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Gewinner und Verlierer des ereignisreichen NBA-Sommers

Welchen Teams sind die besten Moves für ihre Zukunft gelungen? Wem nicht? Und wer könnte es schaffen, Golden State den Titel streitig zu machen?

Gewinner und Verlierer des ereignisreichen NBA-Sommers 12. Juli 2017Leave a comment

Redakteur

Die vergangene Saison der National Basketball Association (NBA) ist erst seit ein paar Wochen vorbei, aber dennoch sind die Telefonleitungen der Spieler, General Manager und Agenten schon wieder am Glühen. Denn seit dem 1. Juli dürfen die 30 Teams mit den vertragslosen Spielern (Free Agents) über einen neuen Vertrag verhandeln.

Doch welchen Teams sind die besten Moves für ihre Zukunft gelungen? Wem nicht? Und wer könnte es schaffen, Golden State den Titel streitig zu machen oder zumindest mehr als nur ein Sparringspartner zu sein? kultort.at hat für euch die größten Gewinner und Verlierer des bisherigen NBA-Sommers 2017.

Verlierer: Eastern Conference

Der größte Verlierer der bisherigen Off-Season ist ganz klar der Osten. Seit der Post-Jordan-Ära haben die Teams aus dem Osten nur sechs der letzten 19 Meisterschaften gewonnen. Wobei bei drei davon ein gewisser LeBron James beteiligt war. Aus diesem Problem, dass die Eastern Conference immer schwächer wird, resultiert natürlich auch, dass der Westen immer stärker wird.

In dieser Free-Agency haben mit Paul George, Jimmy Butler, und Paul Millsap drei All-Stars aus dem Osten in den Westen (freiwillig oder auch nicht) gewechselt. Im Gegenzug kam mit Gordon Hayward nur einer aus der Western in die Eastern Conference. So schlecht, so recht. Doch die drei in den Westen gewechselten All-Stars waren zudem die alleinigen Stars ihrer jeweiligen Teams. Und Hayward wechselte ausgerechnet nach Boston, dem Team, das bereits vor diesem Transfer als die zweitbeste Mannschaft im Osten angesehen wurde.

In der Eastern Conference befinden sich daher nur noch fünf Teams, mit denen man fix in den Playoffs rechnen kann: Cleveland, Boston, Toronto, Washington und Milwaukee. Die anderen Mannschaften, die es letztes Jahr in die Post-Season schafften, sind mit ihren Moves von Playoff-Anwärtern in den Rebuild-Modus gewechselt.

Gewinner: Philadelphia 76ers

Das “Trust the Process”-Team aus Pennsylvania dürfte nach Jahren des Rebuilds endlich angekommen sein. In der bisherigen Off-Season hat “Philly” wieder einmal die richtigen Moves gemacht.

Durch diesen Trade hatten die Sixers von Boston den ersten Pick für den Draft am 22. Juni ergattert und konnten sich somit mit Markelle Fultz ihren Wunschspieler sichern. Fultz gilt als eines der besten Point-Guard-Prospekte aus dem diesjährigen Draft und soll sich mit Ben Simmons die nächsten Jahre den Spielaufbau teilen.

So hat es Philadelphia mit ihrer Philosophie der letzten Jahre geschafft, eines der jüngsten und talentiersten Teams der NBA aufzubauen. Und trotzdem haben sie noch genügend Gehaltsspielraum für Free-Agent-Verpflichtungen, denn mit J.J. Redick und Amir Johnson folgten zwei schlaue Moves. Auch wenn beide für hohe Konditionen unterschrieben, laufen ihre Verträge im nächsten Jahr aus. Zusammengerechnet haben die beiden “Veteranen” schon 25 Jahre in der Liga verbracht. Sie sollen den jungen Talenten ein Vorbild sein und die Newcomer mit ihrer Erfahrung unterstützen.

Das Hauptproblem der 76ers ist allerdings, dass die Starting-Five aus Fultz, Redick, Simmons, Dario Šarić und Joel Embiid noch kein einziges Spiel gemeinsam abolviert hat. In der Theorie — solange alle vom Verletzungspech verschont bleiben — muss man in der kommenden Saison trotzdem mit den jungen Sixers als Playoff-Anwärter im Osten rechnen.

Verlierer: Dwyane Wade

Mit einem Mann Mitleid zu haben, der knapp 24 Millionen US-Dollar verdient, indem er das macht, was er liebt, klingt vielleicht etwas schräg — die Situation von Dwyane Wade in Chicago verleitet aber fast dazu. Nach dem Playoff-Aus gab er bekannt, seine Spieleroption für das nächste Jahr zu ziehen, um noch ein Jahr gemeinsam mit Jimmy Butler bei den Bulls zu spielen.

Jetzt ist Jimmy in Minnesota und Wade steht ab Herbst mit seiner Karriere in den Trümmerhaufen einer Franchise. Mit 35 Jahren in einem Rebuild-Team zu spielen, das hatte der Shooting Guard zu Beginn seiner Karriere wohl nicht im Sinn.

