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Die Golden State Warriors sind Champion — und die NBA hat ein Problem

Wird die NBA eine Sportliga ohne wirklichen Konkurrenzkampf und mit einem extremen Qualitätsunterschied zwischen den einzelnen Mannschaften?

Die Golden State Warriors sind Champion — und die NBA hat ein Problem 13. Juni 20172 Comments

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Die Golden State Warriors haben es also geschafft. Mit einem 129:120 ging auch das fünfte Finalspiel gegen die Cleveland Cavaliers an die Franchise aus Kalifornien. Endstand der Finalserie: 4:1 für die “Dubs”. Dieser Titelgewinn bedeutet aber nicht nur die zweite Championship der letzten drei Jahre — mit 15 Siegen in Serie (vor Spiel 4 gegen Cleveland) stellten die Warriors einen neuen Playoff-Rekord in der National Basketball Association (NBA) auf. Plus: In ihren letzten 32 Spielen kam es überhaupt nur zu zwei Niederlagen.

Hauptgrund für die diesjährige Dominanz von Golden State ist sicherlich die Verpflichtung von Kevin Durant. Man könnte jetzt jedes der fünf Finalspiele bis ins genaueste Detail analysieren und versuchen herauszufinden, warum Cleveland nur ein einziges davon gewinnen konnte, im Endeffekt ist es aber recht simpel.

Vom Favoriten zum Top-Favoriten

Golden State stellte letztes Jahr mit 73 Siegen und 9 Niederlagen einen neuen Regular-Season-Rekord auf, der jahrelang als eine unschlagbare Bestmarke angesehen wurde. Nach der enttäuschenden (und überraschenden) Finalniederlage gegen Cleveland brachte man nach der Sommerpause aber nicht einfach nur den selben Kader zurück, sondern tauschte summa summarum einen der vielleicht 50 besten (Harrison Barnes) für einen der drei besten Spieler der Welt (Kevin Durant).


MEHR: Kevin Durant und die Warriors: Die Geburt eines Überteams?


War das noch immer etwas zu kompliziert, um den diesjährigen Erfolg der “Dubs” zu erklären? Kein Problem, es geht sogar noch einfacher: Golden State hat zwei “Most Valuable Player”-Award-Gewinner in ihren Reihen (Durant, Stephen Curry), die restlichen NBA-Teams jeweils maximal einen.

So unspektakulär wie selten zuvor

In einem Beitrag so kurz nach dem Ende der NBA-Finals sollte hier normalerweise stehen, wie toll die Playoffs waren. Wie unfassbar spannend jede einzelne Serie zum Ansehen war. Wie eng ein Spiel nach dem anderen erst in den letzen Sekunden entschieden wurde und es sich nur um Millimeter handelte, wer es eine Runde weiter schaffte. Einziges Problem: Von all diesen Superlativen konnte in der diesjährigen Post-Season (bis auf Spiel 3 und 4 der Finals) einfach nicht die Rede sein.

Viele ExpertInnen bezeichnen die NBA-Playoffs 2017 sogar als die schlechtesten aller Zeiten. Die Statistiken geben dieser Behauptung durchaus recht. So durften wir in den 15 gespielten Best-of-Seven-Serien nur zweimal in den Genuss eines alles entscheidenden siebten Spieles kommen. Bereits vor der Finalserie waren von den 98 möglichen Matches nur 74 tatsächlich notwendig — also 76 %, was laut NBC Sports die niedrigste Quote seit 1999 ist.

Golden State — und dann lange nichts

Die NBA rund um Commissioner Adam Silver steht also vor einer grundsätzlichen Problematik: Ist die NBA eine Sportliga ohne wirklichen Konkurrenzkampf und mit einem extremen Qualitätsunterschied zwischen den einzelnen Mannschaften? Diese Schere zwischen Teams mit dem Prädikat “weltklasse” und durchschnittlich bis schlechten Mannschaften sieht derzeit nämlich wie folgt aus:

Nach dem mit Abstand besten Team (Golden State) kommt genau eine Mannschaft (Cleveland), die gegen jede andere Truppe zwar haushoher Favorit wäre, gegen die Warriors in einer sieben Spiele langen Serie allerdings nicht wirklich eine Chance hat, wie aus den diesjährigen Finals ersichtlich war.

Dann kommen drei Teams (San Antonio, Boston, Houston), die nur eine außerordentliche Verpflichtung davon entfernt sind, um auf einem Level mit den Cavaliers zu sein. Aber gegen Durant, Curry und Co? Pff, never!

Und daraufhin folgen die weiteren 27 Franchises. Ob Playoff-Team oder nicht, um in den nächsten fünf Jahren auch nur in die Nähe einer Championship zu kommen, bräuchte es ein Wunder (oder eine Reihe an Verletzungen wie noch nie zuvor).

“One and Done”

Eine der Ursachen für dieses starke Gefälle ist sicherlich der sogenannte “One and Done”-Begriff. Darunter versteht man College-Spieler, die bereits nach ihrer ersten Saison in die Profiliga wechseln. Von den letzten zehn Overall-First-Round-Picks gab es nur einen Spieler (Blake Griffin, 2009), der mehr als ein Jahr am College verbrachte. Den Spielern an sich kann man hierbei natürlich keinen Vorwurf machen. Wer möchte schon den Chemieunterricht besuchen, wenn man in einer Liga mit LeBron, Curry und Co. Millionen von Dollars verdienen kann?

Für die schlechtesten Teams der Liga, die im Normalfall als erstes einen College-Spieler draften dürfen (Brooklyn, what have you done?!), bedeutet dies allerdings, dass ihre jungen Stars bei den Profis nicht bereits von Beginn an den Unterschied ausmachen, sondern mehrere Jahre NBA-Erfahrung sammeln müssen, bevor sie ihr Team erst zu einem wirklich ernst zu nehmenden Contender machen können.

Interessanterweise tendiert Adam Silver im Moment aber nicht dazu, “One and Done” auf zumindest “Two and Done” auszuweitern, sondern diese Regelung generell zu streichen und es Highschool-Spielern zu erlauben, nach ihrem Abschluss direkt in die NBA zu wechseln. Wie sich diese Regelung auf das (nicht vorhandene) Gleichgewicht der Liga auswirken wird, bleibt abzuwarten.

Apropos direkt von der Highschool

Der letzte MVP, der von der Highschool gleich in die NBA wechselte, ist übrigens kein Geringerer als LeBron James. Ja genau, der seit Jahren beste Basketballspieler der Welt. Und um am Ende nochmals zu den NBA-Finals 2017 zurückzukommen, geht diese Nachricht direkt an alle James-KritikerInnen und Möchtegern-ExpertenInnen:

LeBron trifft sicherlich keine Schuld an der Niederlage gegen Golden State. Alleine in Spiel 3 brachte es James auf 39 Punkte, 11 Rebounds, 9 Assists und traf 15 seiner 27 Feldwürfe. Auf der Bank verbrachte er dabei nicht einmal drei Minuten — in diesen 143 Sekunden war Cleveland -12 Punkte, während die “Cavs” mit LeBron auf dem Feld +7 waren.

Aber so ist das nun mal gegen das beste Team, das wir wahrscheinlich je gesehen haben — und Basketball ist und bleibt ein Teamsport. Somit könnten alle Nicht-Warriors-Fans in den nächsten Jahren vor einer großen Geduldsprobe stehen.

Johannes auf Twitter: @Joe_Pressler

[Foto: Keith Allison/Flickr/CC BY-SA 2.0/Illustration von kultort.at]

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