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‘Game of Thrones’, Episode 1: Der Kampf um Westeros rückt näher

Obwohl es einige Schwächen in der ersten Episode "Dragonstone" gab, schaffte es 'Game of Thrones' eine gute und konstante Folge zu liefern

‘Game of Thrones’, Episode 1: Der Kampf um Westeros rückt näher 18. Juli 20172 Comments
Achtung! Im folgenden Artikel befinden sich Spoiler zu der Serie Game of Thrones, die bis zu Staffel 7, Episode 1 reichen. 

Was haben wir gewartet. Wie groß war die Vorfreude. Mit dem Beginn der neuen Staffel war es erstmals möglich, in Europa eine HBO-Serie sogar gleichzeitig zur amerikanischen Prime-Time zu sehen. Getan, gemacht. Aber ist “Dragonstone”, die erste Episode, auch wirklich gelungen?

Neue Ziele — neue charakterliche Hürden

Wie schon in diversen Interviews angekündigt, startete die Serie mit einer unglaublich schnellen Erzählzeit in die vorletzte Staffel. Das erste bekannte Gesicht ist Walder Frey und schnell wird klar, wie sein Fest auf den Twins enden wird. Zwar war die Auslöschung der Freys ziemlich vorhersehbar, aber wer wird sie auch vermissen? Vor allem zwei Personen stehen vor einer wichtigen Weiterbildung ihrer Charaktere.

In der Szene auf den Twins war insbesondere der Aufbau des Charakters von Arya Stark entscheidend. Sofort hoffte man nach dem Slogan “The North Remembers” auf die Rückkehr nach Winterfell. Die Wiedervereinigung wird aber auf sich warten lassen müssen, da sie in ihrem Blutrausch gleich nach King’s Landing reisen und die neue Queen lynchen möchte. Arya scheint eine wesentliche Storyline der 7. Staffel zu werden — vor allem ihre Schizophrenie zwischen “No One” und ihr selbst. 

Auch Jon Snow widerfährt eine neue Ausgangsposition als King of the North. Sollte er die Umbers und Karstarks trotz ihres Verrats freisprechen? Laut Jon ist man im Kampf gegen die White Walker auf jeden Nordmann angewiesen. “You have to be smarter than father, you need to be smarter than Robb. I loved them, i missed them, but they made stupid mistakes and they both lost their head for it.” Ned war ein Held. Robb war ein Held. Aber beide starben aufgrund ihrer Naivität oder ihres übermäßigen Stolzes. Wie Jon diese Schwierigkeit überwinden wird, wird sich in den nächsten Folgen zeigen.

Ein Kontinent — etliche Konfliktpunkte

Gingen die Produzenten am Anfang noch ein sehr hohes Erzähltempo, so verlangsamte sich dieses sukzessive. Hier bedarf es natürlich viel Storytelling, um so die folgenden Staffeln aufzubauen. Teils grandios, teils eher unlogisch (dazu kommen wir gleich). Im Norden kommt es zu einem Zwist zwischen Jon und Sansa Stark. Auch wegen der Begnadigung, die Jon den Verrätern erteilt. Doch jemand, der in dieser Folge eher wenig Screentime bekam, könnte im Norden noch ein potenzielles Chaos verursachen, das ihn als Leiter zur Macht verhelfen würde.

Immer wieder schwenkte die Kamera bei dem Schlagabtausch zwischen Jon und Sansa zu Petyr Baelish, besser bekannt als Littlefinger. Jemand, der durch das Chaos bis zum Iron Throne hochsteigen möchte, lacht sich aufgrund der Streitigkeiten eins ab. Obwohl Sansa mittlerweile in den Konversationen recht ebenbürtig erscheint und glaubt, seine perfiden Machtspielchen durchschauen zu können, wird Lord Baelish voraussichtlich das Damoklesschwert zwischen Jon und Sansa sein.

Aber nicht nur im Norden, sondern auch in King’s Landing ist die alliierte Truppenstärke eine der wichtigsten Themen. Feinde im Osten, Süden, Westen und Norden. Als Queen der Sieben Königreiche (oder sind es mittlerweile nur noch drei, oder zwei?) bereitet sich Cersei mit ihrem Bruder Jaime auf die Kriege vor.

