Dominic Thiem — die zukünftige Nummer 1 der Tenniswelt?

Dominic_Thiem_French_Open

Bereits zum zweiten Mal nach 2016 hat es Dominic Thiem heuer ins Halbfinale der French Open geschafft. Auf dem Weg dort hin hat er im Viertelfinale den Titelverteidiger Novak Djokovic regelrecht abgefertigt. Die ehemalige Nummer 1 der Welt war beim Stand von 6:7 0:3 ein menschliches Wrack am Tennisplatz. Thiem hat es in 90 Minuten geschafft, den “Djoker” zu brechen.

Im Halbfinale gegen den Sandplatzkönig Rafael Nadal war dann trotzdem Endstation. Zu dominant war der Spanier und zu eingeschüchtert der Jungspund aus Österreich. Nichtsdestotrotz hat Thiem ein weiteres Mal bewiesen, dass er absolut mit der Weltspitze mithalten kann — und das mit gerade einmal 23 Jahren. Grund genug für die Sportredaktion von kultort.at, sich den jungen Superstar im Tenniszirkus einmal näher anzusehen.

Der “Dominator” erobert die Tenniswelt

Thiem gehört der ATP-Tour als Profi seit 2011 an. In den ersten Jahren sammelte er bei kleineren Turnieren — in der ATP Challenger Tour — noch Erfahrung. Mit dem Einzug ins Achtelfinale der US-Open 2014 gelang ihm schließlich der Durchbruch, man wurde auf den Österreicher aufmerksam. Und spätestens seit seinem ersten Triumph 2015, beim Turnier in Nizza, war man sich sicher, dass Thiem in näherer Zukunft auch bei größeren Turnieren eine Rolle spielen würde.

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Es folgten Turniersiege in Umag und Gstaad. Seine Form konnte er auch in das Jahr 2016 mitnehmen, wo er insgesamt viermal den Siegerpokal in die Luft stemmen durfte. Es zeichnetet sich ab, dass Österreich nach Thomas Muster wieder einmal mit einem Topstar im internationalen Tennisgeschäft rechnen darf.

2017 war für den “Dominator” bisher ein sehr gutes Jahr. Vor allem auf Sand fühlt sich Thiem sehr wohl, wo er heuer eine 17:4-Bilanz aufweisen kann. Zudem konnte er im Februar den Titel in Rio de Janeiro holen.

Nach Roland Garros kommt jetzt die Rasensaison auf die Tenniselite zu. Obwohl Thiem letztes Jahr in Stuttgart als erster Österreicher überhaupt auf Rasen triumphierte, und dabei im Halbfinale sogar die lebende Tennislegende Roger Federer bezwang, zählt der grüne Belag nicht gerade zu seinen liebsten. In etwa drei Wochen startet der nächste Grand Slam in Wimbledon, wo der Österreicher noch nie über die 2. Runde hinaus gekommen ist. Wenn Thiem jemals die Nummer 1 der Welt sein will, muss er auf allen Belegen konstanter werden.

Der Mann hinter den Kulissen

Ohne Unterstützung wird man vermutlich in keiner Sportart jemals den Profibereich erreichen können. Wer steckt also hinter dem Erfolg von Dominic Thiem? Allen Tennisbegeisterten wird Günter Bresnik wohl ein Begriff sein. Der Erfolgstrainer ist seit den 1980er Jahren im Geschäft und hat unter anderem auch mit Boris Becker zusammengearbeitet.

Bereits als Achtjähriger durfte Thiem in die Schule von Bresnik einsteigen. Der Trainer setzt vor allem auf Leidenschaft und Fokus. Man muss mit Herz und Seele bei der Sache sein, sonst hat man keine Chance international erfolgreich zu sein. Und mit Thiem hat Bresnik genau diesen erfolgshungrigen Spieler gefunden. Aus diesem Grund hat er sogar ein Buch (Die Dominic Thiem Methode) veröffentlicht, welches den Werdegang und die Erfolgsgeschichte seines Schützlings erzählt.

Die Davis-Cup-Affäre

Der mediale Fokus im Tennissport liegt zweifelsohne in den Einzelwettkämpfen der Herren und Damen. Begegnungen im Doppel — auch auf Grand-Slam-Ebene — sind meistens nur eine Nebenerscheinung, auch wenn das wohl erfolgreichste Doppel der Tennisgeschichte, die “Bryan Brothers” Bob und Mike Bryan (USA), fast immer für spannende Matches sorgt.

Für einen Nationenvergleich dient der sogenannte Davis-Cup, die Weltmeisterschaften im Tennis. Nach dem rasanten Aufstieg von Thiem war sich der Österreichische Tennisverband (ÖTV) sicher, wieder einen Platz in der Weltgruppe zu ergattern. Um den im Jahr 2013 noch jungen Thiem finanziell zu unterstützen, sprach der ÖTV dem aufstrebenden Talent eine Fördersumme von 46.000 € im Jahr zu. Als Thiem pro Jahr aber über eine halbe Million Dollar an Preisgeldern verdiente, strich der ÖTV die Fördersumme. Es entfachte ein Streit zwischen den Fraktionen.

Thiem und sein Team fühlten sich betrogen, weshalb man auch die Teilnahme an Davis-Cup-Matches boykottierte. Zuletzt ist man wieder ins Gespräch gekommen und hat nach einer friedlichen Lösung gesucht — und diese scheinbar auch gefunden. Denn die Nummer 7 der Welt wird Österreich im September gegen Rumänien unterstützen.

Dominic Thiem hat hart an sich gearbeitet und den Sprung in die Tenniselite geschafft. Mit seinen jüngsten Erfolgen hat er nicht nur in Österreich einen Hype ausgelöst, sondern auch international auf sich aufmerksam gemacht. Wenn er gröbere Verletzungen vermeiden kann, wird er nach Thomas Muster 1996 der zweite Österreicher sein, der an der Spitze der Tenniswelt steht.

[Foto: Carine06/Flickr/CC BY-SA 2.0/Illustration von kultortat]

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