Österreich Politik

NR-Wahl 2017: Die skurrilsten Momente der letzten Legislaturperiode

Die letzte Legislaturperiode, die theoretisch noch ein Jahr munter so weiter gespielt hätte werden sollen, geht zu Ende und damit schauen wir zurück auf ein Potpourri amüsanter, politischer Sager und Stories

NR-Wahl 2017: Die skurrilsten Momente der letzten Legislaturperiode 10. Oktober 2017Leave a comment

Dass die österreichische Politiklandschaft oftmals humoristisch gesehen werden kann, verschafft Medien wie der Tagespresse oder Sendungen wie Willkommen Österreich erst einen Job und dabei muss gar nicht viel nachgeholfen werden. Denn ja, hiesige Politik ist tatsächlich so lustig. Ein Grund mehr auf die Highlights der letzten vier Jahre zu blicken:

April 2015, Der Häupl-Sager

Dass der Wiener Bürgermeister und Landeshauptmann Wiens, Michael Häupl, ein Meister der österreichischen Disziplin “eine Wuchtel schieben” ist, kann wohl kein/e EinwohnerInnen der Alpennation bestreiten.

So ging er im April 2015 bei der 70-Jahr-Feier der SPÖ im Wiener Rathaus mit folgendem Satz in die Geschichte ein: “Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, dann bin ich am Dienstagmittag fertig.” Doch wie kam Häupl darauf?

Beim Jubiläum im Rathaus ging es vor allem um die Highlights der Parteiengeschichte. 70 derer wurden an jenem Tag vorgestellt, worunter sich auch der Punkt “Verkürzung der Arbeitszeit” befand. Einer der anwesenden Journalisten stellte aufgrund dessen die Frage, wie dieses sogenannte Highlight mit der aktuellen Forderung der SPÖ nach einer Erhöhung des Lehrerdienstes zusammenpassen würde, woraufhin der wohl berühmteste Satz des Jahres fiel und Häupl mit dem Hashtag #22Stunden auf Twitter gefeiert, wie auch von so manchen LehrerInnen angefeindet wurde.


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November 2015, Das Wolf-Winter-Interview 

Wer erinnert sich nicht an das legendäre Zeit im Bild 2-Interview von Armin Wolf und Susanne Winter? Nachdem diese ein antisemitisches Posting eines Besuchers ihrer Facebook-Seite lobte, flog die Nationalratsabgeordnete schnurstracks aus ihrer Heimatpartei (FPÖ) und landete noch schneller im Landesstudio Graz zum Interview mit ZIB 2-Anchorman Armin Wolf.

Am Anfang des Interviews wird sich zunächst um die Begrifflichkeit des “wilden Abgeordneten” gestritten. Frau Winter möchte “frei” und nicht “wild” genannt werden. Armin Wolf meint, sie könne sich das nicht aussuchen.

Danach zitiert der Anchorman jegliche schlimmen Aussagen von Frau Winter über ihre Gesinnung und schließt ab mit der Frage: “Was hat jemand wie Sie im Parlament verloren?” Überraschung: Sie gibt keine Antwort darauf. Stattdessen nur eine fadenscheinige Gegenfrage über die Benzinpreise. Des Weiteren fallen Sätze wie “Ihre Meinung interessiert doch niemanden mehr!” und “Sie sagen jetzt, dass nicht nur Ihre künftige Arbeit sinnlos wird, sondern auch Ihre bisherige Arbeit sinnlos war?”.

Dass Fragen wie diese für einen seriösen Journalisten tatsächlich nicht angemessen und respektvoll sind, ist unbestritten. Doch wer meint, dass die “zionistischen Geldjuden” ein Problem seien, Dunkelhäutige als “Neger” zu bezeichnen sind und jene allein wegen ihrer Gene zu wenig Selbstbewusstsein hätten, der darf sich im Grunde keinen Respekt erhoffen.

März 2016, Lugar und die Neandertaler 

Das Team Stronach war in den letzten Jahren eher eine Ein-Mann-Partei. Und nein, damit ist nicht “der Frank” gemeint, sondern der “Robsl”. Robert Lugar hat sich für die Partei so einige Male in die Nesseln gesetzt und damit inzwischen die Heimkehr zur FPÖ geschafft. Auch wenn der Klub heute aufgelöst ist, bleibt uns die aktuelle Stunde der Partei zu den Auswirkungen der Flüchtlingspolitik im März 2016 wahrscheinlich länger im Gedächtnis als das ewige “noch a mal” von Stronach.

