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Interview & Video: Die neue Single von Gab & Gal

Anlässlich des Release der neuesten Single "Revenge Of The Pope" von Gab & Gal haben wir uns mit den Namensgebern über ihre Musik unterhalten

Interview & Video: Die neue Single von Gab & Gal 20. Juli 20171 Comment

Anlässlich des Release der neuesten Single “Revenge Of The Pope” der österreichischen Band Gab & Gal haben wir uns mit den Namensgebern Christoph “Gal” Gallaun und Gabriel “Gab” Hehle über ihre Anfänge in Vorarlberg, ihre Weiterentwicklung als Band und ihre Zukunft unterhalten.

kultort.at: Zu Beginn für Menschen, die euch noch nicht kennen. Wie würdet ihr euren Sound beschreiben?

Gab: Ehrlich gesagt ist unser Sound in einem stetigen Wandel, jedoch bleibt unser Kern aus Singer/Songwriter-Elementen immer noch gleich. Wir entwickeln uns ständig weiter und das tut auch unsere Musik. Deshalb wird das neue Album mit mehr Erfahrung geprägt sein.

Gal: Um eine klischeehafte Definition zu nennen: Wir machen Pop-Musik mit Rockelementen. Eine stilistische Zuordnung oder die sogenannte “Schubladisierung” möchten wir unseren Zuhörern überlassen. Aurora [erstes Album] hatte noch mehr das Image eines Singer/Songwriter-Albums. Ich glaube, bei unserer Musik lösen sich musikalische Grenzen auf, vieles verschwimmt ineinander. Bei Genres klare Grenzen zu ziehen, halte ich für nicht sinnvoll.

Aus zwei Jungs zu Beginn wurden mittlerweile fünf und ihr habt euch Felix Kraxner, Matthias Kollos und Simon Radoczai als Verstärkung ins Boot geholt. Wie wichtig war dieser Schritt für eure musikalische Entwicklung von einem Duo zu einer Band?

Gab: Ich finde, dass es mir bzw. uns sehr geholfen hat, unseren Sound zu erweitern. Man könnte sagen, dass die drei die musikalische Skizze wirklich sehr gut vervollständigen.

Gal: Soweit ich das sagen kann, hat es die größten Auswirkungen sicherlich auf der Songwriting-Ebene gegeben. Das erste Mal wurde wirklich zusammen an Songs gefeilt, vieles ausprobiert und auch viel untereinander besprochen. Die Songs sind im Gesamtprodukt voller und die Synergien der Instrumente deutlich hörbar. Wir alle haben unseren Nutzen daraus gezogen. Der Schritt, von einem Duo zu einer Band zu werden, hat sich gelohnt. Zusammen ist es eh viel schöner.


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Ende des Jahres kommt euer neues Album. Was kann man sich erwarten? Schlagt ihr eine neue Richtung ein oder bleibt ihr eurem gewohnten Sound treu?

Gab: Man kann sehr viel erwarten — ich bzw. wir tun das auch. Wir haben uns jetzt ein bisschen Zeit nehmen können, das musikalische Grundkonstrukt zu erarbeiten. Dazu haben wir uns auf einer Hütte in Damüls [Bregenzerwald] eine Woche lang eingeschlossen, um wirklich fokussiert daran zu arbeiten. Es galt, meine Reise nach Island und Europa musikalisch und textlich umzusetzen und dem Hörer näherzubringen. Das Album ist ein Konzeptalbum. Die Texte sind aus meinem Reisetagebuch entstanden. Es wird ein ganz persönliches Album werden und deshalb wird der Horizont auch musikalisch erweitert, sprich mehrere Instrumente, die in die Lieder einfließen.

Gal: Im Vorhinein, also bevor wir uns auf dem Weg in den Bregenzerwald machten, haben wir uns viel Wandern und Spazieren vorgenommen. Ich kann mich im Nachhinein allerdings an nur einen Spaziergang erinnern, der etwas länger als 30 Minuten dauerte. Auf was ich hinaus will, ist, dass wir wirklich keine Zeit fanden, uns von der Hütte zu entfernen, da noch so viel Arbeit vor uns lag. Das frühe Aufstehen wurde auch strikt eingehalten. Um 9:00 Uhr waren wir wieder im eingerichteten Studio in einem geräumigen Wohnzimmer, wo wir die Arbeit an den Demos fortsetzten. Die frische Bergluft tat zwischendurch auf jeden Fall gut. Bei der neuen Platte kann man keinen Fehlgriff machen. Es erwartet euch eine sehr zeitintensive, eigenständige und leidenschaftliche Produktion aus dem Ländle.

Gestern war der Release eurer ersten Single vom neuen Album. Warum wurde es genau dieser Song? Was macht ihn so besonders für euch?

Gab: Er ist sehr eingängig. Wir haben uns für diesen Song entschieden, da er einer der ersten Songs war, die wir eingespielt und auch präsentiert haben. Meiner/Unserer Meinung nach kam der Song sehr gut an. Das ist der Grund, warum wir uns dafür entschieden haben. Für mich ist dieser Song persönlich wichtig, da er zeigt, wie viel Inspiration aus nur wenigen Sekunden des Lebens geholt werden kann. Ich hatte mich mit einem alten Kumpel auf ein Bier getroffen und er hat mir das Nachtleben in Berlin gezeigt. Ich war ein wenig fasziniert, wie das ganze Geschehen um mich ablief und das will ich ein bisschen in diesem Song wiedergeben.

