Die 5 bisher besten Alben aus 2017

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2017 war bereits ein gutes Musikjahr. Die Gorillaz haben ein neues Album releast und eine World-Tour bekannt gegeben. Alt-J haben letzte Woche ein Album aus dem Boden gestampft (ob ich das als kleinen Unfall werten soll, ist mir nach einigen Durchläufen immer noch nicht ganz klar) und generell sind viele gute KünstlerInnen 2017 noch dran mit Veröffentlichen.

Ich möchte hier komplett subjektiv meine liebsten und besten Alben des bisherigen Halbjahres auflisten. Es gäbe noch etliche, die hier leider keinen Platz finden, also bitte Future, wenn du diesen Artikel liest, sei nicht mad — waren eh gut 15 deiner Alben 12.380.120 Wochen lang in den Billboard-Charts. Und das nur 2017.

Leoniden — Leoniden

Manchmal gibt es so Alben, bei denen es einfach KLICK macht. Ein Freund von mir hat mir diese Band mit den Worten “Oida, das ist der Shit!” empfohlen. Mit solchen Empfehlungen gehe ich oft sehr karg um. Um genau zu sein: Jeder, der mir erzählen will, dass irgendwas “der Shit” ist, wird oft nicht ernst genommen. Hier bin ich jedoch froh, meinem Sturkopf doch nicht die Oberhand gegeben zu haben. Das Album strotzt vor Selbstsicherheit. So etwas ist man normal von jungen Bands nicht gewohnt. Indie-Hit nach Indie-Hit (darf man das noch sagen?) und ziemlich viele Spielereien machen das Debüt der Jungs zu einem wahren Ohrenschmaus.

Anspieltipps: “Nevermind”, “1990”

Kendrick Lamar — DAMN.

Kendrick did it again. Viele Menschen würden mir bei dieser Aussage nicht zustimmen, ich bin da aber anderer Meinung. Ein gelungener Nachfolger zu seinem unglaublich perfekten Album To Pimp a Butterfly. (“Ja, aber so gut wie TPAB ist es jetzt nicht.”) Ja, aber erstens: Wer möchte denn TPAB2 hören? Und zweitens: Wie soll man es schaffen, etwas zu überbieten, das bereits den Zenit erreicht hat? Man sollte das etwas gelassener sehen. Kendrick ist ein Ausnahmekünstler und DAMN. ist in jedem Fall mehrmaliges Hören wert. Er geht neue Wege auf seinem neuesten Longplayer und das darf man ruhig auch mal tun, es ist immerhin in seiner “DNA”.

Anspieltipps: “ELEMENT.”, “LUST.”

MEHR: Wieso Kendrick Lamar der Rap-Messias der Neuzeit ist

Bausa — Dreifarbenhaus

Ich nenne diesen Kerl den Retter des Deutschraps. Ich hatte immer so meine Probleme mit dem Prollgehabe der Deutschrap-Szene und wurde mit etlichen Konsorten nie so richtig warm. Als SSIO am Frequency dann offensichtlich viel zu junge Mädchen zum sexy Tanzen auf die Bühne bugsierte, ist für mich irgendwie der Spirit gestorben. Bausa war aber einer derjenigen, die diesen Spirit wiederbelebten. Das Album ist die perfekte Mischung aus asozial und eloquent. Aus Hip-Hop und Trap. Ich gehe jetzt einfach mal so weit und behaupte, es ist die beste Mischung aus fiktiver Figur und wahren Geschichten. “Bambi” lehrt mir, dass Bausa kein Arschloch ist. Auf “Baron” will er von der zugekoksten Bitch doch sein Blow. Und auf “Wo bist du?” will seine Bekannte offensichtlich wissen, wo Baui wieder ist. Danke Baui, schönes Debüt!

Anspieltipps: “Bambi”, “Wo bist du?”

MEHR: Meydo im Interview: “Die Deutschrap-Szene ist nicht offen genug”

Hippo Campus — landmarks

Seit dem Tipp mit den Leoniden vertraue ich einem Freund von mir etwas mehr, wenn es um “den Shit” geht. So war es eine laue Frühlingsnacht, als er mir den Spotify-Link dieser Herren schickte. Ich wusste natürlich sofort, dass das etwas Besonderes ist. Hippo Campus sind vier junge Amerikaner, die 2017 ihr erstes Full-Length-Album releast haben. Vorher kannte man sie vor allem aus den College-Radios der Staaten, wegen ihres Smash-Hits “Suicide Saturday”. Einer der besseren Indie-Songs der letzten Jahre. Am 24. Februar gab es dann landmarks.

Es passiert selten, dass ich wirklich in allen Belangen zufrieden mit einer Produktion bin. Hier stimmt aber einfach alles: Von Song zu Song schwimmt man nur so, Gitarren und Schlagzeug sind so klar wie Wasser aus Österreich (und das heißt wirklich was) und das Songwriting ist so ausgefeilt, als würden sie seit mehr als 60 Jahren nichts anderes trainieren. Wer viel Tiefgang in diesem Album sucht, wird diesen vielleicht nicht unbedingt finden. Wer aber einfach wirklich gute Musik hören will, ist hier richtig.

Anspieltipps: “Buttercup”“Vines”

Sundara Karma — Youth Is Only Ever Fun in Retrospect

Finally. Sundara Karma. Letzten Sommer durfte ich ihre zweite Single “A Young Understanding” auf Puls (ein Radiosender in Bayern) bereits hören. Es war sehr klischeehaft, die sogenannte “Liebe auf das erste Hören”. Endlich wieder richtig guter Indie-Rock. Endlich wieder Songs, zu denen man die Fenster seines Autos aufreißen und lautstark mitsingen kann. Diese zwölf Songs sind voller Power und ich wusste nach dem ersten Mal durchhören, dass wir hier Stars von morgen haben. Straightforward, krachend und schmetternd. So kann man das Album gut in drei Worte fassen.

Der Sprung über den kleinen Teich von England sollte hoffentlich gelingen, ansonsten droht ihnen das Peace-Syndrom. Tolle Band, aber null Interesse außerhalb des United Kingdoms. Und das wäre wirklich schade, immerhin habe ich mein ganzes Vermögen bei verschiedensten Buchmachern darauf verwettet, dass diese Jungs die Welt erobern. Eines der besten Debüts, das ich seit Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not von den Arctic Monkeys gehört habe. Und das ist bitte zwölf Jahre her. Let’s go Karma, go get it done.

Anspieltipps: “A Young Understanding”, “Olympia”

[Foto: Illustration von kultort.at]

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