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Juventus Turin vs. Real Madrid: Wer gewinnt das Champions-League-Finale?

Am Samstag wird der Sieger der diesjährigen Champions League ermittelt — Phillipp Daross und Philipp Lou diskutieren über den Ausgang des Finales

Juventus Turin vs. Real Madrid: Wer gewinnt das Champions-League-Finale? 2. Juni 20171 Comment

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Langsam erhitzen die Gemüter. Belanglosigkeiten wie Arbeit, Universität, Beziehung oder Familie werden komplett ausgeblendet. Die fußballbegeisterte Bevölkerung spaltet sich in zwei Hälften, denn am Samstag geht es im Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und Juventus Turin wieder um den Pott. Und es wird hitzig diskutiert. Dabei siedelt sich das Gesprächsniveau meist irgendwo zwischen wüsten Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten an. Philipp Lou und Phillipp Daross aus der kultort.at-Sportredaktion beweisen aber, dass nicht alle Fußballfans Tiere sind und eine zivilisierte Debatte auf sachlicher Ebene, selbst bei Meinungsverschiedenheiten, durchaus möglich ist:

Lou: Es wird ein enges, hart umkämpftes Spiel. Ein Spiel, bei dem Kleinigkeiten entscheiden und minimale Fehler eiskalt ausgenützt werden, das gilt auf beiden Seiten. Ob nach 90 Minuten, nach 120, oder erst nach dem Elfmeterschießen — am Ende kann eben doch nur eine der beiden Mannschaften den Titel holen. Im taktischen Bereich bin ich vor allem auf das Auftreten von Real Madrid gespannt. Die Devise von Juventus sollte klar sein: Defensiv kompakt stehen und vorne auf Konter lauern. Real hingegen wird es mit dem gewohnten brachialen Angriffssystem nicht leicht haben, kassiert man doch in beinahe jedem Spiel ein Gegentor. Deshalb ist es gut möglich, dass die Anfangsphase zu einem schüchternen Abtasten des Gegners wird. Mich würde es nicht überraschen, wenn das erste Tor entscheidend ist. Und das wird Real Madrid schießen.

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Daross: Ich schließe ein 0:0 nicht aus, wer dann die bessere Kondition hat, wird sich in der Verlängerung durchsetzen. Dahingehend hat Real Madrid schon des Öfteren bewiesen, dass sie auch über 120 Minuten konzentriert spielen können. Trotzdem sollte sich Real nicht nur auf seine Offensivkünstler verlassen. Juventus hat in dieser Saison gezeigt, warum sie die derzeit beste Defensive stellen, hat man doch gegen Lionel Messi und Co. im Viertelfinale kein einziges Gegentor erhalten. Mit Gonzalo Higuain und Mario Mandzukic hat man zudem in den eigenen Reihen auch eiskalte Vollstrecker, die nicht viele Chancen benötigen, um die Trophäe für die “Alte Dame” zu sichern.


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Lou: Auszuschließen ist ein 0:0 nie, vor allem in einem Finale mit italienischer Beteiligung. Real trifft aber immer. Echt immer. In jedem einzelnen verdammten Spiel seit dem 26. April 2016, also einer Zeitspanne von über einem Jahr. Keine Frage, Juventus wird mehr Widerstand leisten als Osasuna oder Granada, aber über 90 Minuten würde es mich doch sehr wundern, wenn sie dem Druck gewachsen sind. Um gewinnen zu können, wird Juventus daher mindestens zweimal treffen müssen. Dazu muss ein frühes Tor her, was wiederum nur möglich ist, wenn man das eigene Spiel zumindest ein bisschen offener gestaltet. Zidane ist sich dessen bewusst und wird versuchen, Konter zu unterbinden und gegebenenfalls an Risikofreudigkeit zu sparen. Wenn es den Spaniern gelingt, defensiv ein wenig disziplinierter aufzutreten, dann sind sie selbst für Juve eine Nummer zu groß.

Daross: Da muss ich dir in einigen Punkten widersprechen. Auch wenn Reals Statistik der erzielten Tore beeindruckend ist, so hat jede Serie einmal ein Ende. Mit dem Selbstvertrauen von sechs in Folge gewonnenen “Scudetti” und dem Sieg im Pokalfinale gegen Lazio Rom wird Juventus mit breiter Brust in Cardiff auftreten. Für Buffon geht es um den letzten großen Titel seiner Karriere und seine Vorderleute werden alles dafür geben, ihm diesen zu ermöglichen. In den letzten Monaten ist Juventus alles gelungen, national sowie international. Natürlich wird Reals Offensive Giorgio Chiellini und Co. zu Höchstleistungen zwingen, diese haben heuer aber schon mehrmals bewiesen, dass ihnen weltweit keine Verteidigung das Wasser reichen kann. Mit einer ähnlichen Effizienz, wie gegen Barcelona und Monaco traue ich Juventus dieses Jahr den großen Coup eher zu als Real Madrid.

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Lou: National ist Juventus eine Macht, was aber nicht bloß an der Stärke des Meisters, sondern auch an der Mittelmäßigkeit der Konkurrenz liegt. Im Titelrennen steht kein europäischer Top-Verein im Weg, während die Madrilenen neben dem Stadtrivalen und dem FC Barcelona, unter anderem auch noch mit dem Dominator der Europa League der letzten Jahre zu kämpfen hat. International baden die Turiner zuletzt nicht wirklich im Erfolg, bei ihrem letzten Titel  war ich noch zu jung, um ihn aktiv zu erleben. Vergleichbar mit dem Titelverteidiger sind die Italiener in dieser Hinsicht ohnehin nicht. Alleine die Möglichkeit, den begehrtesten Titel im Klubfußball zum dritten Mal in vier Jahren zu gewinnen, spricht Bände. Buffons Triumph wäre natürlich eine tolle Story, Gefallen darf er deshalb aber keine erwarten. Ein kurzer Funfact zum Schluss: Der beste Juve-Stürmer der letzten beiden Saisonen ist heuer bei Real Reservist. Das unterstreicht die Vorteile Reals in der individuellen Klasse und Kaderbreite.


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Daross: Das Niveau der Serie A ist gesunken, da gebe ich dir recht. Der sportliche Abstieg der Mailänder Vereine hat der Liga einen extremen Imageschaden zugefügt. Und obwohl Juve die Liga mit nur vier Punkten Vorsprung auf AS Roma und fünf auf SSC Neapel gewinnen konnte, hatte man nie das Gefühl, dass den Turinern der Meistertitel noch streitig gemacht werden könnte. Die Konstanz auf nationaler Ebene scheint sich jetzt auch auf das internationale Geschäft zu übertragen. Aufgrund ihres relativ hohen Altersdurchschnittes stellt sich nur die Frage, wie lange die Routiniers noch auf diesem Niveau spielen können. Zur Zeit befinden sie sich jedenfalls in Höchstform und wollen dem “weißen Ballett” mehr als ein würdiger Gegner sein. Viel wird von der Tagesform abhängen und welcher Trainer seine Mannen besser auf den Gegner vorbereiten und einstellen kann. Juventus wird, davon bin ich überzeugt, das glücklichere Ende haben und ihren Jahrhundert-Torwart ein letztes Mal hochleben lassen.

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