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Kylian Mbappé, der jugendliche Routinier

Ganz Europa wollte ihn, PSG holte ihn — Kylian Mbappé ist das größte Talent seiner Generation

Kylian Mbappé, der jugendliche Routinier 4. Oktober 20177 Comments

Ressortleiter Sport

Die Transfers im europäischen Fußballgeschäft haben in diesem Sommer eine neue Dimension erreicht. Ablösesummen stehen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu dem, was ein einzelner Spieler auf dem Platz bewirken kann. Waghalsige Beträge wurden für Spieler wie Romelu Lukaku und Ousmane Dembélé überwiesen, doch das Zentrum des Interesses liegt einmal mehr in Paris.

Ich will aber nicht darüber schreiben, ob das Handeln der katarischen Vereinsführung gutzuheißen ist. Auch nicht darüber, ob die UEFA Handlungsbedarf im Kampf gegen die Kommerzialisierung des Sports hat. Ich will über Fußball schreiben. Ich will über den vielleicht größten Transfercoup der 47-jährigen Geschichte des PSG schreiben. Nein, die Rede ist nicht vom brasilianischen Edeltechniker, der Barcelona verließ, um sich in Paris unsterblich zu machen. Die Rede ist vom 18-Jährigen Kylian Mbappé, dem “neuen Pele”.

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Zurück zur nächsten Etappe

In der Champions League zeigte der Teenager vor einer Woche dem erfolgreichsten österreichischen Kicker dieses Jahrtausends, David Alaba, seine Grenzen auf. Neben groß aufspielenden südamerikanischen Sturmpartnern war es doch der junge Franzose, der dem Spiel seinen Stempel aufdrücken konnte.

In seiner noch jungen Karriere gelang ihm das bereits außerordentlich oft. Durch technische Brillanz und für sein Alter beeindruckende Athletik avancierte Mbappé vergangene Saison in Monaco zum Rising Star und versetzte so manchen großen Namen ins Staunen. Nach dem sensationellen Gewinn der Meisterschaft und dem Erreichen des Champions-League-Halbfinales schien die Zeit für ihn gekommen zu sein, den nächsten Schritt zu wagen und zum Liga-Rivalen in seine Heimatstadt zu übersiedeln.

Es gab viele, die berechtigterweise ihre Zweifel hatten. Nicht selten stieg jungen Talenten der Ruhm zu Kopf. Eine gute Saison zu spielen gelingt schnell, Jahr über Jahr konstant Leistung abzurufen ist eine andere Sache — vor allem bei einem Klub mit den Anforderungen von PSG.


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Ein 18-jähriger Routinier

Seine ersten Spiele in Blau-Rot hat der französische Nationalspieler hinter sich. Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass Mbappé sich im Pariser Starensemble etablieren und weiterentwickeln wird. Zugegebenermaßen war es ziemlich weit gegriffen, als Arsène Wenger den Stürmer Anfang September mit niemand Geringerem als Pelé verglich. Dass der Bursche aus Bondy, einem Ort in der Pariser Banlieu, etwas ganz Besonderes wird, halte ich aber nicht nur für realistisch, sondern für wahrscheinlich. Spielerische Klasse und Talent weisen einige Spieler auf, auch in seinem Alter. Faszinierend ist eher seine Routine und Spielintelligenz, die ich in diesen Ausmaßen zuletzt bei Lionel Messi gesehen habe.

Kaltschnäuzig vor dem Tor, uneigennützig und trotzdem zielstrebig — Mbappé trifft so gut wie immer die richtige Entscheidung und strahlt die Routine eines 30-jährigen, gestandenen Superstars aus. Während andere Offensivtalente seines Alters verspielt wirken, oft in unnötige Dribblings gehen oder versuchen, mit der Brechstange Torchancen zu erzwingen, ist der Ex-Monegasse abgebrüht und effizient. Verdammt effizient. 15 Tore und elf Vorlagen in seiner ersten kompletten Liga-Saison sprechen Bände. Sechs Tore in seinen ersten neun Auftritten in der Champions League sind einzigartig.

Große Fußstapfen

Ich sehe ihm gerne zu, weil er denkt. Oft werden Spieler angepriesen, weil sie schnell sind. Weil sie stark sind. Weil sie hoch springen. […] wenn ich ihn dribbeln sehe, sehe ich, wie er denkt. Ja, er ist auch schnell. Vor allem aber ist er schlau. Und das ist für mich ein Zeichen dafür, dass er sehr weit kommen kann.
— Thierry Henry

Sehr weit gekommen ist Thierry Henry in seiner Karriere allemal. Wenn der Welt- und Europameister, Rekordtorschütze für Arsenal und die “Equipe Tricolore” von Kylian Mbappé spricht, glänzt in seinen Augen die Bewunderung eines Jugendlichen, der von seinem Idol schwärmt. Beide sind keine Freunde von Spielervergleichen, doch die Gemeinsamkeiten liegen auf der Hand: Sie sind variabel einsetzbare, anpassungsfähige Stürmer, technisch begnadet, spielerisch herausragend und athletisch. Beide wuchsen in Pariser Vororten auf und durchlebten die Akademie des AS Monaco. Beide sind mit außergewöhnlicher Spielintelligenz ausgestattet und den Gegenspielern geistig meist einen Schritt voraus.

Ein kleiner, aber feiner Unterschied ist, dass Thierry Henry mehrere Jahre älter war, als er seinen internationalen Durchbruch schaffte. Kylian Mbappé ist mit 18 Jahren etablierter Stammspieler bei Paris Saint Germain und hat einen Fixplatz in einem der talentiertesten Nationalteamkader der Welt.

Bald der Allerbeste?

Der Franzose ist sich seines Talents bewusst, übt sich in Interviews keiner falschen Bescheidenheit, dabei bleibt er aber bodenständig und realistisch. Er weiß, dass es zu seinem Entwicklungsprozess gehört, ein normaler Bestandteil des Teams zu werden, sich gegebenenfalls unterzuordnen. Starallüren scheint der Stürmer trotz der enormen Ablösesumme und der vielen Vorschusslorbeeren keine zu haben. Mbappé tritt in Interviews genauso erfahren und professionell auf, wie auf dem Spielfeld. Er wirkt natürlich und cool, man nimmt ihm ab, was er sagt.

Gerade erst volljährig ist der Offensiv-Allrounder bereits ein praktisch perfekter Spieler (so perfekt, dass es manchmal fast schon beängstigend ist). Wenn seine Laufbahn weitergeht, wie sie begonnen hat, wenn er sich weiterhin von Woche zu Woche steigern kann, dann besteht für mich kein Zweifel, dass aus dem sympathischen Burschen der beste Stürmer seiner Generation wird. Vielleicht ist er sogar der nächste Franzose, der den goldenen WM-Pokal in die Luft stemmt. Als es seine Landsmänner das letzte und bisher einzige Mal taten, war Kylian Mbappé noch nicht auf der Welt.

Philipp auf Twitter: @Philipp_Lou

[Foto: © Twitter/Kylian Mbappé]

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