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‘Game of Thrones’, Episode 3: Wenn Eis auf Feuer trifft

Die Verdichtung der Handlungsstränge und ein weiterer Anstieg des Erzähltempos machen "The Queen's Justice" zu einer sehr gelungenen Episode

‘Game of Thrones’, Episode 3: Wenn Eis auf Feuer trifft 1. August 20171 Comment

stv. Ressortleiter Popkultur

Achtung! Im folgenden Artikel befinden sich Spoiler zu der Serie Game of Thrones, die bis zu Staffel 7, Episode 3 reichen. 

Man mag es beinahe nicht glauben, aber wir nähern uns mit Episode 3 “The Queen’s Justice” schon in Windeseile der Mitte der gerade erst erschienenen siebten Staffel der schon jetzt so legendären Kultserie Game of Thrones. Dementsprechend verwundert es uns kaum, dass die Showrunner David Benioff und D.B. Weiss wie in den vorangehenden Episoden das Erzähltempo relativ hochhalten und sich nicht davor scheuen, einen Handlungsstrang mit dem anderen zu verschmelzen.

Das Treffen, auf das wir alle gewartet haben

Und so beginnt die Folge mit jenem Aufeinandertreffen, das bereits seit gefühlt hundert Episoden sehnlichst herbeigewünscht wird. Ja, endlich trifft Feuer auf Eis, wie es die rote Priesterin Melisandre so schön beschreibt, als sie von Varys ins Kreuzfeuer genommen wird. Das mit dem “ins Kreuzfeuer nehmen” scheinen sich zu Beginn der Episode so einige vorgenommen zu haben.

Man könnte meinen, “Dany” selbst verkörpert das Eis, als sie in ihrer kalten Halle Jon Snow und Ser Davoos Seaworth empfängt und ihnen den ewig langen Titelmonolog vortragen lässt, der auf Twitter und Co. ständig mit Starbucks-Bestellungen in Verbindung gebracht wird.

Nichtsdestotrotz schreckt auch Jon nicht zurück und feuert ordentlich contra, sodass Daenerys sogar einmal kurz einsichtig erscheint und die Taten ihres Vaters nicht auf sich zurückführen lassen will: “Do not judge a daughter by the sins of her father.” Ein Spruch, den sich alle anwesenden Charaktere (außer vielleicht Jon) zu Herzen nehmen dürften.

Und dennoch scheint uns diese so kalte “Dany”, die immer Autorität auszustrahlen versucht, abweisend, kühl und arrogant. Wie heißt es noch? “Immer wenn ein Targaryen geboren wird, werfen die Götter eine Münze.” Bei dem Inzuchtfanatismus des legendären Herrscherhauses wären gleichseitige Münzen allerdings kein Wunder mehr.

Das sture Blut der Targaryns

Das für Jon eigentlich lächerliche Machtspiel der Häuser Westeros‘ untergräbt er mit der wahren Gefahr, die wir alle schon so oft vor Augen hatten, für Daenerys, Tyrion und Co. aber eigentlich in weiter Ferne liegt. “I am not your enemy”, sagt er und verweist auf den einzigen Feind, der wirklich zu fürchten ist. Nicht etwa der neue Wahnsinnige (Euron Greyjoy) oder die intrigante Cersei. Nein, wir reden natürlich immer noch von den White Walkers und deren Anführer, dem Night King.

Vom Nachtkönig will Daenerys aber nichts wissen. Sie spielt das klassische “Was ich nicht alles durchmachen musste”-Spiel mit Jon, dessen Schwester vergewaltigt, seine Eltern aufgeschlitzt und geköpft und sein Bruder vor ihm erschossen wurden. Dem nicht genug, pusht sie ihr Ego, wie es selbst ein Usain Bolt nicht machen würde — und das gegenüber einem, der die Nachtwache vor tausenden Wildlingen beschützt hat und sogar von den Toten auferstanden ist. Das Angeben übernimmt daraufhin Daavos für Jon. “Dany” bleibt trotzdem stur und das Gespräch verschiebt sich, weil Varys das wohl erste Mal in seinem Leben ein paar Schritte gelaufen ist und die Hiobsbotschaft überbringt, dass die Flotte der Greyjoys mit den Sandsnakes an Bord wortwörtlich über Bord gegangen ist.


