Der nächste Zidane? — 4 Geschichten gescheiterter Fußballtalente

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Fußballakademien auf der ganzen Welt versuchen zukünftige Topstars auszubilden. Dabei gibt es einige Zentren, deren Talente immer wieder herausstechen. Neben der Akademie von Ajax Amsterdam und der legendären “La Masia” des FC Barcelona spielen hier vor allem die Ausbildungsstätten weniger erfolgreicher Klubs eine größere Rolle. So kommen zum Beispiel nicht weniger als 78 Profis, die ihre Brötchen derzeit in Europas Topligen verdienen, aus den Reihen der Akademie von Partizan Belgrad. Mit Zagreb, Split oder Kiew kann man vor allem im südosteuropäischen Raum einen Hotspot für die Jugendausbildung erkennen.

Talente, denen eine glorreiche Zukunft vorausgesagt wird, gibt es wie Sand am Meer. Einige von ihnen schaffen den Sprung zu einem Profiverein und werden schnell zu Führungsspielern herangezogen. Es kommt nicht selten vor, dass sie schon nach ein bis zwei guten Saisonen von den Topvereinen Europas gejagt werden und für millionenschwere Beträge verkauft werden. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass dieser Schritt keine Garantie für eine steile Karriere ist. Viele können ihren Erwartungen nach einem Wechsel nicht gerecht werden, und schließen nie wieder an vorangegangene Leistungen an. Hier sind vier Geschichten gescheiterter Toptalente.

1. Marko Marin

Bereits mit 18 Jahren gab Marko Marin sein Debüt in der deutschen Bundesliga für Borussia Mönchengladbach und bekam gleich darauf seinen ersten Profivertrag. Damals galt der in Bosnien geborene Marin als einer der talentiertesten deutschen Nachwuchsspieler und konnte seinem Ruf auch auf dem Platz gerecht werden.

2009 wechselte er für etwa 8 Millionen Euro an die Weser zu Werder Bremen und konnte zu Beginn ein gefährliches Mittelfeldduo mit Mesut Özil bilden. Nachdem er allerdings durch seine häufigen Versuche, die gegnerische Defensive im Alleingang zu bezwingen, bei den eigenen Fans und seinem Trainer nicht mehr punkten konnte, kam das Angebot des FC Chelsea doch eher überraschend.

Marin wechselte 2012 für 11 Millionen Euro in die Premiere League — zu einem der besten Vereine der Welt. Das Schicksal nahm aber seinen Lauf, er konnte sich auf der Insel gar nicht durchsetzen und kam auf nur 16 Einsätze. Leihstationen beim FC Sevilla (2014) und dem AC Florenz (2015) folgten — der Durchbruch gelang Marin aber nicht. Zurzeit spielt der 28-Jährige für Olympiakos Piräus in der griechischen Liga. Vom damaligen “German Messi” ist allerdings nicht mehr allzu viel zu sehen oder zu hören.

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2. Fredua Koranteng “Freddy” Adu

Mit 15 Jahren war Adu 2004 der jüngste Spieler, der jemals in der Major League Soccer zum Einsatz gekommen ist. Seine Leistungen in den USA blieben nicht unbemerkt, die europäischen Topvereine ließen sich allerdings Zeit. Der als “The Next Pele” Bezeichnete wurde erst drei Jahre später — im Alter von 18 Jahren — genauer unter die Lupe genommen.

Im Sommer 2007 überquerte “The Wonderkid” dann den Atlantik und wechselte für 2 Millionen Euro zu Benfica Lissabon. Man erwartete sich viel vom Suptertalent, er wiederum erhoffte sich durch den Wechsel heranzureifen. Der enorme Druck, der auf ihm lastete, war allerdings zu hoch und Benfica schaffte es nicht, Adu zu einem tauglichen Spieler zu formen.

Der noch ungeschliffene Rohdiamant verlor seinen Glanz, konnte nicht überzeugen und verschwand im Nebel des grausamen Fußballalltags. Nach einer kurzen Rückkehr in die USA und einem Engagement in der finnischen Liga ist der heute 27-jährige nun vereinslos.

3. Bojan Krkic

Vor etwa einem Jahrzehnt ging ein Spanier mit serbischen Wurzeln für Barca auf Torjagd, der als das Toptalent des europäischen Fußballs gehandelt wurde. Die Rede ist von Bojan Krkic, der bereits mit 16 Jahren seinen ersten Profivertrag erhielt und schon in seiner ersten Saison auf sich aufmerksam machen konnte.

Krkic brach einige vereinsinterne Rekorde, die vor ihm ein gewisser Lionel Messi aufgestellt hatte. Dadurch, dass er damals der jüngste Spieler wurde, der jemals im Dress des FC Barcelona spielte und ein Tor erzielen konnte, war man sich in Barcelona sicher, einen zweiten Jahrhundertspieler in den eigenen Reihen zu haben.

Durch die Transferpolitik in Barcelona geriet Krkic in der Rangfolge allerdings auf das Abstellgleis und kam nur zu wenigen Einsätzen. Auch ein Wechsel zur AS Roma und weitere kurze Stationen bei AC Mailand, Ajax Amsterdam und Stoke City haben die Karriere von Krkic nicht in die gewünschte Richtung gelenkt. Zurzeit kickt Krkic beim 1. FSV Mainz 05 in der deutschen Bundesliga — vom einstigen Toptalent á la Messi ist aber wenig übrig geblieben.

4. Martin Ødegaard

Noch kann man Martin Ødegaard nicht als gescheitertes Talent bezeichnen. Der bisherige Verlauf seiner Karriere zeigt aber in gewisser Weise doch ein Muster, dass sein Höhenflug bereits vorbei sein könnte, bevor er richtig angefangen hat. Der Norweger war als 16-jähriger 2014 das umworbenste Talent in ganz Europa.

Jeder Topklub machte es sich zur Aufgabe, seine Dienste zu sichern. Der medienscheue Ødegaard entschied sich schließlich für ein Engagement bei Real Madrid. Weniger medienscheu zeigte sich sein Vater und gleichzeitig Manager, der eine tragende Rolle in den Transfergesprächen hatte. Nicht nur die 3 Millionen Euro Ablöse und ein Jahresgehalt von 2 Millionen sprachen für die Königlichen, sondern auch die Möglichkeit, in der zweiten Mannschaft unter dem damaligen Trainer Zinédine Zidane weitere Ausbildungsschritte genießen zu können.

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Die Gazetten versprachen sich viel vom Talent, schnell verflog allerdings der Hype um den Youngster auch wieder. Für die Kampfmannschaft von Real Madrid kam er lediglich auf zwei Einsätze und mit gerade einmal fünf Toren und acht Vorlagen in 62 Spielen konnte er auch für die zweite Mannschaft nicht glänzen. Zurzeit spielt Ødegaard in der holländischen Liga beim SC Heerenveen. Es zeichnet sich ein ähnlicher Verlauf eines vergeudeten Talents ab, wie bei Marin oder Adu.

Der erst 18-jährige Norweger hat aber noch einige Jahre Zeit, um sich zu beweisen. Gelingt es ihm demnächst den Durchbruch zu schaffen, steht einer famosen Karriere nichts im Weg. Wie die Vergangenheit aber gezeigt hat, ist es eine schwere Last, dem hohen Druck standzuhalten.

[Foto: Tsutomu Takasu/Flickr/CC BY 2.0/Illustration von James P. Platzer]

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