Damals meinte Lugar nämlich “die meisten, die kommen, sind ungebildet, […] nicht integrierbar und haben ein Weltbild wie die Neandertaler, wo man die Frauenrechte mit Füßen tritt. Und dass die Grünen sich für solche Spezies einsetzen, ist für mich wirklich eine Katastrophe.”

Besonders die grüne Nationalratsabgeordnete Alev Korun kritisierte die Neandertaler-Aussage heftig und verwies auf eine “Entmenschlichung” von Flüchtlingen, die so nicht hinzunehmen sei. Dabei ist das sogar noch milde ausgedrückt. Aber wer weiß, wie lange die Spezies Lugar noch im Parlament sitzen wird.

April 2017, Die Grünen und das Pinkeln im Stehen 

Mal ganz abgesehen von den bekannten Meldungen über die Grünen, wie der Ausschluss der eigenen Parteijugend oder der Abgang von Peter Pilz, zogen die Grünen in dieser Legislaturperiode auch mit anderen Berichten die Aufmerksamkeit auf sich.

So wurde im Frühling dieses Jahres ein sogenanntes Frauen-Frühstück auf der Homepage der Grünen unter dem Namen “pipi-feiner Vormittag” beworben. Hierbei sollte die Physiotherapeutin Andrea Kucera alles rund um den Beckenboden erklären, wozu auch das Urinieren im Stehen gehörte. Ja, urinieren im Stehen, für Frauen. Dabei wird vor allem erwähnt, dass dies deswegen so sinnvoll wäre, weil sich die Benutzung öffentlicher Toiletten besonders für Frauen als sehr unangenehm gestalte. Dass eine Informationsveranstaltung wie diese sich eventuell nicht so gut mit Frühstück verträgt, hat man dabei vermutlich nicht bedacht.

Viral ging die Veranstaltung allerdings erst nach einem Tweet des ehemaligen Presse-Redakteurs Franz Schellhorn, der einen Screenshot des Veranstaltungs-Hinweises auf Twitter postete und anschließend von weiblicher Seite viel Kritik über sich ergehen lassen musste. Einige konnten allerdings auch darüber lachen.

Mai 2017, Django sagt Baba

Während sich der aktuelle ÖVP-Parteiobmann Sebastian Kurz im Wahlkampf von einem Medium zum anderen hantelt und die charakteristische Basti-Frisur dabei immer perfekt sitzt, könnte man glatt vergessen, wer eigentlich vor dem Meidlinger das schwarze Zepter in der Hand hielt. Erinnerungshilfe: Es war Reinhold Mitterlehner.


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Jener, der heuer am 10. Mai in einer fulminanten elf-Minuten-Rede seinen Rücktritt so locker bekannt gab, als wäre es eine telefonische Bestellung beim China-Restaurant. Mit “Ich finde, es ist genug” und “Ich bin kein Platzhalter” erklärte er ausführlichst, dass er nicht länger die Opposition in der Regierung spielen wolle und eine politische Inszenierung niemanden weiterbringe. Letzter Auslöser zum Rücktritt dürfte vor allem die Anmoderation eines Beitrags in der ZIB 2 von Armin Wolf gewesen sein, welche er trotz üblichem Vergleich mit Django als nicht lustig ansah und so etwas lieber im Rabenhof oder in der Tagespresse sähe.

Nach einem Hermann-Hesse-Zitat und einem “Wünsche Ihnen schönen Sommer!” trat Mitterlehner dann endgültig vom politischen Parkett ab und genoss — wie wir alle auf Facebook und Co. bestaunen konnten — seinen Sommer in vollen Zügen.

Ja, österreichische Politik ist oftmals erheiternd und wird uns vermutlich auch in den nächsten Jahren noch viele weitere Wuchteln bescheren. Wählen gehen und die kommende Wahl ernst nehmen sollte man allerdings dennoch, weil, wie Matthias Strolz so schön zu sagen pflegt, “alles andere ist Oarsch”.

Yvonne auf Twitter: @YviCathe
[Foto: valakirka/Flickr/CC BY-SA 2.0]

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