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Feiern in der Hauptstadt

Einer ging sogar freiwillig von Bord: Theon. Er lebt, wird rettend auf ein neues Boot gehievt und sofort von dem hiesigen Kapitän als Feigling entlarvt. Sein Handlungsstrang wird wohl wirklich nicht mehr heldenhafter.

Umso heldenhafter wird sein sich sorgender Onkel Euron in King’s Landing gefeiert. So schleift er doch sein versprochenes Geschenk in Form von Cerseis Feindinnen in Ketten durch die Königsstadt. Wie Hunde trotten Asha Greyjoy, Ellaria Sand und deren Tochter Tyene hinter dem feiernden Kraken hinterher. Cerseis ehemaliger “Walk of Shame” wird zu Eurons “Walk of Pride” und er erhält, was er gewünscht. Die Allianz mit der Königin, aber noch nicht deren Hand. Diese verspricht Cersei ihm, sobald der Krieg zu Ende ist, gibt jedoch wenig später ihrem Bruder und Gspusi Jaime Lippenbekenntnisse und gewährt ihm, was der sich eigentlich immer wünschte: Das Nachaußentragen ihrer heiß lodernden Zwillingsliebe.

© Sky/HBO
© Sky/HBO

In King’s Landing bekommt also jeder, was er oder sie sich wünscht. Selbst die ehemalige Queen Mother darf sich im Glück baden. Denn wie der Episodentitel verspricht, erfährt sie Gerechtigkeit, auch wenn wir es eher als Rache deuten. In gewohnt wortgewandter Manier foltert sie ihre Gefangenen sprachlich wie auch körperlich, tötet im Voraus Ellarias Tochter, nachdem sie der schon sagte: “I thought about having Ser Gregor smashing your skull, the way he did Oberyn’s. Would be poetic, but fast, too fast.”

Außerdem gibt es noch ein Zuckerl für alle Cersei-Fans: Mycroft Holmes aka Tycho Nestoris, Repräsentant der Iron Bank und somit auch einer der einflussreichsten Gilden des Kontinents, scheint ebenso wenig Interesse an Daenerys Auflösung der Sklavenbucht zu haben wie alle Altschwäzer hierzulande über die Einführung des Euros und schlägt sich wohl auf die Seite der Königin.


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Der kalte Norden wärmt das Herz
© Sky/HBO
© Sky/HBO

Zurück nach Dragonstone, denn da passiert es dann doch noch: Daenerys und Jon Snow kommen sich näher. Auch weil Tyrion das macht, was er am besten kann: Diplomatie mit einer Prise Humor und der fein ausformulierten Wahrheit, der moralischen Richtigkeit. Nur er schafft es, die beiden Extremen aufeinander abzustimmen. Es kommt also doch noch zum Big Deal zwischen Feuer und Eis, weil in Game of Thrones der tatsächliche Kompromiss anscheinend nur mehr im ehrlich geführten Dialog funktioniert.

All den Dialog und seine teilweise lähmende, erzählerische Wirkung bricht dann so oft die Emotion. Denn genau das ist eine der unglaublichen Stärken von Game of Thrones. Wenn lang gezogene Diplomatie die Erzählung hemmt, benötigt es ein Gefühl. In Form von Lust, Ekel oder Hass, aber auch manchmal in Momenten der Zuneigung. Und so sind uns doch allen die Tränen in die Augen gestiegen, als Bran ein nüchternes “Hello Sansa” über die Lippen bringt und die drückende, musikalische Untermalung das Ganze in einen Rausch aus tiefsitzender Nostalgie und dem Empfinden von Freude steigert.