Gevatter Zeit zeigt bei Wade langsam auch schon seine Spuren. Er ist nicht mehr “The Flash” aus seinen vergangenen Tagen, auch wenn er in dem ein oder anderen Spiel noch aufblitzt. Bei einem Contender könnte er im Meisterschaftsrennen aber noch behilflich sein. Wenn er sich auf den Rebuild mit den Bulls einlässt, vergeudet Wade so nur seine letzten produktiven Jahre, in denen er vielleicht noch den einen oder anderen Ring gewinnen könnte.

Eigentlich wäre es ihm zu wünschen, dass er noch gemeinsam mit seinen “Bananenbot-Buddys” in einem Team aufläuft. So könnte er zumindest mit erhobenen Hauptes in den Sonnenuntergang reiten.

Unschlüssig: Houston Rockets

Mike D’Antoni hat es in seinem ersten Jahr in Houston geschafft, ein offensives Feuerwerk abzubrennen. Er switchte seinen einzigen Superstar James Harden auf die Point-Guard-Position und dieser dankte es ihm mit seiner bisher besten Regular Season. Daryl Morey, General Manager der Rockets, hat solide Rollenspieler rund um seinen All-Star gepackt und somit eines der besten Systeme der gesamten Liga kreiert: Platz 3 in der Western Conference, zweitbeste Offensive der NBA, die meisten getroffenen Dreier in einem Spiel und noch viele Rekorde mehr.

Vor dem Sommer ging man noch davon aus, dass sich Houston nur mit kleineren Personalwechseln verbessern würde, die die perfekten Ergänzungen für diesen Spielstil wären. Doch dann der Chris-Paul-Trade.

Solide Rollenspieler, die aber genau wussten, was ihre Aufgabe im Team war, wurden durch einen der besten Point Guards aller Zeiten ersetzt. Eigentlich ein No-Brainer, sich um Chris Paul zu bemühen, gewschweige denn, ihn zu verpflichten. Die Houston Rockets und Chris Paul sind aber so eine Sache. Wie passt er ins System von D’Antoni? Wie wird der Spielaufbau mit Harden und “CP3” genau vonstattengehen? Und schafft es der Coach, Hardens Ego nach so einer starken Saison wieder etwas zurückzuschrauben?

Im Endeffekt kann man nur abwarten und beobachten, ob dieser Trade top oder flop sein wird.

Gewinner: Oklahoma City Thunder

Einige General Manager der anderen 28 NBA-Teams haben sich wohl verwundert die Augen gerieben, als der Trade von Paul George von den Indiana Pacers zu den Oklahoma City Thunder bekanntgegeben wurde.

Knapp und einfach gesagt: Mit diesem Trade hat Sam Presti, GM der Thunder, einen wahren Geniestreich abgeliefert — selbst, falls George nach diesem Jahr schon wieder “Arrivederci!” sagen sollte.

Was dieser Trade nun tatsächlich für die Thunder sowie auch für die Indiana Pacers (großer Verlierer!) bedeutet, soll jetzt hier ins größte Detail gar nicht illustriert werden, denn das haben wir hier auf kultort.at bereits gemacht:


MEHR: Paul George zu den Thunder — der Westen wird noch stärker


Gewinner: Golden State Warriors

Der amtierende Meister ging mit einigen Baustellen in die Free-Agency. Nicht nur, dass die Verträge ihrer Superstars Stephen Curry und Kevin Durant ausliefen, sondern auch wichtige Rollenspieler wie Andre Iguodala und Shaun Livingston waren auf dem Markt frei verfügbar.

Doch die Verantwortlichen in der Bay Area haben es geschafft, das Championship-Team zusammenzuhalten. Nicht zuletzt auch den Finals-MVP Kevin Durant, der im neuen Vertrag auf mehrere Millionen verzichtet.


MEHR: Kevin Durant und die Warriors: Die Geburt eines Überteams?


Zudem schaffte es Golden State sogar noch, ihre ohnehin bereits hervorragende Bank mit Omri Casspi und Nick Young upzugraden. Beide passen perfekt in das Warriors-System, sind beide solide bis gute Shooter von der Dreipunktelinie und können mit ihrer Größe mehrere Positionen verteidigen. Außerdem wurde noch in der Draft-Nacht mit Jordan Bell eine Light-Version von Draymond Green verpflichtet — und ein Draymond-Green-Spielertyp kann nie schaden.

Und weil der bisherige NBA-Sommer wirklich einer der ereignisreichsten seit langem war, sind hier noch ein paar weitere Gewinner und Verlierer:

Gewinner: Brooklyn Nets, Minnesota Timberwolves

Verlierer: Cleveland Cavaliers, Chicago Bulls, Indiana Pacers, New York Knicks

Unschlüssig: Boston Celtics, Sacramento Kings

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[Foto: Tom Britt/Flickr (Paul George)/CC BY 2.0/Keith Allison/Flickr (Chris Paul)/Flickr (Dwyane Wade)/CC BY-SA 2.0/Illustration von Simon Eder]

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