Interview & Videopremiere: Johnny holt Luft über ihre neue EP

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Johnny holt Luft, ursprünglich eine Salzburger Band, die nun in Wien beheimatet ist, steht kurz vor dem Release ihrer ersten EP. Mit ihrem einzigartigen Sound und ihren tiefgründigen Texten bringen die Cousins Johannes Mayer und Benjamin Buchner Musik der Extraklasse auf die Bühne. Im Gespräch mit kultort.at sprechen sie über ihre Songs, ihren Werdegang und den Hintergrund ihres Bandnamens.

Und heute, auf den Tag genau eine Woche vor ihrem EP-Release im B72 in Wien, bringen wir euch die Premiere des Musikvideos “Anton”, Lied 1 der self-titled EP.

kultort.at: Johnny holt Luft, erzählt mir mal ein bisschen von eurer Band. Woher kommt der Name?

Johannes Mayer: [schmunzelt] Also ich weiß nicht, ob ich damit ein großes Geheimnis lüfte, aber unser erster Name war ja nicht Johnny holt Luft, sondern…

Benjamin Buchner: … Search and Find.

Johannes: Wir sind dann irgendwann draufgekommen, dass das nicht so der vorteilhafte Name ist und wir was Neues brauchen. Ich hab einige Zeit davor eine Reise gemacht, wo ich einfach meinen Rucksack gepackt und die Gesellschaft verlassen habe. Dabei ist mir irgendwie in den Sinn gekommen: “Johnny holt Luft”. Das Luftholen ist ein Symbol für Freiheit — Freiheit von gesellschaftlichen Zwängen. Das ist auch das, was unsere Musik ausmacht.

Wie lange gibt’s euch in dieser Formation schon, ungeachtet ob als Johnny holt Luft oder Search and Find?

Benjamin Buchner
Benjamin Buchner

Benjamin: Angefangen hat es, glaube ich, vor vier Jahren, ganz unkonventionell. Wir haben einfach nur zu Jammen angefangen, ohne irgendwelche größeren Pläne. Zufällig hab ich die Gitarre in die Hand genommen, der Johannes hat sich dazugesetzt und wir haben Musik gemacht. Uns war sehr schnell klar, dass uns gefällt, was wir machen, dass wir uns öfter treffen wollen und weiter Musik machen sollten. Und dann sind auch schon die ersten Songs entstanden. Durch die Musik haben wir uns eigentlich erst so richtig kennengelernt.

Du bist ja auf dem zweiten Bildungsweg zur Gitarre gekommen. Eigentlich bist du…

Benjamin: …Schlagzeuger. Ich habe gut zehn Jahre Schlagzeugunterricht genommen, und dann auch noch lange weitergespielt. Ich hab ja früher auch in einer anderen Band gespielt, aber bin dann zur Gitarre gewechselt. Eigentlich auch eher zufällig aus dem einfachen Grund, weil in meinem Zimmer eine Gitarre war. Meine Mutter ist Kindergärtnerin und kann ein bisschen spielen. Sie hat mir die ersten paar Akkorde gezeigt und die hab ich einfach geübt, oft den ganzen Tag. Ich könnte gar nicht beschreiben, wie das gegangen ist, aber irgendwann konnte ich dann auch ein paar Country-Rhythmen und habe mich so weiterentwickelt. Und durch das gemeinsame Spielen mit Johannes und anderen Musikern habe ich mir immer neue Sachen beigebracht.

Johannes: Ich muss auch echt sagen: Die Entwicklung, die der Benjamin durchgemacht hat, ist echt geil. [beide lachen] Das Songwriting bei uns ist ja zweigeteilt. Ich schreibe die Texte und überlege mir manchmal noch einfache Akkordfolgen dazu, und er macht dann immer so … ich hab im Zusammenhang mit Musik einmal den Ausdruck “Black Magic” gehört. Er findet immer die Riffs, die erstens perfekt dazu passen, und zweitens das Lied erweitern, das Lied zu “mehr” machen.

