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Von der Spaßidee zur Firma: ‘1000 things’-Gründer Jan Pöltner im Interview

“Ich geh keinen einzigen Tag hier rein und denke mir: ‘Heute freut es mich überhaupt nicht’”

Von der Spaßidee zur Firma: ‘1000 things’-Gründer Jan Pöltner im Interview 26. Mai 20172 Comments

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

Vor über drei Jahren gründete Jan Pöltner 1000 things to do in Vienna. Es handelt sich dabei um einen Guide für Wien mit Tipps zu Unternehmungen und Events bis hin zu Restaurants, Cafés, Gutscheinen und Gewinnspielen. Mit 1000 things to do in Austria wurde das Konzept auf Österreich ausgeweitet, Weiteres steckt in Planung.

Die Idee des damals noch Studierenden ging — unerwarteter Weise — über Nacht viral. Bis heute hat ihre Facebook-Seite bereits über 156.000 Likes gesammelt. Der nächste große Schritt war im Jänner 2017 die Gründung der 1000 things GmbH. Heute sitzt das zehnköpfige Team in einem Büro in der Burggasse und veröffentlicht drei Artikel täglich. Ein Start-up, das man definitiv kennen sollte.

Wir haben uns mit Gründer und Geschäftsführer Jan Pöltner getroffen und auf der Innenhof-Terrasse über Arbeitseinstellung, Privatleben, Ziele und Träume sowie das perfekte Team gesprochen.

kultort.at: Was hat sich für dich seit der Gründung der GmbH verändert? Bist du sehr stolz darauf?

Jan Pöltner: Es ist von einer Spaßidee — ohne kommerziellen Hintergedanken — zu einem ernsthaften Projekt geworden. In meiner Klasse waren andere Leute sofort überzeugt von der Idee und es ist einfach super, wenn du gleich alle begeistern kannst. Wir haben dann einen Investor gefunden, der das Projekt gerne in jeder Stadt weltweit hätte. Utopisch, aber sag’ niemals nie! So hat es sich dazu entwickelt, dass Budget zur Verfügung stand, um das Team auszubauen.

Beim JOUR-Frühstück der WKW hast du gesagt, dass 1000 things heuer mit Umsätzen im 6-stelligen Bereich rechnet? Studierst du noch an der WKW?

Ja genau und nein, ich bin seit drei Jahren mit dem Bachelor fertig. Ich habe den Master in Kommunikationsmanagement angefangen und dann abgebrochen, es ist sich aus Zeitgründen einfach nicht ausgegangen. Ich will definitiv noch einen Master machen, vielleicht auch im Ausland. Aber momentan hänge ich einfach zu 100 Prozent an 1000 things. Und wer hätte sich vor einem Jahr gedacht, dass wir heute hier sitzen? Ich sicher nicht.

Wie viel Zeit pro Woche investierst du in diese Arbeit?

Ist schwierig zum Bemessen. Da wir ein Onlinemedium sind und sehr viel Social Media machen, die Maschine immer gefüttert werden will und niemals schläft, ist es wirklich schwer zu sagen, wie viel Zeit wir tatsächlich investieren. Ich denke, es werden schon so 60 Stunden sein. Ich geh auch keinen einzigen Tag hier rein und denke mir: “Heute freut es mich überhaupt nicht.”

Wie lässt sich das mit deinen Reisen vereinbaren? Oder sind die nicht nur privat sondern auch geschäftlich?

Ich reise privat sehr viel und bei uns im Start-up gibt es die Regelung, sich immer Urlaub nehmen zu können, wann man will. Wenn trotzdem alle Projekte erledigt werden, spricht nichts dagegen. Wir haben einen fixen Termin pro Woche und alles andere ist freie Zeiteinteilung. Wir bekommen München als neuen Standort hinzu und sind mit 1000 things to do in Austria auch viel in Österreich unterwegs. Das Reisen ist definitiv ein netter Nebeneffekt.

Dann wird das Arbeitsklima dementsprechend auch sehr angenehm sein?

Ja. Wir sind ein Team, wo jeder auf derselben hierarchischen Ebene steht und nebenbei alle miteinander befreundet sind. Wenn wir jemand Neuen im Team aufnehmen, ist es mir auch sehr, sehr wichtig, dass das menschlich zu 100 Prozent passt. Wenn das Team nicht funktioniert, kann man ein Start-up vergessen. Wir machen auch zweimal im Jahr einen “1000-things-Team-Trip”, wo wir uns feiern. Wir feiern das, was wir haben und was wir jeden Tag wieder aufbauen.

© Julia Deutsch
© Julia Deutsch

Ihr plant auch eine Vielzahl an Events. Wie viel seid ihr dabei selbst beteiligt?

Bei Events sind wir nie die ausführende Partei. Wir bringen die Leute hin, das ist der Deal — und alles Weitere organisiert der Partner.

Auch bei der Jahresfeier?

Auch bei der Jahresfeier. Aber es ist schon etwas anderes als bei der Silent Disco beispielsweise. Bei der Jahresfeier haben wir jemanden, der sich um den gesamten Ablauf kümmert, damit wir ordentlich feiern können. Sonst wäre ein Mitglied vom Team beleidigt, wenn er oder sie an der Kassa sitzen und nüchtern bleiben müsste, während wir feiern.

Wie kommt ihr eigentlich zum Beispiel zu neuen Restaurants? Durch Eigeninitiative oder werden euch Anfragen geschickt?