Bran ist für Sansa nun natürlich ein ganz anderer Mensch geworden, sie versteht nicht, was der Three Eyed Raven symbolisiert. Sie versteht nicht, dass ihr kleiner Bruder nun das gesammelte Wissen eines Tausendjährigen verfügt. Außerdem weiß er als einziger von Jon Snows (vermuteter) wahrer Herkunft, als Halb-Targaryn. Oder haben dies auch die Drachen gespürt, als sie über seinen Kopf gerauscht sind, just in dem Moment als er sich mit “I am not a Stark” outete?

Der eine Stein geht, der andere kommt

Man kann sagen, was man will, aber Samwell Tarly ist einfach ein Herzblatt. Nachdem der Maester in spe den armen Jorah von seiner ekligen Hautkrankheit befreien konnte, verabschieden die beiden sich und mit dem symbolischen Händeschütteln steigen uns erneut beinahe Tränen in die Augen. Nichtsdestotrotz muss Sam wieder ans Werk, die Arbeit wird nicht weniger und zu seiner Missgunst auch nicht spannender. Hoffentlich wird das sein Handlungsstrang nun für uns.


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Und als man bereits denkt, man habe den Stein wie Jorah besiegt, müssen “Dany” und Kompanie an der guten Front feststellen, dass sich der andere Stein, nämlich Casterlyrock, nicht so leicht bezwingen lässt. Der Sitz der Lannisters feiert demnach Premiere und entpuppt sich als wahrlich schwerer Brocken. Tyrion erzählt von den starken Verteidigungsvorkehrungen seines Vaters und der/die ZuseherIn ist kurz geblendet von Wort und Bild, ehe der Gnom, wie er schon lange nicht mehr genannt wurde, von der Schwäche der Burg erzählt, die nur ihm bekannt ist. Herr der Ringe-Fans werden ebenso wie Troja-Befürworter regelrecht unterhalten, als die Unbefleckten den Stein erobern. Diese leisten beeindruckende Arbeit. Noch mehr Gänsehaut bekommen wir aber, als sich das Blatt erneut wendet und die Flotte der Greyjoys Casterlyrock wieder einnehmen will.

Der süße Tod für die saure Alte

Das Blatt nicht mehr wenden in der Geschichte der Throne wird die alte Lady Olenna. Die wütende Oma wird von dem Heer der Lannisters, das Greyworm in Casterlyrock so vermisste, eingekesselt und schon wenig später sitzt ihr Jaime Lannister gegenüber. Abermals stellt der Dialog den Höhepunkt der Episode und Lady Olenna erzählt Jaime, was wir bereits wussten. Nämlich dass sie es war, die Joffrey vergiftete und ihm zum Wohle aller den Gar ausgemacht hat.

Ebenso wie die Fusionen der Häuser, der Abhängigkeiten voneinander, drehen sich auch immer wieder die Sympathien in der Serie. Denn Jaime wird sehr wohl als positiv aufgefasst, sein Charakter hat sich zum Guten gewandelt, er sorgt für Lady Olennas sanften Gifttod, obwohl er auf der Seite der irren Psychopathen dieser Welt steht. Wir empfinden schon fast Mitleid für ihn, während Lady Olenna an Sympathiepunkten verliert. Sie stirbt als rachsüchtige Intrigantin und steht Cersei in vielen Dingen in nichts nach. Und somit endet die Episode mit dem nächsten Tod einer führenden Kraft und engt damit das Feld an Spielenden für die kommende Staffel noch mehr ein.

Senderhinweis: Die neuen Folgen von ‘Game of Thrones’ sind auf mobilen Diensten von Sky abrufbar. Montags läuft die jeweils aktuelle Folge um 20:15 Uhr auf Sky Atlantic HD.

Johannes auf Twitter: @joschi_mayer

[Foto: © Sky/HBO]

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