“Auf a Tschick” am Weltnichtrauchertag

Weltnichtrauchertag_Kultort

Am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag. Das heißt, diverse Zeitungen werden uns erklären, wie schädlich Rauchen ist. Vielleicht strahlt sogar die Zeit im Bild einen Beitrag zum aktuellen Raucherstatus Österreichs aus, schließlich sind, wie Die Presse berichtete, unsere Jugendlichen europäische Spitzenreiter — worauf wir natürlich nicht stolz sind.

Wir alle, ob Raucher oder Nichtraucher, wissen, dass Rauchen ungesund ist. Die Warnaufschriften auf Zigarettenpackungen haben uns über möglichen Lungenkrebs, schlechtere Haut, Raucherbeine und was es alles sonst noch gibt, aufgeklärt. Ja, wir lesen die Texte auf Zigarettenverpackungen. Einige von uns wissen, wie schmerzhaft sich der Hals nach zu vielen Zigaretten anfühlt und was besorgte Eltern, pflichtbewusste Ärzte und vom Passivrauch genervte Freunde über das Rauchen zu sagen haben. Und recht haben sie! Aber dann müsste Österreich auch sein Trinkverhalten überdenken und die Liebe zu fettigen Schnitzeln.

Auch der Umwelt tun wir mit den Überbleibseln von Zigaretten nichts Gutes. Kaum jemand weiß, was die Tabakindustrie der Natur antut. Laut Greenpeace sind Zigarettenstummel das größte Müllproblem an den Meeresküsten. Außerdem mussten riesige Wälder der Anbaufläche von Tabak weichen, heute gleichen die ehemaligen Anbauflächen einer Wüste und sind unbenutzbar. Zudem ist Kinderarbeit auf den Plantagen der Tabakkonzerne kein Fremdwort, sondern allgegenwärtig. Und auch unser Grundwasser ist durch Zigaretten bedroht. Ein Zigarettenstummel soll ausreichen, um 40 Liter Wasser zu verseuchen.

Es gibt ungelogen tausend Gründe, um mit dem Rauchen aufzuhören. Sich selbst oder der Umwelt zuliebe. Trotzdem raucht der Statistik Austria zufolge noch gut ein Viertel der Österreicher. Vielleicht wird diese Zahl Mitte 2018 zurückgehen, wenn kein Tabak mehr an unter 18-Jährige verkauft werden darf, wie Der Standard berichtete.

Um herauszufinden, warum junge Menschen trotzdem noch rauchen, habe wir uns mit drei von ihnen “auf a Tschick” (oder auch auf keine) getroffen und sie gefragt, warum sie den Zigaretten nicht entsagen können, wo sie ihre Tschickstummel entsorgen und wann sie angefangen haben.

Jill, 21

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Angefangen zu rauchen habe ich mit 12 Jahren, also viel zu früh. Ich wollte cool und erwachsen rüberkommen und das machen, was alle meine Freunde machten. “Und auf drei machen wir alle einen Lungenzug!” Am Anfang war es aber keine Sucht, da war es nur diese Frage nach ein, zwei Tschick.

Schleichend ist es dann dazu gekommen, dass ich mir meine eigenen Packerl gekauft habe und  — lustigerweise — nach ein paar Monaten wieder aufgehört habe, nur um dann wieder damit anzufangen. Plötzlich waren es sechs Jahre, in denen ich stets geraucht habe. Es war auch nicht wenig, so ein bis eineinhalb Packerl am Tag. Das meiste, was ich je in 24 Stunden geraucht habe, waren fünfeinhalb Packerl Zigaretten — zum 15. Geburtstag eines Freundes. Auf dieser Party habe ich mir meine neue Zigarette, mit einer gerade noch brennenden angezündet. Ekelhaft, wirklich ekelhaft. Ich habe dabei gewusst, pro Lungenzug werden um die 3000 Zellen beschädigt oder sterben sogar ab. Man erzählt sich halt dann selbst so viele Lügen, nach dem Motto “alle werden krank, nur ich nicht”.