Teils, teils. Es kommen sehr viele Anfragen herein, aber uns ist es wichtig authentisch zu bleiben. Wenn wir jetzt schreiben würden: “Starbucks ist das Geilste!” — und das in der Kaffee-Hauptstadt Wien, würde das vermutlich nicht funktionieren. Wir selektieren genau, wer es wirklich wert ist erwähnt zu werden und sind auch ehrlich in der Berichterstattung. Wenn wir die Erfahrung gemacht haben, dass ein Gericht nicht so gut schmeckt, dann schreiben wir das auch. Und wenn das Ambiente dafür megageil ist, erwähnen wir das auch.

Habt ihr manchmal Streit oder Konkurrenz-Kampf mit anderen Guides, wie Goodnight.at und Co?

Nein.

Aber man schaut schon, was die so machen?

Es ist ja so: Wien ist zwar die Hauptstadt, aber global gesehen eher ein Dorf. Natürlich kommen dann auch ähnliche Sachen, logo. Früher hatte man eine Zeitung, der man treu geblieben ist. Heute sucht sich jeder die Inhalte so zusammen, wie es für denjenigen passt.  Wir arbeiten auch gerade an einem Projekt mit Stadtbekannt zusammen, bin schon sehr gespannt wie das ankommen wird. Ich habe mich eben mit Stadtbekannt zusammengesprochen, weil wir beide die Stadt gut kennen und unser gemeinsames Know-How nutzen sollten. Wir brauchen nicht nebeneinander und schon gar nicht gegeneinander arbeiten — das sowieso nicht — sondern machen etwas miteinander. Das Miteinander ist uns auch sehr, sehr wichtig.

Hast du bestimmte Träume und Ziele für 2018?

Es ist wirklich schwierig zu sagen, was noch passieren wird. Vor einem Jahr erst haben wir auch die erste Person bei uns eingestellt. Vor ein paar Monaten haben wir dann angefangen Social-Media-Betreuung anzubieten und haben jetzt einige Partner, wie etwa die Strandbar Herrmann, die Juice Factory oder das Blue Mustard. Hätte mir vor einem halben Jahr nicht gedacht, dass wir sowas einmal machen. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass der Laden weiterhin funktioniert, dass das Team noch so gut harmoniert und, dass wir am deutschen Markt gut durchgestartet sind.

Du hast eben erwähnt, dass vor einem Jahr die erste Person angestellt wurde. Hast du dann bis vor einem Jahr nichts an 1000 things verdient?

Ich habe bis Jänner keinen Cent daran verdient. Erst im Jänner, mit dem Investment, habe ich mir mein erstes eigenes Gehalt — Praktikantengehälter ausgenommen — ausbezahlt. Ich hatte das Glück, von meinem Papa finanziell unterstützt worden zu sein. Ich wohne auch nach wie vor in meiner WG. Man muss dazusagen, die große Cash-Maschine ist das alles nicht. Bevor ich mich selbst daran bereichere, gebe ich jeden Cent von 1000 things wieder aus und hole mir beispielsweise neues Personal.

Hattest du die Idee zu den lifethings-Produkten?

Das Ganze war auch eine Spaßidee. Wir haben damals 100 Stück “Man bringe den Spritzwein”-Taschen produzieren lassen und wollten die verschenken. Innerhalb von einem Tag haben wir dann tausende von Nachrichten bekommen mit: “Ich will diese Tasche haben!” Dann haben wir sie nachdrucken lassen und alle Mitarbeiter in dem alten Büro, das war so eine Art Co-Working-Space, haben sich gefragt, was denn los ist. Schließlich kamen permanent Leute, um sich eine dieser Taschen abzuholen. Das war verrückt! Wir haben dann einen Online-Shop daraus gemacht und das extern ein wenig auf die Seite geschoben. Ein lukratives Business ist das mit den Taschen nicht. Es geht mehr darum, dass die Leute sie mit uns in Verbindung bringen und sie gerne tragen.

Ja das ist auch eine gute Werbung. Kannst du bei so viel Arbeit eigentlich abschalten?

Ich bemüh mich, früher war es definitiv schlimmer. Ich muss jetzt nicht mehr immer reinschauen, aber es ist auch ständig bei dir, und nur einen Klick weg. Ich habe den Seitenmanager am Handy und kann immer checken, wie etwas funktioniert hat. Man muss sich schon manchmal zwingen und “Jetzt nicht!” sagen, um ein Buch zu lesen, eine Serie zu schauen, an die frische Luft zu gehen oder Sport zu machen. Es ist extrem wichtig einen Ausgleich zu finden, aber ich glaube mittlerweile einen guten Zugang gefunden zu haben. Sonst macht dich das kaputt.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Jan Pöltner für dieses interessante, sympathische und auch lustige Interview und wünschen dem Team einen erfolgreichen Start am deutschen Markt. 

Lisa auf Twitter: @lugerblis

[Foto: © Julia Deutsch/Illustration von kultort.at]

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

2 comments

  1. Netter Artikel, sympathischer Typ! Auch immer wieder spannend zu sehen wie aus einem mehr oder weniger ernsthaftem Projekt eine vielversprechende Firma wird! Auch wir verfolgen die Seite 1000 things to do in Vienna auf Facebook und finden Ihr macht das richtig richtig gut! Viel Erfolg wünscht euch das Team von Liegestühle Österreich

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