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Dank Memes: Schwarzer Humor oder beinharte Diskriminierung?

Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und Terroranschläge — für die Dank Memes ist kein Thema zu sensibel

Dank Memes: Schwarzer Humor oder beinharte Diskriminierung? 16. Juni 2017Leave a comment

stv. Ressortleiter Popkultur

Über Humor lässt sich bekanntlich streiten. Aber wo ziehen wir unsere persönlichen Grenzen? Nicht nur, dass wir selbst entscheiden müssen, was wir lustig finden. Können wir auch anderen vorschreiben, worüber sie lachen dürfen?

Was ist ein Schwarzer vor Gericht? — Schuldig!

Zur kurzen Erklärung: Memes sind scherzhafte Bilder und Animationen, die im Internet seit Jahren einen großen Hype generieren. In öffentlichen Foren dienen sie meist der humoristischen Unterhaltung und dem bildlichen Ausleben von Klischees und banalen Witzeleien. Es gibt aber auch so etwas wie eine geheime Tiefe der Online-Foren, in denen Memes ganz anders gelebt werden. Brutal, schonungslos und mit dem unbändigen Mut zur Offenlegung von Rassismus und Diskriminierung als Scherzthemen einer limitierten Elitegruppe von Menschen mit Drang zu dunkelschwarzem Humor.


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In dem oben erwähnten Zitat sehen wir, in welche Richtung sich das Niveau der Dank Memes bewegt. Und eines sei vorweggesagt: Es wird viel, viel schlimmer. Ein solcher “Negerwitz”, wie ihn bei uns jeder Zweite am Dorf noch im Rausch durchs Bierzelt trällert, ist nur der Anfang einer Talfahrt voller Gemeinheiten, Benachteiligungen und Marginalisierungen.

Seid gewarnt, vieles wird euch sauer aufstoßen. Vieles wird euch denken lassen, es gibt da draußen mehr als nur einen Teufel.

Frauen, Juden, Schwarze, Moslems, Christen, Kinder, Alte, Terroristen, deren Opfer, Politiker, Stars. Niemand bleibt verschont, jeder und alles wird schonungslos auseinandergenommen. Auf einer Skala von “tatsächlich lustig” bis “ich kann gar nicht hinsehen, so asozial ist das” finden wir hier alles. Vor allem letzteres erfreut sich hoher Beliebtheit. Davor widmen wir uns jedoch noch kurz der wesentlichen Essenz solcher versteckten Meme-Gruppen.

Diese Meme-Gruppen sind geheim auf sozialen Plattformen wie etwa Facebook zu finden. Nur per Einladung kann man ihnen beitreten. Sie vermitteln auf gewisse Weise tatsächlich ein Gefühl von Exklusivität, so etwas wie eine besondere Mitgliedschaft. Man ist Teil einer Community, Teil einer Gruppe von Menschen, die denselben absurden und morbiden Humor teilen. Auch wenn das noch euphemistisch ausgedrückt ist. “Pussys”, die sich über Content beschweren oder kritisierende Kommentare verfassen, werden sofort wieder entfernt.

Die Dank-Memes-Teilnehmer halten sich alle an strikte Regeln. Der Meme-Gott, sprich der Betreiber der Seite, prüft den Content — er wird gehuldigt, als wäre er der Anführer einer Online-Sekte. Für manche ist das vielleicht wirklich Realität, auch wenn natürlich alles auf einer ironischen Basis zu vernehmen ist. Dennoch, die Grenzen von Ironie beginnen sich immer mehr aufzulösen.

Leute, die selbst Memes generieren, sind so etwas wie Halbgötter des Humor-Universums. In Memes werden sie als Frauenhelden gefeiert, die bloße Berührung oder das aktive Chatten mit einem Meme-Creator scheint Frauen wortwörtlich “nass zu machen”.

How was your concert, Ariana? — Mindblowing!

Es gibt auch immer wieder aktuelle Trends, wie den humpelnde Spongebob, Fidget-Spinner oder eben den jüngste Terroranschlag in Manchester. Ja, auch darüber wird sich massiv lustig gemacht. Es scheint keine Sensibilität für solche prekären Themen zu geben. Die Gesamtheit der Thematiken ist ungemein vielfältig, neben Trends gehen natürlich Klassiker einher: Der Schwarze, der seine Familie vor der Geburt des Kindes verlässt, die Frauen, die mit Ketten in der Küche hängen oder dieser lustige, alte Mann, der immer so verschmitzt lächelt.

