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Mit diesen vier Tipps werdet auch ihr Formel-1-Experten

Dieses Wochenende kommt die Formel 1 wieder nach Spielberg. Mit diesen Tipps könnt auch ihr im nächsten Gespräch mitreden, ohne wirklich Ahnung zu haben

Mit diesen vier Tipps werdet auch ihr Formel-1-Experten 7. Juli 2017Leave a comment

stv. Ressortleiter Sport

Dieses Wochenende findet in Spielberg der 30. Grand Prix von Österreich statt, der wieder einmal tausende Motorsport-Fans anlocken wird. Für viele heimische Formel-1-Liebhaber ist der Red Bull Ring in der beschaulichen Gemeinde aus der Steiermark so etwas wie eine jährliche Pilgerstätte des schnellen Verkehrs.

Den 160.000 erwarteten BesucherInnen werden an drei Tagen nicht nur im Kreis fahrende Autos geboten, sondern auch jede Menge Partys und Paraden (unter anderem werden Seiler und Speer neben dröhnenden Motoren für einen erhöhten Lärmpegel sorgen).

Doch so viele das Rennen mit höchster Freude verfolgen — so vielen ist es schlichtweg egal, was dort passiert. Die Formel 1 hat sich zu einer bipolaren Sportart entwickelt. Entweder man liebt es und verfolgt jedes Rennen mit maximalem Enthusiasmus — oder man versteht den Sinn und Zweck dieses Ereignisses überhaupt nicht und hat maximal ein müdes Lächeln dafür übrig.

Doch das muss nicht so sein! Die Formel 1 könnte sich genauso zu einer allgemein akzeptierten Sportart mit Pseudo-Expertentum entwickeln, wie beispielsweise der Fußball.


MEHR: Warum wir nicht nur Fußball und Ski Alpin schauen sollten


Mit diesen praktischen Tipps wollen wir einen Anfang machen und euch den Einstieg in die mysteriöse Welt des Motorsports erleichtern, damit ihr bei der nächsten Diskussion auch mitreden könnt, ohne wirklich Ahnung zu haben. Dazu reicht es, sich an folgenden Grundregeln zu orientieren:

1. Am Ende gewinnen (fast) immer Dieselben

Wie in jeder anderen Sportart gibt es auch in der Formel 1 ein paar Akteure, die mit ihren Leistungen besonders herausstechenMomentan sind das der kleine blonde Deutsche mit dem roten Auto (Sebastian Vettel) und der kleine dunkelhäutige Brite mit dem silber-türkisen Wagen (Lewis Hamilton). Ein Sieg von einem der beiden ist sehr wahrscheinlich und wird in der Regel ohne Verwunderung hingenommen.

Falls jedoch — entgegen aller Erwartungen — ein anderer Fahrer das Rennen für sich entscheidet, wird es ein wenig knifflig. Aber keine Sorge, auch auf diese Situationen könnt ihr vorbereitet sein. Sollte ein dunkelblaues Auto mit rotem Bullen-Logo als erstes die Ziellinie überqueren, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder handelt es sich um einen sehr jungen niederländisch-belgischen Fahrer (Max Verstappen), dann sind Ausrufe wie “Mensch, ich wusste ja schon immer, dass der Bursche es draufhat” angemessen. Oder es ist ein italienisch wirkender Australier (Daniel Riccardo). In diesem Fall könnte ein Satz wie “Den Typen muss man echt auf der Rechnung haben” fallen.

Wenn hingegen der Finne Valtteri Bottas am Ende auf dem Siegertreppchen stehen sollte, kann man sich ruhig zu der Aussage “Vielleicht wird’s in der Gesamtwertung jetzt ja doch nochmal spannend” hinreißen lassen. (Aber Achtung, Spoiler: Wird es nicht!)

2. Unfälle sind nicht wünschenswert, aber spektakulär

Was das Rennen tatsächlich spannend und spektakulär macht, sind — so ehrlich muss man sein — Kollisionen und nicht zuletzt auch Unfälle. Nur sollte man sich strengstens davor hüten, dies auszusprechen. Falls ein Unfall passiert, ist es von enormer Wichtigkeit, zunächst die Sorge über das Wohlergehen des Fahrers kundzutun, bevor man die Action tatsächlich gewissenhaft genießen kann.

