CL-Finale 2017 Fußball Sport

Europas Könige — Real Madrid schreibt Fußballgeschichte

Ein Rückblick auf eine ganz besondere Fußballnacht und was der Sieg der “Königlichen” für die Fußballwelt bedeutet

Europas Könige — Real Madrid schreibt Fußballgeschichte 4. Juni 2017Leave a comment

Ressortleiter Sport

Oops, they did it again! Der Titelverteidiger setzte sich gestern in einem Finale gegen Juventus Turin durch, das nur zu Beginn wirklich spannend war. Die “Königlichen” bleiben damit auch nächstes Jahr die Mannschaft, die es zu schlagen gilt. Wir blicken zurück auf den glorreichen Schlusspunkt einer unvergesslichen Saison der Madrilenen:

Angriff ist (wirklich) die beste Verteidigung

Die ersten Minuten des Finales gestalteten sich anders als erwartet, Real agierte passiv, Juventus übernahm den Spielaufbau. Die Spanier taten genau das, was sie unter keinen Umständen tun sollten: Sie fürchteten sich vor dem ersten Tor von Juventus. Nicht auf das eigene Spiel bedacht, ließ sich der Titelverteidiger immer weiter zurückdrängen und wäre es nicht gekommen, wie es kam — Juventus hätte die Vorsicht des Gegners früher oder später bestraft.

Doch es kam, wie es kam, Ronaldo schloss den ersten Angriff der Madrilenen erfolgreich ab und selbst der sehenswerte Ausgleich wenig später änderte nichts Wesentliches daran, dass man ins Spiel gefunden hatte. Real attackierte aggressiv, gewann die Zweikämpfe, holte sich den Ballbesitz zurück und Juventus konnte über die gesamte restliche Zeit kaum Gefahr ausstrahlen. Je länger das Spiel dauerte, desto stärker war die Dominanz des frisch gebackenen Champions in allen Belangen. Der Sieg geht — wenn auch nicht in dieser Höhe — vollkommen in Ordnung. Der Spielverlauf hätte nicht viel besser passen können, doch das nötige Glück (wie bei Casemiros abgefälschten Führungstreffer) musste erst erzwungen werden. Doppelt so viele Torschüsse wie der Gegner sprechen am Ende Bände.

Juventus hingegen fand sich nach dem Rückstand in einer völlig neuen Situation wieder. Gegen Barcelona und Monaco ging man früh in Führung, in Porto spielte man einen großen Teil des Spiels in Überzahl. Weder mussten die Italiener in der K.O.-Phase einen Rückstand aufholen, noch mit einem Unentschieden in die Halbzeit des Hinspiels gehen. Beides war gestern der Fall, womit die “Bianconeri” sichtlich nicht fertig wurden, zu stark präsentierte sich der Gegner.

Real Madrid 2013 bis heute — die beste Mannschaft aller Zeiten?

Zugegeben, diese These ist ein bisschen frech, auf der anderen Seite ist dieses Real-Team wirklich verdammt gut. Die Konkurenz war heuer vielleicht stärker denn je: Der FC Barcelona mit ihrer Tormaschinerie, der FC Bayern — in der Bundesliga noch dominanter als in den vergangenen Jahren — und schließlich Juventus Turin, die quasi unbrechbar waren. Bis gestern. In einer halben Stunde bezwang das “Weiße Ballett” den italienischen Abwehrriegel genauso oft, wie Juventus vorherige Gegner in 12 Spielen. Rechnet man Ronaldos Führungstreffer noch dazu, musste Gianluigi Buffon den Ball sogar öfter aus dem Netz fischen, als in der gesamten Champions-League-Saison.

Tore werden allerdings nicht aus dem Nichts erzielt, es bedarf auch guter Vorarbeit, beginnend mit dem Spielaufbau. Von Luka Modrics Passquote können viele Spieler nur träumen. Unter Reals Mittelfeldregisseuren war der kroatische Edeltechniker gestern mit 90% angekommener Pässe aber sogar der Schwächste. (Isco und Casemiro brachten es auf 93%, Kroos auf 94%.)

