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Boston Celtics — die neue Nummer eins im Osten?

Mit den Verpflichtungen von Kyrie Irving und Gordon Hayward endet für die Boston Celtics ein aufregender Transfersommer

Boston Celtics — die neue Nummer eins im Osten? 27. September 20172 Comments

Redakteur

Nachdem die stolze Franchise aus Beantown bei einigen großen Trades das Nachsehen hatte, konnte Mitte Juli der wohl begehrtesten Free Agent des Sommers unter Vertrag genommen werden. Gordon Hayward entschied sich für die Boston Celtics, um mit seinem ehemaligen College-Coach Brad Stevens auf Titeljagd zu gehen.

Ein weiteres Ausrufezeichen setzten die Celtics, als sie ein Paket aus Publikumsliebling Isaiah Thomas, Jae Crowder, Ante Zizic und zwei zukünftigen Draft-Picks für den wechselwilligen Kyrie Irving nach Cleveland sendeten.

Die beiden Neuzugänge sollen zukünftig mit Al Horford die neuen “Big Three” der Kobolde bilden. Das Fundament für eine erfolgreiche Zukunft ist also gelegt. Ob es aber schon in dieser Saison zum großen Wurf reicht?

Die zwei Seiten der Medaille

Zwar konnten sich die Celtics äußerst prominent verstärken und einige Schwächen beheben, auf der anderen Seite mussten sie jedoch einige schwerwiegende Abgänge verkraften.

Mit Avery Bradley verließ einer der besten Verteidiger der Liga die Franchise aus Massachusetts, um Gehaltsspielraum für die Verpflichtung von Hayward zu schaffen.

Die beiden Center Kelly Olynyk und Tyler Zeller konnte oder wollte man nicht halten, was dazu führt, dass Al Horford häufiger auf die Fünf rückt und sich dort gegen deutlich kräftigere Gegenspieler behaupten muss. Inwieweit sein Backup Aron Baynes hier Abhilfe schaffen kann, bleibt abzuwarten.

Mit Thomas, Crowder und Amir Johnson fehlen außerdem drei Starter der letztjährigen Mannschaft. Der Umbruch ist also größer, als er zunächst erscheint. Von über 400 verschiedenen Aufstellungen aus der Saison 2016/17 ist in dieser Spielzeit keine einzige mehr möglich — kein Wunder bei elf Neuzugängen!


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Addition durch Subtraktion

Für Headcoach Brad Stevens ist dies eine unfassbare Herausforderung, er gilt aber nicht umsonst als einer der besten seiner Zunft. Die Mannschaft schien in der letzten Spielzeit an ihrem Zenit angekommen zu sein. Sie spielte zwar mit Herz und Leidenschaft, gegen die übermächtigen Cavaliers um LeBron James hatte Boston trotzdem keine Chance.

Auf der Small-Forward-Position stellt Gordon Hayward gegenüber Jae Crowder ein deutliches Upgrade dar. Seine Fähigkeiten als Spielmacher (3,4 Vorlagen pro Spiel) werden dabei genauso geschätzt, wie sein ausgeglichenes Scoring. In den Playoffs konnte er 24,1 Punkte auflegen und zeigte mit einer Dreierquote von 41 %, dass er von überall gefährlich sein kann. Der 27-Jährige gilt außerdem als vorbildlicher Profi, der lieber seine Leistungen für sich sprechen lässt und keinerlei Starallüren besitzt.

Ein etwas anderer (Spieler-)Charakter ist dagegen Kyrie Irving. Der Elite-Scorer gilt als einer der besten Dribbler der NBA, seine unnachahmlichen Drives sind nicht zu verteidigen und er scheut nicht davor zurück, in ganz großen Momenten Verantwortung zu übernehmen.

Scoring, Spacing und Stevens — der Weg zum Erfolg

Eine Eigenschaft, die den Celtics deutlich zugutekommen dürfte, ist Irvings Talent für 1-gegen-1-Situationen. Lediglich 22 % seiner 2-Punkte-Erfolge geht ein Assist voraus, was deutlich zeigt, wie gut sich Irving seinen eigenen Wurf kreieren kann. In der vergangenen Spielzeit bewegte sich die Franchise aus Boston sogar unter dem Ligadurchschnitt, wenn es darum ging, in den letzten sieben Sekunden der Wurfuhr erfolgreich abzuschließen.

Hinzu kommt, dass der 25-jährige Guard in der Defense nicht versteckt werden muss. Im Gegensatz zum nur 1,75 Meter großen Isaiah Thomas kann er seine Gegner in Schach halten — wenn er denn will! Während seine Gegenspieler in der Regular Season noch 49,9 % der Abschlüsse erfolgreich gestalten konnten, verbesserte Irving diesen Wert in den Playoffs auf 43,7 %. Unterm Strich gehört er in der Defense allerdings zu den schwächeren Point Guards der NBA.

Insgesamt dürften sich die Neuverpflichtungen auch beim Spacing deutlich bemerkbar machen. Die guten Dreierquoten in den Playoffs von Hayward (41 %), Marcus Smart (39,7 %) und Horford (52 %) müssen von gegnerischen Teams respektiert werden, was wiederum Räume für Irving schafft. Attackiert er den Korb, schließt er dort mit fast 60 % äußerst erfolgreich ab.

Nicht zu unterschätzen ist Horfords Fähigkeit als Spielmacher — stolze 5 Vorlagen pro Spiel konnte er im vergangenen Jahr auflegen. Kombiniert mit Haywards hohem Basketball-IQ und der Detailversessenheit von Headcoach Brad Stevens dürften sich einige kreative Möglichkeiten zum Punkten ergeben.


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Nicht nur die Bank der Boston Celtics ist schlanker

Neben den Big Three wird die Starting Five sehr wahrscheinlich durch einen deutlich schlankerer Marcus Smart sowie den im Tausch für Bradley gekommenen Marcus Morris vervollständigt. Smart und Morris gelten beide als äußerst harte Arbeiter und können die vielen kleinen Dinge erledigen, die für den Erfolg unerlässlich sind.


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Von der Bank kommt mit Zweitjahresprofi Jaylen Brown und Rookie Jayson Tatum ein äußerst talentiertes Forward-Duo, das sich auf einige Minuten freuen darf. Von beiden wird jedoch auch eine gewisse Entwicklung erwartet. Hinzu kommen weitere NBA-Neulinge, die erst noch in ihre Rollen wachsen müssen.

Die Zukunft ist grün

Mit den Verpflichtungen von Hayward und Irving sind die Celtics-Verantwortlichen ein vergleichsweise geringes Risiko eingegangen und haben die Franchise für die Zukunft bestens aufgestellt. Trotzdem dürfte die Eastern Conference zumindest in diesem Jahr nur über LeBron James und “seine” Cleveland Cavaliers führen.

Die Celtics haben nach wie vor deutliche Defizite im Rebounding (10,8 erlaubte Offensiv-Rebounds pro Spiel, Platz 25), die Bank ist viel dünner besetzt als noch im letzten Jahr. Vieles hängt außerdem davon ab, ob die jüngeren Spieler ihr Potenzial schon in dieser Spielzeit entfalten können.

Sollte LeBron James im nächsten Jahr tatsächlich nach Los Angeles wechseln, stehen die Celtics aber schon in den Startlöchern. Die Zukunft der Eastern Conference ist grün!

Nicolas auf Twitter: @threecolas

[Foto: Erik Drost/Flickr/CC BY 2.0/Illustration von James P. Platzer]

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