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NR-Wahl 2017: Eine definitive Analyse der Wahlplakate

Wir haben uns mit den Plakaten und Wahlkampfvideos der Spitzenkandidaten sowohl ernst, als auch humorvoll auseinandergesetzt

NR-Wahl 2017: Eine definitive Analyse der Wahlplakate 2. Oktober 20171 Comment

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

Am 15. Oktober wählt Österreich einen neuen Nationalrat und somit auch einen neuen Bundeskanzler (eine Bundeskanzlerin wäre rechnerisch äußerst utopisch). Nach der teils langatmigen Wahl zum Bundespräsidenten ist der Wille, sich ausführlich mit den Parteiprogrammen und den SpitzenkandidatInnen zu befassen, nicht gerade stark. Doch der Hut brennt! Wir müssen uns entscheiden, wer unsere jeweiligen Werte am besten vertreten soll — und das schon in weniger als zwei Wochen.

Bei einem sonntäglichen Spaziergang haben wir die Wahlplakate der vermutlich stimmenstärksten Parteien fotografiert und anschließend diskutiert. Dabei sind auch schlechte Wortwitze entstanden, die noch schlechter sind als die der jeweiligen Parteien. Also lehnt euch zurück, lest und lacht.

Es ist explizit zu betonen, dass sich dieser Artikel weder für eine Partei ausspricht, noch als Wahlempfehlung fungiert. Jeder und jede von uns hat die Aufgabe, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Sebastian Kurz und die Neue Volkspartei

Beginnen wir mit der Person, die verantwortlich für die vorgezogene Nationalratswahl ist. Sebastian Kurz hat nach dem Abdanken von Reinhold Mitterlehner die Partei “an sich gerissen” und sie kurzerhand in ein vermeintlich freundliches Türkis gestrichen. 

Aber werfen wir doch einmal einen genaueren Blick auf die Wahlplakate der “neuen” ÖVP:

  

Kurzer Exkurs zu den Worten des ÖVP-Parteiobmanns, festgehalten durch den Standard“Der NGO-Wahnsinn muss beendet werden.” Die Rettung von Flüchtlingen ist ein Akt der Menschlichkeit, zu dem wir uns mit der Unterzeichnung der Menschenrechte verpflichtet haben. Einige Menschen denken an diesen Satz, wenn sie die Plakate von Sebastian Kurz sehen und bringen sie automatisch mit dem Thema Flüchtlinge in Verbindung. Ohne hier weiter auszuschweifen, das Wahlplakat “Es ist Zeit.” wirkt demnach wie eine Drohung, die Angst hervorruft, anstatt Hoffnung für Österreichs Zukunft und die Menschheit zu schaffen. 

Das Plakat mit der Aufschrift “Wieder mehr für die Fleißigen tun.” wirft ebenfalls einige Fragen auf. Wenn jemand unfreiwillig arbeitslos und somit gleichzeitig das Gegenteil von “fleißig” ist, wird für diesen dann nichts getan? Verdient dieser keine Aufmerksamkeit, keine finanzielle Unterstützung?


MEHR: Wie die Wahlplakate die Inkompetenz der ÖH-Fraktionen untermauern


Christian Kern und die Sozialdemokratische Partei Österreichs

Schlecht hat es Christian Kern im letzten Jahr nicht gemacht. Die Arbeitslosigkeit ist gesunken und niedriger, als in den Jahren zuvor. Was uns aber wirklich enttäuscht hat, war die Abstimmung gegen eine Fristsetzung der Homo-Ehe. Die Prioritäten der SPÖ waren wohl anders. Wie diese heute lauten, geht aus den Wahlplakaten aber nur seicht hervor:

  

Dass Christian Kern in der Wirtschaft und in der Politik Erfahrung hat, ist gewiss. Auch der Slogan “Modern, sozial, sicher” trifft die Werte der SPÖ und der Menschlichkeit. Der Wunsch nach mehr Inhalt auf den Plakaten wurde jedoch nicht erfüllt. 

Auf YouTube konnte unser Bundeskanzler Punkte sammeln. Mit dem Titel seines Wahl-Videos “Miteinander kommen wir weiter” löst der amtierende Bundeskanzler ein Gefühl von Gemeinschaft aus, ohne zu patriotisch zu wirken. Weiterhin wird einem das Video nur dann angezeigt, wenn man es sucht, und wird nicht unfreiwillig damit konfrontiert. Danke dafür.

Was uns aber wirklich interessiert, sind die Dirty-Campaigning-Vorwürfe und deren Wahrheitsgehalt. Fakt ist: SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler steckt mittendrin, ansonsten wäre er nicht zurückgetreten, wie die Presse berichtet. Weiters heißt es, dass dieser politische “Super-Gau” der SPÖ einige Stimmen kosten könnte — was gleichbedeutend mit einer schwarz-blauen Machtübernahme wäre.