Durch eine gute Saison wird man aber nicht zur  besten Mannschaft aller Zeiten, geschweige denn durch ein Match. Drei Champions-League-Titel in vier Jahren sprechen hingegen eine deutlichere Sprache. Neben einem nahezu makellosen Kader hat man außerdem endlich einen potentiellen Langzeittrainer, der von Spielern und Fans geschätzt wird, sich mit dem Verein identifizieren kann und die perfekte Mischung zwischen Spielernähe und Disziplin an den Tag legt.

Zinédine Zidane — ein Phänomen auf und neben dem Feld

Diego Maradona, Marco Van Basten, Bobby Charlton, Lothar Matthäus. Diese schillernden Namen haben nicht nur ihre herausragenden Fußballerkarrieren gemeinsam, sondern auch ihre weniger beeindruckenden Laufbahnen als Trainer. Begnadetes Talent am runden Leder setzt also keineswegs Erfolg auf der Trainerbank voraus. Deshalb war die anfängliche Skepsis nicht unverständlich, als der Weltfußballer von 1998, 2000 und 2003 im Jänner vergangenen Jahres das Zepter des großen Real Madrids übernahm. Zidane war, so skurril es auch klingen mag, ein unbeschriebenes Blatt. Erfahrung hatte er lediglich im Jugendbereich und bei der zweiten Mannschaft, sowie als Co-Trainer des spanischen Rekordmeisters gesammelt.

15 Monate später ist der gebürtige Marseillese der erste Trainer, dem die erfolgreiche Verteidigung der Champions League gelingt. Nebenbei konnte er noch den Titel in der heimischen Liga gewinnen und etliche Rekorde brechen: In Spanien legte sein Team die längste ungeschlagene Pflichtspielserie (40), sowie die meisten aneinander folgenden Siege (16) hin, während die europäische Bestmarke für Spiele mit eigenem Torerfolg weiterhin ausbaut wird (derzeit 65). “Zizou” wurde gleich zu Beginn seiner Trainer-Karriere ins kalte Wasser geworfen. Den Druck, an dem viele vor ihm scheiterten, scheint er bisher nicht zu spüren. Nach nicht einmal zwei Jahren als Profitrainer ist Zinédine Zidane auf einem guten Weg, auch auf der anderen Seite der Out-Linie als einer der besten aller Zeiten in Erinnerung zu bleiben.

Ronaldo hat die Chance zum Ausgleich

In einigen Jahrzehnten wird man von der Ära zwei der besten Fußballer aller Zeiten sprechen. Obwohl sie noch aktiv sind, werden Lionel Messi und Cristiano Ronaldo längst in Diskussionen über den “GOAT” (“Greatest Of All Time”) des Fußballs miteinbezogen. Vollkommen zurecht, nimmt man die persönlichen Rekorde und Titel der beiden zur Hand. Seit 2008 machen sie sich den Titel des Weltfußballers untereinander aus und gewinnen zudem, mit Ausnahme von 2010, immer vor dem jeweils anderen.

Der kleine Argentinier hat die Nase mit fünf Trophäen noch knapp vorne, trotz überragender Einzelleistungen (unter anderem 37 Tore und 12 Assists aus 34 Ligaspielen) wirkt der spanische Cupsieg aber mickrig verglichen zum Meistertitel und dem Erfolg in der Königsklasse durch seinen Rivalen. Im letzten Abschnitt der Saison bewies dieser abermals, dass seine besten Tage noch lange nicht gezählt sind. Mit neun Volltreffern seit dem Viertelfinale gegen Bayern München war er in der entscheidenden Phase praktisch Reals offensiver Alleinunterhalter und konnte seinem ewigen Kontrahenten mit seinem zweiten Treffer in Cardiff auch noch die Torjägerkrone in der Champions League wegschnappen.

Im Normalfall ist dem Portugiesen der wichtigste Individualpreis des Fußballjahres also kaum mehr zu nehmen, womit er neben den Europacup-Siegen auch in dieser Kategorie mit “La Pulga” gleichziehen würde.

Philipp auf Twitter: @Philipp_Lou

[Foto: Raphaël Labbé/Flickr/CC BY-SA 2.0/Illustration von kultort.at]

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