Wir sind ja heute hier aus einem besonderen Anlass zusammengekommen. Ihr habt euren EP-Release am 13. Juni in Wien.

Benjamin: Genau, im B72.

Erzählt mal von der EP. Wie lange seid ihr daran gesessen? Wie ist der Prozess abgelaufen?

Benjamin: Im Grunde müssen wir da letzten Sommer schon ansetzen. Da haben wir bei einem sehr guten Freund von uns Demos aufgenommen, damit wir was haben, was wir herzeigen können.

Johannes Meyer
Johannes Mayer

Johannes: Zwei Lieder von der EP hat es am Anfang des Aufnehmens noch gar nicht gegeben. Die sind im Laufe der Demo-Aufnahmen entstanden und wir haben sie noch schnell dazu aufgenommen. Die waren dann so gut, dass wir damit mehr machen wollten.

Benjamin: Genau. Und unser Freund Niko, bei dem wir die Aufnahmen gemacht haben, hat uns dann die Sophia vermittelt, die mit uns die EP produziert hat.

Johannes: Das war dann das Geile, dass die Aufnahmen eine ganz neue Dimension für uns waren.

Benjamin: Wir haben das Ganze dann auch mit voller Band eingespielt. Also eigentlich habe ich Bass und Schlagzeug dazu gespielt, aber im Grunde war’s eine komplette Bandinstrumentalisierung. Das war etwas Neues für uns, unsere Songs so zu hören und den Sound auf diese Weise selbst zu kreieren. Ein Song auf der EP ist allerdings eine Originalaufnahme aus Nikos Studio vom letzten Sommer. “In Stille” ist in der Originalfassung drauf, als Zeichen der Dankbarkeit für Niko und alles, was er uns ermöglicht hat.

Johannes: Und weil’s halt einfach auch scheißgeil ist. Ein wirklich gelungenes, zu würdigendes Stück Arbeit. Das ist der Geschenk-Song auf der CD.

Ich hatte gestern das große Vergnügen, euren ersten Musikvideodreh mitzuerleben und dabei mitzuwirken. Wie ist es euch damit gegangen? Es war ein langer Tag, ich weiß.

Benjamin: [lacht] Oh ja, ein sehr langer Tag! Wir sind ja schon um sechs Uhr morgens vor Ort gewesen…

Johannes: …und um halb fünf aufgestanden!

Benjamin: Für mich war der Dreh was ganz Neues, ich glaube für Johannes auch. Ich hatte davor absolut keine Erfahrung mit Filmdrehs. Praktisch war, dass wir sehr gut gecoacht worden sind. Joe, der das Video produziert hat, hat uns zum Glück immer sehr genau gesagt, was gerade zu tun ist. Ich habe interessant gefunden, dass es beim Videodreh auf ganz andere Sachen ankommt als beispielsweise bei Soundaufnahmen. Es geht gar nicht darum, wie exakt man spielt, sondern viel mehr darum, wie’s rüberkommt und welche Ausstrahlung man hat. Wie zeigt man am besten, was man in dem Song sagen will?

For the record, der Song heißt “Anton”?

Johannes: Ja, genau. Für mich war’s insofern ein tolles Erlebnis, mit so lieben Leuten zusammenzuarbeiten. Es war so harmonisch, obwohl so viele daran beteiligt waren, das hab ich noch nicht gekannt. Es gab dann auch zwei Momente, in denen ich einfach wegspaziert bin und nachgedacht habe, weil es gerade nichts zu tun gab, und da kam der Moment in dem ich mir gedacht hab: “Ey, eigentlich bist du gerade wirklich, wirklich zufrieden.” Ich bin all denen wirklich dankbar, die dabei waren und das Lied in dem Video so super repräsentiert haben.

Philipp Grammel studiert Politikwissenschaft an der Universität Wien.

[Foto: © Denise Reisenberg]
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