Heinz-Christian Strache und die Freiheitliche Partei Österreichs

Die Schrecklichkeit der Wahlwerbung der FPÖ hat heuer den Zenit erreicht. Mit “Die Hubers” ist stundenlanges Surfen auf YouTube nicht mehr möglich, ohne den Laptop unter Todesverachtung aus dem Fenster werfen zu wollen. Wir haben Mitleid mit allen, die den von der FPÖ besudelten Nachnamen Huber tragen. 

Aber nun zu den Wahlplakaten, die sich inhaltlich nicht maßgeblich von den Wahlkämpfen zuvor unterscheiden: 

  

Trotz der Tatsache, dass die Kriminalität gesunken ist — wie sogar die Heute schreibt — sind die Hauptthemen der Plakate Flüchtlinge und Islamisierung. Besonders geschmacklos ist das Wortspiel mit dem Begriff “Spätzünder”. Wie viele Memes schwirren bereits im Internet umher, die sich über terroristische Angriffe lustig machen? Bitte keine Wortspiele zu so ernsthafte Themen. Andere Parteien auf den eigenen Plakaten zu beleidigen ist auch nicht die feine Art, aber was sind wir von der FPÖ schon gewohnt?


MEHR: Dank Memes: Schwarzer Humor oder beinharte Diskriminierung?


Ulrike Lunacek und die Grünen

Niemanden scheint die Klimaerwärmung mehr zu interessieren als die Grünen. Und das, obwohl diese zu den wichtigsten Themen aller Zeiten zählt. Dass die neue Spitzenkandidatin der Grünen ihren Standpunkten treu bleibt, ist äußerst positiv zu sehen. Leider werfen die anderen Wahlplakate ein paar Fragen auf, auf die viele Grün-WählerInnen auch keine Antwort finden.

  

Wo sind die Plakate mit der Aufschrift “Sei ein Mann: Wähl eine Frau” hin? Auf unserem Spaziergang am Gürtel durch den 8. Bezirk zur Hauptuniversität haben wir das Plakat nicht gefunden. Mit dieser Aufschrift haben sich die Grünen zu weit aus dem Fenster gelehnt und die Absicht, die Gleichstellung von Mann und Frau endlich einzuläuten, leider weit verfehlt. Der Ansatz ist gut, die Umsetzung schlecht. 


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Was sonst auffällt: die hohe Anzahl an unterschiedlichen Plakaten, die viele Punkte des Wahlprogramms abdecken. Auf unserem Spaziergang hat keine andere Partei so viele differente Plakate aufgestellt. 

Peter Pilz und die Liste Pilz

Auf der Suche nach Plakaten des ehemaligen Grünen konnten wir keine finden. Die Erklärung hierfür ist, dass landesweit nur ein einziges existiert. Das wurde laut der Presse erst vor ein paar Tagen mit einem Sticker aufgepeppt, was uns SteuerzahlerInnen ebenfalls nichts gekostet hat. Vielleicht dachte man sich: “Keine Plakate, keine Probleme.” Somit kocht Peter Pilz sein eigenes Süppchen. Wir bleiben dran und sind gespannt.

Matthias Strolz und die NEOS

  

Wem es noch nicht aufgefallen ist, Wahlplakate der NEOS sind die reinste Gefahr für AutofahrerInnen. Ist beim Entziffern der spiegelverkehrten Aufschrift “Tempo machen” kein Unfall passiert, dann spätestens dann, wenn man sich den Text zu Herzen nimmt. Die anderen Plakate sind auch nicht viel besser. Das Wortspiel “Euröpa” klingt wie eine Krankheit oder schädliches Ungeziefer und nicht wie etwas, mit dem wir uns identifizieren sollten. 

Auch wenn sie durchaus freundlich lächelt, seit den Wahlen zur Bundespräsidentschaft wissen wir, dass ÖsterreicherInnen Irmgard Griss kein allzu großes Vertrauen schenken wollen. Schließlich hat es damals mit 18,9 % nicht für die zweite Runde (die erste Stichwahl) gereicht. Fairerweise muss hier erwähnt werden, dass sie keine 2,5 % hinter Alexander Van der Bellen lag und dieser heute erfolgreich unser Land repräsentiert. 

Eines gilt es aber unbedingt noch zu erwähnen: die unglaublich nervige Werbung von Matthias Strolz auf Instagram. Wer sich oft und gern auf diesem Sozialen Netzwerk bewegt, dem ist sie bestimmt aufgefallen. Die Hintergrundmusik erinnert stark an Mario Kart und die Aufforderung von Strolz “nach oben zu swipen” macht Angst vor mehr lautem und knallpinkem Inhalt. Instagram ist eine “Feel Good”-Plattform, wohingegen die österreichische Politik derzeit kein Grund ist, sich fröhlich und gut zu fühlen. 

Lisa auf Twitter: @lugerblis 

[Foto: © Lisa Lugerbauer]

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

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