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Nachruf: Chris Cornell war einer der Größten

Ein emotionaler Nachruf auf den unerwartet verstorbenen Frontman der Bands Audioslave und Soundgarden

Nachruf: Chris Cornell war einer der Größten 19. Mai 20171 Comment

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Gestern ist Chris Cornell, einer der größten Grunge-Musiker und Rocklegenden, unerwartet in den Olymp der Götter aufgefahren. Als hätte das letzte Jahr nicht schon genug Gutes aus dieser Welt gerissen. Wo ist dieser gütige Gott, von dem immer alle reden, wenn er dann so viele wunderbare Menschen viel zu früh zu sich nach Hause holt? Vielleicht möchte er aber auch nur ganz privat eine der besten Rock-Partys ever feiern. “Tears in Heaven” sozusagen.

Chris Cornell war Frontmann der Bands Soundgarden und Audioslave. Durch seine Präsenz und seine unverwechselbare Stimme wurde er einer der wichtigsten Vertreter der damaligen Grunge-Bewegung. Außerdem war er Mitbegründer der Combo Temple of the Dog. Mit Soundgarden gelang ihm auch der Durchbruch auf der Weltbühne. Insgesamt sechs Studioalben durfte man von Soundgarden hören. Nach ihrer Gründung 1984 löste sich die Band 1997 auf, um an individuellen Themenschwerpunkten zu arbeiten.

2010 gab es aber eine Reunion und Gerüchte um ein neues Album wurden lauter. 2012 erschien das Album King Animal mit dem überaus schlagkräftigen Opener “Been Away Too Long”. Und das glaubte man ihnen auch, denn vor allem Chris Cornell schien in neuer Höchstform aufzulaufen. Cornell veröffentlichte auch etliche Soloalben, jedoch mit eher mäßigem Erfolg — das war bei seinen Soloalben aber auch nie wirklich das Ziel.

Cornell war kein Mensch, der des Geldes wegen Musik machte — nein, er war einer der wenigen richtigen Musiker. Ich erinnere mich noch gut, als ich zum ersten Mal die Freude hatte, Cornells Stimme zu hören. Umso schockierender die plötzliche Nachricht seines Todes.

Man kann wirklich nicht bestreiten, dass auch er den Rock’n’Roll in seinen frühen Jahren ausgekostet hat. Der dreifache Vater hatte immer wieder mit seiner Drogensucht und Alkoholproblemen zu kämpfen, jedoch galt er nach seiner Rehabilitation als geheilt. In einem Interview über die reformierten Soundgarden sagte er: “The biggest difference I noticed … and we haven’t even really talked about it: There are no bottles of Jack Daniels around or beers. And we never talked about it … it’s just not there.”

Nach letzten Berichten dürfte es sich um einen Selbstmord gehandelt haben. Das macht das ganze nur noch viel tragischer. Als letzten Ausweg zu sehen, sich aus seinem eigenen Leben zu nehmen, ist wirklich unfassbar traurig. Die gesamte Musikergemeinde hat eine Korifee verloren. Chris führte Soundgarden in seiner letzten Live-Performance am Vorabend seines Todes noch zu einer unglaublichen Interpretation ihres Songes „“Slaves & Bulldozers” mit den Led-Zeppelin-Lyrics zu “In My Time of Dying”.

Für viele Menschen war Soundgarden und Audioslave die erste musikalische Frühbildung. Auch ich durfte durch Chris Cornell einiges an Musikalität lernen. Der Mann konnte vier Oktaven perfekt singen — das schaffen die wenigsten. Außerdem prägte Soundgarden den modernen Rock. Mit vielen verschiedenen Taktwechseln, wie es sonst nur Tool schaffte, spielten sie sich zunächst als kleiner Underground-Tipp in die Herzen der Grunge-Rock-Fans, aber auch in weite Teile des Mainstreams. “Black Hole Sun” war einer ihrer Hits. Für Viele die Stimme einer Generation, die nach diesem dreckigen Sound strebte. In einer Zeit, in der Hardrock noch wirklich zu einer Randgruppe gehörte. Für Rebellen, die zwar nicht genau wussten, was ihr Leben bringen wird, die sich aber sicher waren, wie es nicht werden soll. Chris Cornell ermöglichte durch seine Lyrik Perspektive und Ausweg zugleich.

Nun reiht er sich in diese ewige Schlange an tragischen Todesfällen ein, die einfach nicht abreißen will. Für mich war Audioslave eine Offenbarung. Gut kann ich mich noch daran erinnern, als ich das erste Mal das Solo zu “Be Yourself” hörte. “Weißt du, was ich meine? So müssen Soli klingen. Das ist Musik”, sagte mein bester Freund damals zu mir.

Letztes Jahr war Chris Cornell zu Gast in Wien. Ich konnte es mir nicht leisten, 80 € für sein Konzert zu bezahlen. Das bereue ich heute. “Der kommt doch eh fix nächstes Jahr. Außerdem hat’s doch geheißen, dass Soundgarden auch wieder tourt!” Wie oft man falsch liegen kann, hat mir das Leben wieder erfolgreich bewiesen.

Rock in Peace, Chris Cornell. Du warst einer der Größten!

Dominik auf Twitter: @dominikwendl

[Foto: elnif/Flickr/CC BY-NC 2.0]

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