Doch wie weit gehen die Memes tatsächlich? Anhand einiger Beispiele werden wir versuchen die Spannbreite dieser Spaßbilder in ihrer brutalsten Ausrichtung darzustellen. Dementsprechend nehmen wir wenig Rücksicht auf harmlosere Exemplare, die zwar auch in den Foren herumschwirren, aber im Vergleich zu einem Hurrikan nur ein lauer Windzug sind.

Dennoch eine kurze Warnung: Der Inhalt der folgenden Bilder ist aufs Äußerste diskriminierend. Es sei auch gesagt, dass wir auf diese Art von Humor nur aufmerksam machen wollen — diesen aber in keiner Weise vertreten oder unterhaltsam finden. Aber seht selbst.

Vorweg wollen wir auch noch betonen, dass wir nicht jedes einzelne Thema hier aufschlüsseln. Jeder sollte für sich selbst beurteilen können, welche Ebene der Toleranz er zu dem jeweiligen Komplex einnimmt. Natürlich sind alle dieser Memes mit aller Deutlichkeit zu verurteilen. Aber wer beurteilt, was andere Menschen als lustig erachten?

1. Rassismus

Schwarze zu verurteilen finden viele — auch hier zu Lande — noch immer lustig.

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2. Frauen, Kinder, Rape

Höchster Beliebtheit erfreuen sich ebenso Memes mit sexuellen Anspielungen gegenüber Kindern und Frauen. An Perversität ist dabei einiges nicht mehr zu überbieten.

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3. Terror

Und immer mehr stellen wir uns die Frage, wo denn endlich die Grenze erreicht ist. Spoiler: Tatsächlich gibt es so etwas wie einen moralischen Stopp nicht. Nicht einmal, wenn der Terror die ganze Welt in Schrecken versetzt und Menschen ihr Leben lassen. Nicht einmal dann.

Die Überschrift des ersten Memes von links nach rechts ist übrigens: “Choosing seats at an Ariana Grande concert be like…”

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4. Antisemitismus

Auch damit kennt die Meme-Kameradschaft kein Mitleid. Im Gegenteil, antisemitische Witze sind gefühlt mehr verbreitet, als das breite Grinsen von Bad Luck Brian.

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5. Religion

Auch der Islam und das Christentum bekommen ihr Fett ab:

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Es gibt aber noch viel mehr kritische Gesellschaftsthemen, die in den Dank Memes behandelt werden. Homosexualität, Drogenkonsum, Behinderung oder etwa Selbstmord. Wie bereits erwähnt, gibt es nichts, über das man sich hier nicht lustig machen kann.

Wir stellen uns jetzt schlussendlich die Frage: Dürfen wir hier lachen? Dürfen Leute solche Memes generieren? Humor ist keine Konstante, Humor ist ein grausames Spektrum an Vielfältigkeit mit einer variierenden Tiefe an Niveau und eben auch ein Spiegelbild gesellschaftlicher Komplexe. Oft ist er ein Notventil, um sich über das gemeinsame Lachen über die Grausamkeiten dieser Welt zu erheben. Manchmal ist er auch nur ein Ausdruck von Spott und ein verbales oder bildliches Abbild von Hierarchie.

Ganz egal, in welcher Ausrichtung — im Falle der Dank Memes ist er mehr als ein Extrem. Es ist dieses pervers morbide Kitzeln, diese Hässlichkeiten gemeinsam zu teilen, das die Leute hier so geil macht. Und das ist das eigentlich Beunruhigende. Weil wir hin und wieder über Extremitäten lachen dürfen, vielleicht sogar sollten. Aber nichts rechtfertigt eine öffentliche Auslegung dieses so dunkelschwarzen Humors, um mich mit anderen Nicht-Betroffenen darüber aufzugeilen. Weil es einfach nicht lustig ist, wenn ein Lastwagen in eine Menschenmasse rast.

Johannes auf Twitter: @joschi_mayer

[Foto: Illustration von Simon Eder]

stv. Ressortleiter Popkultur

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