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Manchester United am Weg zurück an die Weltspitze

Läutet José Mourinho eine zweite Ferguson-Ära ein?

Manchester United am Weg zurück an die Weltspitze 25. September 20171 Comment

Redakteur

Machen wir eine kleine Zeitreise zurück ins Jahr 1999. Wir schreiben den 26. Mai — eines der geschichtswürdigsten Finale der UEFA Champions League sollte an diesem Abend gespielt werden. Das Duell lautete Manchester United gegen FC Bayern München. Bereits in der Gruppenphase gab es zwei Begegnungen, die 1:1 und 2:2 endeten, eine spannende Partie durfte also durchaus erwartet werden.

So kam es auch. Den Bayern gelang ein sensationeller Start, sie gingen nach sechs Minuten in Führung. Nachdem die Münchener nach 90 Minuten immer noch 1:0 führten, setzte niemand mehr auf die “Red Devils”. Was folgte, ist eine der atemberaubendsten Nachspielzeiten überhaupt. In der 91. Minute glich Teddy Sheringham aus. In der 93. Minute schoss sich Ole Gunnar Solskjær für immer in die Herzen der Fans und Manchester United zum Sieg der Champions-League-Saison 1998/99.

Der Jahrhunderttrainer Sir Alex Ferguson holte mit seiner Mannschaft in dieser Saison das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Schon damals machte er sich unsterblich, weitere erfolgreiche Jahre sollten folgen. Unter seinem Regime konnte man 13-mal die englische Meisterschaft, fünfmal den englischen Pokal und zwei Champions-League-Siege einfahren. 2013 setzte sich der Sir mit 71 Jahren und einem letzten Meisterschaftsgewinn zur Ruhe. Aber was wurde nach dem Rücktritt des Schotten aus einem der besten Teams aller Zeiten?


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Die Red Devils stürzen in ein tiefes Loch

Lange wurde über den Nachfolger von Ferguson spekuliert. Wer sollte dieses immense Erbe antreten? Gibt es überhaupt jemanden, der in die Fußstapfen einer der besten Trainer der Welt treten kann? Ein gewisser David Moyes sollte der richtige Mann für diesen Posten sein. Dachte man zumindest. Er hatte den Traditionsverein FC Everton aus seiner Trostlosigkeit geholt und konnte mit guten Leistungen überzeugen. In Manchester erhoffte man sich viel, eine große Liebe ist aber nie daraus geworden. Während Ferguson 2013 noch die Premier League gewinnen konnte, verlief die Saison unter Moyes alles andere als wünschenswert.

In der Champions League schied man im Viertelfinale aus, im FA-Cup sogar schon in der dritten Hauptrunde. Moyes durfte die Saison nicht einmal auf der Trainerbank beenden, er wurde aufgrund seiner schwachen Leistungen im April entlassen. United rangierte nach dem letzten Spieltag auf Platz 7 und konnte sich zum ersten Mal seit 19 Jahren für keinen europäischen Wettbewerb qualifizieren. Werfen wir gemeinsam einen Blick zurück auf Moyes Alptraum in Manchester.

Nachdem Ryan Giggs interimistisch das Traineramt übernahm, konnte man mit Louis van Gaal einen weiteren großen Namen ins Old Trafford holen. Die erste Saison verlief minimal besser, obwohl van Gaal keinen internationalen Druck verspüren musste. In den Pokalspielen war relativ früh Schluss, van Gaal gelang aber mit Platz 4 immerhin die Qualifikation zur Champions League. Man schied jedoch bereits in der Vorrunde aus, in einer vermeintlich leichten Gruppe. Ein erneutes Verpassen der Champions-League-Quali für die Saison 2016/17 bedeutete dann das Aus für Van Gaal, daran änderte auch der Gewinn des FA-Cups nichts.


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“The Special One” soll es richten

José Mourinho gilt als einer der besten Trainer der Welt. Egal, welche Mannschaft er trainiert, er gewinnt Titel — und das Jahr für Jahr. Deshalb soll er genau der richtige Trainer für das krisengeschüttelte United sein. Mit Verpflichtungen von Zlatan Ibrahimovic und Paul Pogba setzte er schon zu Beginn seiner Amtszeit ein Zeichen. Das Ziel war klar definiert: Ein Titel muss her und die Qualifikation für die Champions League ist Pflicht. Gesagt, getan. Zwar erreichte man in der Liga nur den sechsten Platz, mit dem Sieg der Europa League sicherte man sich aber einen Fixplatz in der Königsklasse. Der prognostizierte Titelgewinn war da und man hat wieder das Gefühl, dass aus dieser Mannschaft eine Einheit wachsen könnte.

Mourinho setzt Manchester United seinen Stempel auf

Der Erfolg kommt nicht von alleine, ein Trainer muss Entscheidungen treffen und Risiken eingehen. Dabei verfolgt Mourinho seinen ganz eigenen Plan. Viele waren mit dem Abgang von Wayne Rooney nicht einverstanden, Mourinho plante allerdings nicht mehr mit dem Rekordtorschützen von United. Mit Romelu Lukaku scheint man den perfekten Nachfolger gefunden zu haben. Die ersten Spiele zeigen bereits, dass er sein Geld von knapp 85 Millionen Euro wert ist. In sechs Spielen hat er bereits sechsmal getroffen.


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Mourinho scheint den richtigen Mix aus jugendlichem Elan und erfahrungsreichen Routiniers gefunden zu haben. Neben klingenden Namen wie Zlatan Ibrahimovic oder Paul Pogba kann auch die junge Garde rund um Marcus Rashford für Furore sorgen. Anders als unter Moyes oder van Gaal, wo man eine einheitliche Mannschaft vergeblich gesucht hatte, kann man sie unter Mourinhos Führung wieder deutlich erkennen. Die Zeit ist reif und der Weg scheint der richtige zu sein. In der Saison 2017/2018 könnte Manchester United unter José Mourinho wieder einen großen Titel holen.

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[Fotos: Matthew Bloomfield/Flickr (Logo)/CC BY-SA 2.0/Andrea Sartorati/Flickr (Ferguson)/CC BY 2.0/Tsutomu Takasu/Flickr (Mourinho)/CC BY 2.0/Illustration von James P. Platzer]

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