Viele ÖsterreicherInnen dürften das aus dem Skisport kennen. Auch dort können Stürze schlimme Folgen haben, wirken auf die Zuseherschaft aber auf jeden Fall aufmerksamkeitssteigernd. Ähnlich ist es bei der Formel 1, hier lebt der Sport sogar in gewisser Weise von der Gefahr.

Ein möglicher Satz unmittelbar nach dem Unfall: “Uiuiui. Ich hoffe, da ist nichts Schlimmeres passiert. Aber ich hoffe auch, dass sie diese Szene nochmal in der Super-Slo-Mo zeigen.”

Gerade beim kommenden Grand Prix in Spielberg ist Action garantiert. Auf der kurzen Strecke gibt es zahlreiche Höhenunterschiede. Bergab erreichen die Fahrer Geschwindigkeiten von bis zu 320 km/h, Überholmanöver sind also garantiert und natürlich auch erwünscht.

Auch der neue Formel-1-Boss Chase Carey hat gemerkt, dass es in dieser Sportart vielleicht ein bisschen mehr an Spannung benötigt. “Drama auf der Strecke, das wollen wir doch alle irgendwie”, sagte er, nachdem die beiden Spitzenreiter Vettel und Hamilton im letzten Rennen sich gegenseitig in die Autos crashten und überraschenderweise mal ein anderer gewonnen hat.

3. Seid ein Taktikfuchs

Ein anderer entscheidender Faktor, mit dem ihr euch unbedingt auskennen solltet, ist die Boxenstopp-Taktik und die damit verbundene Verwendung der verschiedenen Reifentypen. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Typen von Reifen — von ultrasoft bis hart. Mit den weicheren Reifen ist man schneller unterwegs, allerdings ist der Verschleiß auch höher, weshalb mehr Boxenstopps erforderlich sind.

Die Formel-1-Teams machen meist ein großes Geheimnis daraus, für welche Strategie sie sich entscheiden. Das gibt euch die Gelegenheit, Expertenwissen vorzutäuschen und jeden Reifenwechsel fachmännisch zu kommentieren. Mit Sprüchen wie “Na, ob das die richtige Entscheidung war?” oder “Also wenn das mal nicht nach hinten losgeht” seid ihr immer gut bedient.

4. Macht ein Trinkspiel draus!

Für diejenigen, die bis jetzt immer noch nicht davon überzeugt sind, sich von der Formel 1 begeistern lassen zu können, gibt es einen letzten Tipp: Das Trinkspiel! Zugegeben, in Anbetracht der Tatsache, dass das Rennen am Sonntag um 14:00 Uhr startet, könnte das für manch einen zur Herausforderung werden. Doch sein wir ehrlich, mit Alkohol werden selbst die langweiligsten Dinge spaßiger.


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Die Regeln sind natürlich variabel. Vorstellbar ist es, jedes Mal zu trinken, wenn bestimmte Worte seitens der Kommentatoren fallen. Sehr beliebte und häufig vorkommende Wortkombinationen sind in der Regel “Gelbe Flagge”, “Safety Car” oder auch “Toto Wolff”. Eine schöne Abwechslung ist auch der “simultane Boxenstopp”. Dabei ist es erforderlich, jedes Mal zur selben Zeit zu trinken, wenn ein Rennauto in die Box fährt.∗

Trotz allem sollte natürlich der Sport im Vordergrund stehen, weswegen parallele sportliche Betätigungen wünschenswert sind. Viele der Fahrmanöver lassen sich mit Schreibtischsessel, Bobby-Car und Co. sehr einfach im Wohnzimmer nachstellen. Doch bitte vergesst dabei nicht, für eure eigene Sicherheit zu sorgen und gelegentlich auch einen Boxenstopp einzulegen. Dann dürfte einem erfolgreichen und spannenden Formel-1-Nachmittag nichts mehr im Wege stehen.

∗Anmerkung des Autors: In einer früheren Version des Artikels hieß es fälschlicherweise “simultanes Tanken”. Seit 2010 gibt es in der Formel 1 jedoch ein Verbot von Tankstopps. 

Leonard auf Twitter: @leo_laurig

[Foto: Alan Klim/Flickr (TV)/CC BY 2.0/Cord Rodefeld/Flickr (Auto)/CC BY 2.0/Illustration von James P. Platzer]

stv. Ressortleiter Sport

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