Schafft es Euron Greyjoy, sich seinen Kindheitswunsch zu erfüllen? Den Kindheitswunsch, mit der schönsten Frau verheiratet zu sein. Recht unlogisch, dass Cersei sein Angebot ablehnte, da sie sonst militärisch komplett unterlegen ist. Aber es gilt abzuwarten, welches Geschenk Euron Cersei überreichen will. Seine Armada aus 1.000 Schiffen könnte die Odds jedenfalls ausgleichen.

Zwei Logikfehler

Neben dieser Fehleinschätzung Cerseis gibt es jedoch auch noch weitere unlogische Handlungsstränge, die sich in dieser Episode manifestierten. Allen voran ist es die Tatsache, wie einfach es für Daenerys ist, sich auf Westeros niederzulassen. Als sich Jaime mit Cersei unterhält, weiß er schon, dass der erste Stop von Khaleesi auf Dragonstone ist. Bei der Ankunft ist jedoch die ehemalige Festung von Stannis unbemannt. Der erste Schritt zur Eroberung des Eisernen Throns ist somit schon geebnet — von der gleichen Burg, wovon schon Aegon, der Eroberer seine Unterwerfung von Westeros begonnen hatte.

Grund hierfür könnte jedoch sein, dass für Staffel 7 die Geldmittel sehr zielgerichtet eingesetzt wurden. Indem in der ersten Folge keine einzige Kampfszene inszeniert wurde, könnte das restliche Budget auf die Schlachten verteilt werden, die uns noch erwarten. Die Trailer haben uns jedenfalls Glauben für legendäre Schlachten gegeben.

Ein weiterer Denkfehler der Folge war, wie Sam im Buch liest, dass sich in Dragonstone jede Menge Drachenglas befindet. Als Sam diese neue Erkenntnis in Erfahrung bringt, schickt er umgehend einen Raben zu Jon. Im Kampf gegen die White Walker ist diese Erkenntnis extrem wichtig. Jedoch müsste es Sam schon seit der fünften Staffel wissen, da Stannis es ihm auf Castle Black mitteilte.

Unnötige Lückenfüller

Generell war der Handlungsstrang von Sam in der ersten Episode enttäuschend. Vor allem die unnötige Länge, mit der die Arbeit von Sam gezeigt wurde, widerspricht der ursprünglichen Darbietung von Game of Thrones. Zum einen ist die Darstellung für die Geschichte komplett sinnlos, zum anderen wirkte der Kameraschnitt sehr ideenlos. Eine Szene mit solcher Sinnlosigkeit, die in Game of Thrones sehr selten zu finden ist.

Des Weiteren war auch die Szene mit Ed Sheeran und den Lennister-Soldaten zu langwierig und teils unnötig. Der britische Singer-Songwriter wird sich sicher über die Screentime gefreut haben, ein Cameo einer so bekannten Person bringt aber immer die Gefahr mit sich, dass das Publikum die imaginäre Welt für einen Moment verlässt und sich sozusagen nur auf den Promi konzentriert. Singen kann er ja, aber aus Storyline-technischer Perspektive kann man diese Entscheidung der Produzenten durchaus als Fehler bezeichnen.

Lobenswerte Handlungsstränge

Bisher gab es sicherlich schon bessere GoT-Folgen, jedoch kann auch hier von einer gelungenen Episode gesprochen werden. Vor allem die klassischen Show-Runner rundeten die Episode ab. Die junge Lyanna Mormont schaffte es mit ihrer imposanten Art, die Nordmänner von Jon Snows Plänen zu überzeugen. Die einseitige Lovestory zwischen Tormund und Brienne ging durch den genialen Blick Tormunds in die nächste Runde.

Der Charakter, der den besten Auftritt in dieser Episode hatte, war der Hound. Mit der Bruderschaft ohne Banner könnte er mit dem Roten Gott letztendlich doch zu seiner Religion gefunden haben.

Ruhe vor dem Sturm?

Die Szene, die jedoch am meisten im Gedächtnis geblieben ist, bleibt die Ankunft von Daenerys in Dragonstone. Mit der klassischen Targaryien-Hymne fährt die Streitmacht von “Dany” ein. Für viele GoT-Fans ein Gänsehautmoment. Zwar hätte man sich mehr Screentime von Daenerys erwartet, doch vielleicht ist die großteils zurückhaltende Art der Episode auch nur die Ruhe vor dem Sturm — der Titel der nächsten Folge lautet auf jeden Fall “Stormborn”.

Christian auf Twitter: @ch_haslinger9

[Foto: Illustration von Simon Eder]

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