Paul George zu den Thunder — der Westen wird noch stärker

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Die heurige Off-Season der National Basketball Association (NBA) ist verrückt, absurd und unvorhersehbar zugleich. Die Free-Agency ist erst ein paar Tage alt und bereits jetzt gibt es einige Blockbuster-Trades, die jeden Fan aufhorchen lassen. Jimmy Butler schlägt künftig seine Zelte bei seinem ehemaligen Bulls-Coach Tom Thibodeau in Minnesota auf, Chris Paul wird ab der kommenden Saison gemeinsam mit James Harden bei den Houston Rockets auf Punktejagd gehen. Vor einigen Tagen dann der nächste große Trade: Die Indiana Pacers schicken ihren Superstar Paul George zu den Oklahoma City Thunder — Russell Westbrook hat seinen zweiten Superstar.

Dass “PG13” die Franchise verlassen würde, war bereits während der abgelaufenen Saison spürbar. Immer wieder betonte er seinen Wunsch, für ein Team mit Titelambitionen zu spielen. Seinen 2018 auslaufenden Vertrag wollte George nicht verlängern, ein Wechsel nach Los Angeles zu den Lakers galt als wahrscheinlich. Ob diese Franchise in naher Zukunft tatsächlich ein NBA-Finale erreicht, bleibt abzuwarten. Befassen wir uns daher nicht mit unrealistischen Szenarien, sondern versuchen rund um den George-Trade zwei wichtige Fragen zu behandeln: Welche Auswirkungen hat der Wechsel erstens auf die Pacers und zweitens auf die Thunder?

1. Die Indiana Pacers im Niemandsland

Zuerst der Deal: Paul George wechselt in seinem letzten Vertragsjahr nach Oklahoma City — im Gegenzug werden Guard Victor Oladipo und Domantas Sabonis zu den Indiana Pacers geschickt.

Auf den ersten Blick scheint dieser Wechsel desaströs für die Franchise aus Indiana, der Gegenwert gleicht die Qualitäten von “PG13” nicht ansatzweise aus. Angesichts seiner Aussagen, ab 2018 in L.A. spielen zu wollen, ist Georges Wert allerdings drastisch gesunken. Dieses Paket ist also vermutlich das Beste, was die Pacers in dieser prekären Situation bekommen konnten.

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Aber was bedeutet dieser Wechsel nun für Indiana? Primär gilt es eine Lücke zu schließen. Paul George zauberte in der regulären Saison des vergangenen Jahres 23,7 Punkte pro Spiel auf das Parkett und erreichte eine ansehnliche Dreier-Quote von knapp unter 40 %. Die beiden Neuzugänge sind dieser Aufgabe wohl nicht gewachsen. Der Litauer Sabonis hat in seiner Rookie-Saison wenig überzeugende 5,9 Punkte im Schnitt erzielt. Er besitzt Talent, wird aber wohl nie über die Aufgabe eines soliden Rollenspielers hinauskommen.

Oladipo hat, seit er 2013 in die Liga kam, seine Dreier-Quote kontinuierlich auf 36,1 % hinaufgeschraubt, erzielte aber letzte Saison im Schnitt nur 15,9 Punkte pro Partie. Er ist athletisch, kann zum Korb ziehen — 20 Punkte pro Spiel sind ihm durchaus zuzutrauen. Effektivere und konstantere Werte — als seine 14,5 Punkte pro Spiel — muss auch Myles Turner, der 2015 von der University of Texas gedraftet wurde, erzielen. Der ausgezeichnete Shotblocker hat großes Potenzial und wird als der neue Franchise-Player in Indianapolis angesehen.

Normalerweise geht ein Team in den Rebuild, wenn ihr Starspieler geht. Da auch Jeff Teague Indiana in Richtung Minnesota verlässt, wäre das der logischer Schritt. Doch der Kader wirkt mit Spielern wie C.J. Miles, Monta Ellis und Glenn Robinson III. zu solide für einen Neustart. Im schwachen Osten wird es vermutlich zu etwa 30 Siegen reichen. Die Pacers befinden sind nicht im Rebuild, dafür aber so weit von den Playoffs entfernt, wie New York von Los Angeles. Indiana ist im Niemandsland der Eastern Conference angekommen.

2. Wird die One-Man-Show zur Two-Man-Show?

31,6 Punkte, 10,4 Assists, 10,7 Rebounds — Russel Westbrook legte in der letzten Saison durchschnittlich ein Triple Double auf. Die One-Man-Show begeisterte sowohl die Fans in Oklahoma, als auch viele TV-Kommentatoren. So gewaltig und einzigartig diese Leistung auch sein mag, seine Mitspieler degradierte Westbrook zu Sparringspartnern. Es fehlte der zweite Star, der dem Guard mit der Nummer 0 auf dem Jersey einen Teil der Scoring-Last von den Schultern nimmt. Oladipo konnte diese Rolle nicht ausfüllen und wurde getradet.

Paul George kann der erhoffte Co-Star werden und daher ist dieser Trade für die Thunder ein Gewinn. “PG13” musste in Indiana sehr oft selber Würfe kreieren und den Ball nach vorne bringen. Er mag ein Superstar sein, Ballhandling gehört aber nicht zu seinen besten Fähigkeiten. Mit Westbrook hat er nun einen Partner, der eben das beherrscht und George kann sich voll und ganz auf seine Stärken konzentrieren.

Allerdings geht OKC mit dem Trade durchaus ein gewisses Risiko ein: Der Small Forward wird zwar für eine Saison lang auf die Probe gestellt, danach sieht es im Moment aber nicht so aus, als ob George sich auch länger an die Franchise binden wollen würde. Und für dieses Probejahr ist der Preis von zwei der jüngsten und besten Thunder-Talenten doch ein etwas höherer, als er im ersten Augenblick zu scheinen mag.

Durch diesen Trade werden die Thunder recht ordentlich aufgestellt sein. Die Scoring-Aufgaben sind verteilt, andere Teammitglieder können sich wieder mehr in den Fokus spielen. So etwa der Australier Steven Adams, der trotz Westbrooks Dominanz starke 11,3 Punkte pro Spiel erzielte und 7,7 Rebounds pflückte. Enes Kanter, André Roberson, Doug McDermott — die Playoffs werden die Thunder erreichen. Für ganz oben wird es nicht reichen, denn die obersten Plätze sind mit den Warriors, Rockets und Spurs fix vergeben. Eine Platzierung zwischen 6 und 8 ist aber durchaus realistisch.

[Foto: Michael Tipton/Flickr (OKC-Logo)/CC BY-SA 2.0/Tom Britt/Flickr (Paul George)/CC BY 2.0/Illustration von James P. Platzer]

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