4 Dinge, die du vor Antritt deines Medienpraktikums wissen solltest

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Da stehst du nun. Hast eine seitenlange Bewerbung mit Fakten über dich und deine Motivation verfasst, bist durch ein gefühlt nie enden wollendes Assessment-Center gekommen und hast Wochen damit verbracht, auf diesen einen erlösenden Anruf zu warten, in dem eine Stimme zu dir sagt “Herzlichen Glückwunsch, Sie haben das Praktikum!”

Nun kam der Anruf endlich und du bist glücklicher als beim Sektkorkenknallenlassen nach der bestandenen Matura. Aber was wird dich bei deinem Praktikum eigentlich erwarten? Egal ob Zeitung, Fernsehen oder Radio — die Medienbranche funktioniert grundsätzlich meistens gleich und dennoch bietet jede Sparte seine ganz eigenen Facetten. Was dort ungefähr auf dich zukommen wird und wie du das Beste aus deiner Praktikumszeit machen kannst, erfährst du in den nächsten vier Punkten.

1. Redaktionssitzungen sind beängstigend

In so gut wie jedem Medienbetrieb findet mindestens einmal pro Tag eine Sitzung statt, in der alle RedakteurInnen zusammenkommen, um den Ablauf und mögliche Storys für den Tag durchzusprechen und zu planen. Dazu fällt am Anfang meist der Satz: “So, unser Tag ist lang, aber noch leer … Ideen?”

Daraufhin preschen erstmal die langjährigsten MitarbeiterInnen der Redaktion mit ihren Einfällen los und schnappen dir somit meist schon die besten deiner zuvor gesammelten Ideen weg. Dann wird diskutiert: “Kann man das so bringen? Geht sich das heute noch aus? Wer fährt zur Pressekonferenz?”

Obwohl du schon bei Satz zwei absolut ausgestiegen bist, weil du als PraktikantIn sowieso keine Antwort auf all diese Fragen hast und geistig bereits in der Kantine sitzt, möchtest du dich irgendwie mitteilen und deine mühsam recherchierte Story über die gerettete Katze aus dem brennenden Eissalon auf die Agenda setzen. Mit dem ersten Wort, das du sagst, starrt dich die gesamte Redaktion an und dein Herz rast, als wäre es auf zwölf Achterbahnen gleichzeitig.

Leider werden Ideen von PraktikantInnen oftmals entweder ignoriert oder, wenn sie gut sind, geklaut und jemand anderer bringt die Story. Aber egal, wie oft du Niederlagen in Redaktionssitzungen erleben wirst, irgendwann wird der Moment kommen, an dem deine Ideen alle gut finden und du endlich das tun kannst, wovon du seit einer halben Ewigkeit sprichst: Einen eigenen Beitrag produzieren.

2. Sehr viel Arbeit für wenig Produkt

Sollte es tatsächlich irgendwann dazu kommen, dass dir eine eigene Story zugetraut wird, wirst du schnell bemerken, wie viel Arbeit in einem einzigen Beitrag steckt. Egal, ob du ein Praktikum beim Fernsehen, Radio oder bei der Zeitung machst, um eine Sache wirst du in den meisten Fällen nicht herumkommen: Das Recherchieren.

Denn Recherchieren bedeutet nicht nur, dass der Beitrag auf wahrheitsgetreuen Quellen beruht, sondern soll dir selbst eine Art Gerüst für deine weitere Arbeit bieten. Nehmen wir zum Beispiel an, du arbeitest an einem Radiobeitrag zu einem Gaming-Event, das in nächster Zeit in Wien stattfindet. Dann wirst du zunächst alle Informationen, die du dazu online finden kannst, zusammentragen und dir genauestens notieren. Wenn das erledigt ist, musst du selbstständig bei der Pressestelle des Events anrufen und nach einem Presseausweis fragen, der dich nicht nur zehnmal lässiger als sonst wirken lässt, sondern später auch auf all deinen Social-Media-Kanälen zu finden sein wird. Denn ja, du wirst super stolz darauf sein — und ja, du wirst 100 Fotos davon machen.

Beim Event angekommen geht die Arbeit erst richtig los. Zahlreiche Interviews mit den VeranstalterInnen, den BesucherInnen und eventuell prominenten Gästen erwarten dich, die du später in mühevoller Kleinarbeit am Computer zu einem großen bzw. kleinen Ganzen zusammenschneiden darfst. Wenn dein Beitrag dann endlich on air geht, bist du zwar stolz wie Oskar, aber bemerkst auch, dass hinter kurzen Beiträgen ein unglaublicher Aufwand steckt, den man als ZuhörerIn so nie erwarten würde.

