jahrtausend wäre diese Idee ganz süß gewesen. Und “Faire Zugangsregelungen”? Ja, bitte. Die Umsetzung dessen wird aber schwerer als Moby Dick mit bloßen Händen wieder ins Meer zu rollen. Aber hey, Thema ansprechen und dann wieder ruhen lassen, kann auch was. Machen die Großen ja eben so.

Wahlplakat der GRAS
Wahlplakat der GRAS

Hallo, GRAS. Danke für das Ausplaudern der AG-Beteiligten, die sich in den WhatsApp-Chats und Facebook-Gruppen aktiv an antisemitischen und rassistischen Inhalten gelüstet haben. Damit stellt ihr aber nur noch mehr unter Beweis, wie nötig ihr um jeden einzelnen Grashalm kämpfen müsst. (Wortspiel-Skills-Level: 1000) Weil ihr euch logischerweise mit euren Klischee-Themen selbst einen Jutestrick um den AktivistInnenbaum gewickelt habt. Nein, das geht vielleicht etwas zu weit. Aber wer sich mit dem Motto “Für Alle” einen Grundpfeiler in einer eh schon so hin- und hergerissenen Politgesellschaft als Zielpunkt setzt, und dann auch noch die Themen Feminismus und Stipendium damit verbindet, kann nur scheitern. Ihr nehmt euch Themen vor, die eure Großpartei selbst nicht im Griff hat. Frei nach dem Gedanken: Wenn mein großer Bruder an einer Überdosis Heroin stirbt, muss ich mir das Zeug aber auch pumpen.

Nummer vier macht Yannick Shetty, die JUNOS und deren kompetentes Werbeteam. “Gönn dir Zukunft”! Oida, fix. Und dann gehen wir alle auf Facebook und drücken bei eigenartigen Veranstaltungstiteln auf “Teilnehmen”.

Wahlplakat der JUNOS
Wahlplakat der JUNOS

“Gruppensex mit Ryan Gosling”? Nein, wenn dann lieber mit dir Yannick. Ihr seid besser als die anderen. Ihr versucht es wirklich mit etwas (medialer, nicht inhaltlicher) Abwechslung. Ihr seid die einzige Partie, die verstanden hat, dass für eine Wahl auf derartigem Niveau auch mal ein Wahlplakat verwendet werden darf, auf dem tatsächlich einer scheißt. “Gönn dir Zukunft!” Mal schauen, ob ihr mit solchen Aussagen politisch zukunftstauglich seid.

RFS. FSR. SFR. Ich weiß die Reihenfolge nicht mehr. Auf Wiedersehen! Außerdem haben wir eure Plakate fast nirgends gefunden. Da steckt doch nicht die Antifa dahinter, oder?

Abschließend sei gesagt: Ihr habt alle ziemlichen Mist fabriziert und damit untermauert, warum diese Wahl so wenig Achtung in diesem Land erhält. Es ist schade, dass sich das alles anfühlt wie ein großer Kindergarten. Aber wir können und wollen euch nicht ernst nehmen. Und welchen Ratschlag gibt man einem Vogel, der mit gebrochenen Flügel am Boden liegt? “Versuch es erst einmal am Boden, kleines Vöglein. Fliegen sollten nur die, die es auch wirklich können.”

Johannes auf Twitter: @joschi_mayer

[Foto: Illustration von kultort.at]

stv. Ressortleiter Popkultur

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