Gal: Bei “Revenge Of The Pope” waren wir am Anfang mit der Songstruktur nicht zufrieden. Irgendetwas fehlte, der Song führte auf irgendeine Weise in ein Loch, aus dem er nicht mehr herausfand. An einem Nachmittag begab sich der Rest der Band auf die Terrasse für eine kurze Verschnaufpause. Gab und Mats transformierten den Song innerhalb von 15 Minuten so, dass auch die Struktur passte. Wir kamen zurück ins Studio zurück und waren schlichtweg verblüfft. Das ist sicherlich einer der schönen Momente, auf den wir gerne zurückschauen. Beim Auswählen, welcher Song es denn für die erste Single werden soll, haben wir nicht wirklich lange nachgedacht. Jedenfalls wurde in keinem Augenblick darüber diskutiert, welcher Song es denn werden soll. Eine Menge Bauchgefühl war auf jeden Fall dabei. Man merkt das auch beim Live-Spielen, ob eine Single-Qualität vorhanden ist oder eben nicht. Über ein Ohrwurm-Potential verfügt der Song auch.

Vor einem Jahr ging eurer letztes Album online. Was habt ihr seitdem gelernt?

Gab: Ich habe gelernt, dass wir sehr treue ZuhörerInnen haben. Deshalb ist es umso schöner, dass wir ihnen endlich wieder etwas geben können, an das sie sich erfreuen können. Etwas, das noch persönlicher ist.

Gal: Ich habe eine Menge im Editing- bzw. Aufnahmeprozess gelernt. Bei Aurora war die Produktion noch etwas unorganisiert. Beim neuen Album gab es einen konkreten Plan für die Umsetzung. Man hielt sich strikt an den Plan, der dann immer weiter ausgearbeitet und erweitert wurde. Das Wesentliche ist wohl, dass wir uns genug Zeit ließen. Das Album war eigentlich für Februar geplant, doch wir waren nicht wirklich zufrieden mit dem ersten Ergebnis. Uns hetzen wollten wir schon gar nicht. Nun hat sich doch alles zehn Monate verschoben, jedoch hat das, was noch fehlte, endlich Form angenommen. Das Bandgefüge hatte so noch mehr Zeit sich zu entwickeln.

Felix und ich haben viel am Zusammenspiel gearbeitet. Wir kleben jetzt förmlich zusammen. Es macht spürbar mehr Spaß, wenn ein Projekt stetig weiterwächst und nicht auf der Stelle tritt. So war es bei uns der Fall in den letzten Monaten. Auch wenn diese Schritte, über kurze Zeit gesehen, etwas schleppend und fordernd waren, war es rückblickend die richtige Entscheidung, uns mit dem neuen Album Zeit zu lassen.


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Wie kam es zu dem neuen Album? Wie gestaltete sich dieser Entstehungsprozess?

Gab: Wie schon erwähnt, hatte ich mich dazu entschlossen alleine auf den Weg zu gehen. Ich startete in Island und kämpfte mich von Schottland quer durch Europa durch. 40 Tage konnte ich Tag für Tag Neues erleben und niederschreiben. Ich zog einzelne Tage, Stunden, Momente in Betracht, segmentierte sie heraus, legte sie so zusammen, dass ein Textmosaik entstand, das ich für ideal hielt, und untermauerte sie mit landschaftstypischen Melodien. So entstanden die Lieder und wir verschanzten uns eine Woche lang in der kleinen Hütte, um an den Demos zu arbeiten. Kurze Zeit später nahmen wir dann in Gals Keller das Album auf. Seitdem befindet es sich selbst auf einer Reise, die im Dezember endlich zum Schluss kommt und mit den Menschen geteilt werden kann.

Gal: Wichtig war mir bei der Produktion, dass das Album ein hohes Produktionslevel besitzt, aber nicht zu “überproduziert” klingt, sprich erdig und ehrlich bleibt, ohne den großen Produktions-Schnickschnack. Der Spagat zwischen perfekter Produktion und ehrlicher, bodenständiger Musik ist so recht schwierig. Wir wollten die Songs nicht zu irgendwas zusammenstückeln.

Könnt ihr uns schon was über die Message des neuen Albums erzählen? Was wollt ihr eurem Publikum vermitteln?

Gab: Das Schönste auf der Welt kann irgendwo da draußen liegen. Du lernst so viele Situationen kennen, die dich am meisten kennenlernen lassen.

Ihr spielt dieses Jahr wieder am poolbar-Festival in Feldkirch, Vorarlberg. Wie wichtig ist es, auch in der Heimat aufzutreten?

Gab: Es ist für uns eine Basis, die uns jedes Mal mitteilt, dass es sich lohnt, sich musikalisch preiszugeben. Wir spielen wirklich sehr gerne in der Heimat und deshalb freuen wir uns, dass wir endlich an diesen Orten spielen können.

Gal: Für uns ist es immer wieder schön, in Vorarlberg zu spielen. Heuer spielen wir im Duo. In der Heimat sind unsere Konzerte recht gut besucht, mit einer feinen Fanbase. Das poolbar-Festival ist eine wunderschöne Veranstaltung, die wir selber nur zu gerne besuchen. Die Bandbetreuung, das Booking und die Organisation sind wirklich klasse. Sie agieren auch bei lokalen Bands auf einem professionellen Niveau. Ich hoffe, dass das poolbar-Festival noch eine ganze Ewigkeit besteht.

Diesen Sommer sind die Jungs von Gab & Gal noch an folgenden Locations live zu sehen:

  • 22. Juli — Bunt Bar Feldkirch
  • 26. Juli — poolbar-Festival
  • 18. August — Marktplatz Dornbirn
  • 26. August — Hafenfest Bregenz

Anmerkung der Autorin: Dieses Interview wurde schriftlich durchgeführt.

Tamara auf Twitter: @tamara_vie

[Foto: Simon Radoczai/Illustration von Marcel Weld]

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