Am 16. Juni vor beinahe zwei Jahren hab ich dann gemeinsam mit meinem damaligen Freund aufgehört. Er hatte Probleme mit seinem Hals und machte sich Sorgen, dass es Krebs sein könnte. Wir haben dann gemeinsam aufgehört und er ist zum Arzt gegangen. Bis ich keine einzige mehr geraucht habe, hat es ein wenig gedauert. Vor allem hat man Angst und fragt sich, was man nach dem Essen macht oder beim Kaffee trinken. Aber es ist leicht, man macht einfach nichts. Das wars. Innerhalb einer Woche habe ich dann so fünf, sechs Kilo zugenommen, weil ich so viel gegessen habe. Aber ich habe mich dann nicht fertig gemacht, schließlich war mein Projekt einfach nur mit dem Rauchen aufzuhören. Wenn ich das geschafft hab, ist Abzunehmen eben das nächste Projekt. Ich bin immer glücklicher geworden —  und immer dicker — mein Körper hat sich einfach wohl gefühlt. Ich hatte vorher schon perfekte Momente, um aufzuhören, aber wenn du es nicht selber willst, dann geht das nicht.

Raphael, 24

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Ich rauche eigentlich nur am Wochenende und auch nur als Genuss. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich damit angefangen und bin zum Rauchen in den Park gegangen. Wir hatten nie ein Problem an Zigaretten zu gelangen, da wir uns die Bankomatkarte der Oma eines Freundes “heimlich ausgeborgt” haben. Sie war sowieso den ganzen Tag Zuhause und hat das Fehlen der Karte nie bemerkt.

Wir hatten auch ein Ritual, wo und wie wir uns die Zigaretten holen. Der ausgewählte Zigarettenautomat war in der Nähe der Kirche eines Nachbarorts und dort war eine Stiege, links und rechts eine hohe Mauer. Von der Straße hat dich dort niemand gesehen und die war auch wenig befahren. Wir sind dann in Gruppen zum Automaten, wobei zwei von uns Schmiere gestanden sind und aufgepasst haben, dass niemand kommt. Es sind da schon einmal € 10 im Automaten geblieben, weil eben jemand gekommen ist und wir weggelaufen sind. Wir haben uns echt etwas zu viel angeschissen.

Auch wenn ich nur aus Genuss rauche und die Verpackungen mit den Warnhinweisen ignoriere, das Bild mit dem Mann, der ein Loch im Hals hat, ist echt grausig. Wenn ich meine Zigaretten am Tisch liegen habe, passe ich immer auf, ob sich eh niemand mit den Bildern auf den Verpackungen unwohl fühlt und lege oft mein Handy darüber.

Eva, 20

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Ich habe in der vierten Klasse Gymnasium angefangen zu rauchen. Es war immer sehr lustig, wenn wir eine Station früher aus dem Schulbus ausgestiegen sind. Ich kann mich noch erinnern, dass ich und meine Freunde mit den älteren, coolen Kids unterwegs waren. Unter anderem mit meinem Cousin. Ich weiß gar nicht mehr warum, aber ich habe dann halt angefangen, öfter an einer Zigarette anzuziehen. Mein Cousin hat mir dann bald gezeigt, was ich machen muss, wenn ich anziehe. Er sagte, dass ich nach dem Anziehen “Huach, meine Mama kommt” sagen muss. Und so habe ich dann auch Inhalieren gelernt — in der Tiefgarage beim Billa.

Ich habe zwischendurch immer wieder aufgehört und sehr unregelmäßig geraucht, aber ja, jetzt rauche ich wieder. Aufhören will ich spätestens dann, wenn ich Kinder habe oder nach dem Studium, wenn ich nicht mehr so viel fortgehe und nicht mehr nebenbei als Kellnerin arbeite. Meine Zigarettenstummel entsorge ich immer in Aschenbecher, außer es ist weit und breit keiner in Sichtweite.

Meine Eltern rauchen auch beide, mein Bruder raucht und natürlich haben sie mir schon manchmal gesagt, dass es nicht intelligent und gut ist zu rauchen. Sie sprechen auch aus Erfahrung. Aber nachdem sie eben selbst rauchen, haben sie da auch kein Recht etwas zu sagen. Und so viel rauche ich dann auch nicht.

Grundsätzlich habe ich mir früher geschworen, mit dem Rauchen aufzuhören, sobald die Zigaretten teurer werden als €4,50. Gut, heute kosten sie €4,70 und ich rauche immer noch. Was mich auch manchmal verstört, ist, dass ich relativ oft in der Trafik nach dem Ausweis gefragt werde, was mir beim Kauf einer Flasche Vodka vergleichsweise nicht passiert.

Anmerkung der Autorin: Aus Gründen der angenehmeren Lesbarkeit wurde auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten in diesem Kontext gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

[Foto: © Lisa Lugerbauer/Illustration von kultort.at]

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