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Die Auswirkungen des Trades von Carmelo Anthony zu den Thunder

Sind die Oklahoma City Thunder nun ein Superteam? Was bedeutet dieser Trade für die New York Knicks?

Die Auswirkungen des Trades von Carmelo Anthony zu den Thunder 25. September 20176 Comments

Die Posse um Carmelo Anthony und die New York Knicks ist zu Ende. Nach Monaten des öffentlichen Heckmecks ist es jetzt wirklich soweit. Die Knicks und “Melo” haben einem Deal zugestimmt, der den Superstar nach Oklahoma City schickt. Eine Analyse des Transfers.

Jetzt also doch

Seit Wochen reden die Verantwortlichen in New York, dass die Tage von Anthony im Big Apple zu Ende gezählt sind. Schon Phil Jackson (ehemaliger General Manager), unter dem Carmelo noch 2014 seinen Vertrag um fünf Jahre und 124 US-Dollar verlängert hatte, legte dem Superstar nahe, Manhattan zu verlassen und sich einem Contender anzuschließen. Er solle seine letzten Jahre nicht im Rebuild vergeuden. Das Prekäre daran: Jackson und Carmelos Agenten handelten bei der Vertragsverlängerung eine No-Trade-Klausel mit aus.

Carmelo Anthony sagt Ja zu OKC  

Durch diese Klausel hatte “Melo” die Fäden selbst in der Hand. Die Knicks konnten ihn nicht einfach irgendwohin verscherbeln. Sie mussten ihm ein Team bzw. eine Situation finden, der der alternde Star seine Zustimmung gibt. Dadurch kamen die Gerüchte auf, er würde sich einen seiner Buddys, LeBron James (Cleveland Cavaliers) oder Chris Paul (Houston Rockets), anschließen.

Den Oklahoma City Thunder wurde eher eine Außenseiterchance gewährt — und doch ist der Franchise um die beiden Superstars Russell Westbrook und Paul George der zweite Transferhammer dieses Sommers gelungen.


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Sam Presti mit einem weiteren Streich

So gab Carmelo dem “Small-Market-Team” aus Oklahoma seine Zustimmung. Sam Presti, General Manager der Thunder, hat es zum zweiten Mal in diesem Sommer geschafft, seinem Superstar Russell Westbrook einen weiteren Star zur Seite zu stellen. Wie schon beim Paul-George-Trade ist der Gegenwert auch diesmal sehr gering. Im Austausch für den zehnfachen All Star bekommt New York: Enes Kanter, Doug McDermott und den 2018 Zweitrunden-Pick der Chicago Bulls.


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Kanter hat in der Offensive zwar großes Potenzial, defensiv ist der Türke aber kaum tragbar. Außerdem hat er für seinen Output auf dem Feld einen zu hoch dotierten Vertrag. McDermott war auf dem College ein sicherer Scorer, konnte dies aber noch nicht auf die größte Bühne übertragen. Der 2nd-Round-Pick ist zu verschmerzen, da sich OKC alles andere als in einem Rebuild befindet. Die Chefetagen in OKC müssen alles dafür tun, ihren Superstar bei Laune zu halten und ihm eine schlagkräftige Truppe zur Seite zu stellen, damit sie im übermächtigen Westen mithalten können. Mit den Moves in der Offseason hat Presti ein klares Zeichen gesetzt und den Glauben an eine Championship nicht aufgegeben.

Ein teures Experiment

Sam Presti und die Oklahoma City Thunder probieren alles, um Westbrook für eine Vertragsverlängerung zu überzeugen. Somit mussten sie ihm Co-Stars an die Seite stellen. Dies haben sie jetzt geschafft, was sich aber einiges kosten lässt. Mit ihrer Personalpolitik müssen die Thunder dieses Jahr 30 Millionen US-Dollar Luxussteuer bezahlen. Sollte es aber dadurch gelingen, den amtierenden “MVP” zu überzeugen, dürfte es sich bezahlt gemacht haben.

Die Jagd auf einen Ring

Oklahoma City hat ein neues “Big Three”. Die Warriors sind ohne Zweifel immer noch der Top-Favorit auf den Titel, mit Carmelo hat Westbrook jetzt aber einen weiteren 20-Punkte-Scorer an seiner Seite — was ihm im letzten Jahr noch gefehlt hatte. OKC ist jetzt nicht mehr nur auf einen Superstar angewiesen. Sie können die offensive Last auf mehrere Schultern verteilen und auf verschiedenste Spielsituationen richtig reagieren. So können sie ihre Gegner defensiv unter Druck setzen, was gleichzeitig ihrer Offense helfen sollte, da gegnerische Teams mehr Kraft beim Verteidigen benötigen.

Für “Melo” ist es ebenfalls eine komplett neue Situation. Seit Jahren musste er bei den Knicks um eine Playoff-Teilnahme zittern. Meist hatten seine Co-Stars neben ihm mit Verletzungen zu kämpfen, oder Anthony hatte einfach nicht die qualitative Unterstützung, die er für tiefere Playoff-Runs gebraucht hätte.

Letzte Saison war das sogenannte “Superteam“ im Osten schnell aus dem Rennen um die ersten acht Plätze. Carmelo wirkte Spiel für Spiel frustrierter und unmotivierter. Dabei darf aber nicht in Vergessenheit geraten, dass er noch vor Jahren eines der Gesichter und der wohl beste Scorer der Liga war. Gelangt dem 33-Jährigem diese Motivation wieder zurück, wird er seiner neuen Franchise im Playoff-Rennen einen großen Schub geben können.

Coach Donovan ist gefordert

Dazu kommt noch Donovans eigener Star, Russell Westbrook, der bekannt dafür ist, gerne mit dem Kopf durch die Wand zu fahren. Schafft der Thunder-Headcoach, die Stärken aller drei Stars vom Papier aufs Spielfeld zu integrieren, wird der Franchise ein tiefer Playoff-Run gelingen.

Die Knicks leiten den Rebuild ein

Für die Knicks geht es wieder von vorne los. Mit dem Trade ist die “Anthony-Saga” in New York endlich beendet. Das Zepter hat nun Kristaps Porzingis in der Hand. Der Gegenwert des Trades scheint zwar sehr gering, doch mit Carmelo und Porzingis waren die Knicks zu gut, um im schwachen Osten komplett auf Tanking-Modus zu stellen. So haben sie wenigstens etwas für ihren ehemaligen Franchise-Spieler bekommen — anstatt ihn nächstes Jahr ohne irgendeine Kompensation ziehen lassen zu müssen. Jetzt können die Knicks voll und ganz in die Zukunft blicken.

Porzingis ist erst 22 Jahre alt und zeigt schon sein außergewöhnliches Potenzial. Er braucht aber noch etwas Zeit und vor allem Erfahrung, um ein Superstar und Anführer zu werden. Bei den Knicks wird sich also alles darum drehen, ihn in seiner Prime mit einer guten Mannschaft auszustatten. In Kanter und McDermott hat New York nun potenzielles Trade-Material für weitere wichtige Draft-Picks, welche die Zukunft der Franchise wieder rosiger machen sollen.

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[Foto: Keith Allison/Flickr/CC BY-SA 2.0/Illustration von James P. Platzer]

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