3. Den alten Hasen bist du egal

So gut wie jeder Medienbetrieb beschäftigt Leute, die mindestens schon 20 Jahre Teil des Teams sind. Oft sind das sogar Personen, die du ebenfalls seit geraumer Zeit aus den Medien kennst und bei denen du gespannt bist, sie endlich kennenzulernen. Aber bleiben wir realistisch. MitarbeiterInnen, die schon so lange dabei sind, interessieren sich meistens eher weniger für die PraktikantInnen. Der Grund dafür dürfte auf der Hand liegen: Sie haben Angst, dass das Frischfleisch ihnen den Arbeitsplatz vor der Nase wegschnappt und man sie einfach ausrangiert.

Mach dich also auf eine herzliche Begrüßung ihrerseits gefasst, gefolgt von wochenlangem Ignorieren oder Nicht-ernst-genommen-Werden. Im Grunde solltest du dir aber auch bewusst sein, dass berühmte Personen in Medienbetrieben auch nur Menschen sind, die genau wie du eine lange Zeit dafür gekämpft haben, dort zu sein, wo sie heute sind. Sie sind genauso durch unzählige Praktika gegangen und mussten sich erstmal gegenüber den Großen beweisen.

Genau deswegen sollte es dich also nicht entmutigen, dass dir während deines Praktikums nicht alle Leute allzu freundlich entgegenkommen werden. Aber es können dich nunmal nicht alle mögen und erst recht in den Medien wirst du noch öfter Menschen begegnen, die sich dir entweder in den Weg stellen oder alles andere als begeistert von dir sind.

4. Ein Praktikum ist keine Eintrittskarte zur Karriere

Manche meinen ja, dass ein einziges Praktikum bei einem bekannten Medium reicht, um sich die nächsten paar Jahre karrieretechnisch über Wasser halten zu können. Newsflash: Dem ist nicht so. Denn mal abgesehen davon, dass es abertausende Publizistik-AbsolventInnen in Österreich gibt, fallen die Jobs in jener Berufssparte nicht gerade vom Himmel. Ja, ein Praktikum kann dir helfen, zumindest mal einen Fuß in die Branche zu setzen, aber es bedeutet noch lange nicht, dass du auch ein Teil von ihr bist.

Denn oftmals vergeht die Zeit so schnell, dass du nicht mal wirklich dazu gekommen bist, nützliche Kontakte zu knüpfen oder nach einer eventuellen Vollbeschäftigung zu fragen. Denn ja, du kannst als PraktikantIn natürlich einfach ansprechen, ob es möglich wäre, an das Praktikum eine Anstellung in dem Betrieb anzuschließen bzw. vielleicht als Freelancer weiterzuarbeiten. Die Bezahlung für so etwas ist zwar in den meisten Fällen grottenschlecht, aber bietet dir zumindest die Chance, auf der Karriereleiter nicht ganz still zu stehen.

Das Mantra für deine gesamte Praktikumszeit sollte “Mach was draus!” sein. Denn ehe du dich versiehst, sind die ganzen tollen Chancen und neuen Möglichkeiten zum Lernen auch schon wieder weg. Tu alles, um bei den Leuten in Erinnerung zu bleiben, um so vielleicht bei der nächsten Stellenausschreibung schon einen kleinen Vorteil zu haben. Weil nur so zeigst du, dass du die Arbeit dort auch wirklich magst und nicht nur eine von vielen PraktikantInnen bist, die später “irgendwas mit Medien” machen wollen.

Fassen wir also zusammen. Die Zusage zu einem Praktikum in den Medien bedeutet noch lange nicht, dass du jetzt für alle Zeiten einen Fuß in der Branche hast. Es bedeutet, dass du einiges an Durchhaltevermögen und Willensstärke beweisen musst, bevor du wirklich die Dinge tun darfst, auf die du jahrelang gewartet hast. Die Medienbranche ist hart und kann dich manchmal ordentlich an deine Grenzen bringen, aber mit ein wenig Glück und etwas Talent kann dein Praktikum auch zu der spannendsten Zeit deines Jahres werden, aus der du viel lernst und die du sicher nicht so schnell vergessen wirst.

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