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Der Auftakt der dritten Staffel von ‘Mr. Robot’ verheißt Erfolg

Bereits mit der ersten Folge der neuen Staffel begibt sich ‘Mr. Robot’ auf ein sehr hohes Niveau

Der Auftakt der dritten Staffel von ‘Mr. Robot’ verheißt Erfolg 13. Oktober 20174 Comments

Ressortleiter Popkultur

Achtung! Im folgenden Artikel befinden sich Spoiler zu der Serie Mr. Robot.

Nach mehr als einem Jahr Pause lief die dritte Staffel von Mr. Robot am 11. Oktober in den USA an. Die Dramaserie rund um die Hackergruppe fsociety, die bereits einen Emmy und einen Golden Globe gewinnen konnte, verdient sich einen Platz auf dem Serienolymp. Was Mr. Robot so derartig besonders und individuell macht, ergibt sich aus dem harmonischen Zusammenspiel verschiedener Aspekte, die auch in der ersten Folge “eps3.0_power-saver-mode.h” wiederzuerkennen sind.


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Die Anleitung zur Rettung der Welt?

Dem Zeitgeist entsprechend bildet das Fundament der USA Network-Serie die omnipräsente Gesellschaftskritik. Als Antagonist fungiert das Wirtschaftskonglomerat E-Corp (zynisch als Evil Corp bezeichnet), das seine Finger in allen Teilen der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik im Spiel hat.  Auf eine radikale Art und Weise zeigt die Serie die Illusion auf, die Geld in der heutigen Welt auf die Menschen haben kann. Deswegen ist das Ziel von fsociety klar: Die Zerstörung von Evil Corp, indem durch einen Hackerangriff alle Schulden der Bevölkerung vernichtet werden.

Neben der Kritik an Evil Corp stichelt Mr. Robot bei etlichen Gesichtspunkten gegen die Gesellschaft. Sei es der Massenkonsum, die Totalüberwachung (in der neuesten Folge sieht man ein Graffiti mit einer Hommage an 1984 von George Orwell) oder die ausufernde Medialisierung. Die Serie lebt von diesen, teils offensichtlichen, teils subtilen, Anspielungen auf die Missstände der Gesellschaft. So wird in der aktuellsten Folge eine der größten Manifestierungen der heutigen gesellschaftlichen Fehlentwicklung gezeigt: Donald J. Trump.

The truth is… I’m the one to blame. I’m the problem. This was my fault. All of it. I did this. Fuck me.

Allerdings scheint es, als würde sich der Fokus der dritten Staffel auf die Konsequenzen des Five/Nine-Hacks richten. Nicht die Revolution selbst war die Herausforderung, sondern die Phase danach. In einem grandiosen Monolog von Elliot, während er durch die Stadt geht, werden die Folgen deutlich gemacht. So ist es wieder die unterste Schicht, die die Krise am härtesten trifft. Ob Stage Two des revolutionären Plans die Massen wirklich befreien kann, wird sich in den folgenden Episoden zeigen.

Die Abgründe der menschlichen Psyche

Dabei kommt es immer wieder zum Kampf zwischen Elliot und seinem Alter Ego Mr. Robot, bei dem es um die Weiterführung ihres Plans geht. Elliot erkennt, welchen Schaden er bei seinen Freunden und der Gesellschaft angerichtet hat und möchte den Plan stoppen. Mr. Robot bleibt bei seinem ideologischen Handeln, die größte Revolution der Menschheit zu perfektionieren. Ein bekanntes moralisches Problem: “Wie viel darf für ein größeres Wohl der Menschen geopfert werden?” Bisher gibt uns die Serie darauf keine Antwort und zwingt uns dazu, selbst nach der moralisch richtigen Antwort zu suchen.


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Generell ist die Tiefgründigkeit der Charaktere eine der großen Stärken der Serie. In den ersten beiden Staffeln konzentrierte sich Sam Esmail, der Showrunner, vor allem auf den Charakter von Elliot. Das Schauspiel von Rami Malek, der die Schizophrenie und Depressionen des Protagonisten hervorragend darstellt, hat für den Erfolg der Serie maßgeblichen Anteil. Dabei wird oft eine Nähe zwischen dem Publikum und Elliot hergestellt, die es sonst selten in der TV-Landschaft gegeben hat. Ausschlaggebend sind hierbei vor allem die Monologe des Hackers, die sich zu einem Dialog mit seinem imaginären Freund entwickeln — und somit mit dem Publikum, welches somit noch mehr in die Story hineingezogen wird.

Aber auch den anderen Protagonisten wird viel Screentime gewidmet, um so die Authentizität der Handlung zu steigern. Der Werdegang Angelas war lange ein eher unzufriedener Handlungsstrang, doch nach und nach entwickelte sie sich von einer geplagten Mitarbeiterin zu einer Macherin, die stetig selbstbewusster wird und mehr Macht erlangt. Mr. Robot zeigt auf, wie ein Mensch zwischen mehreren Entscheidungen zu kämpfen hat und welche Antriebe sich letztlich durchsetzen. Gier, Neid, Macht, Rache, Geld oder auch Altruismus. Dabei entstehen keine linearen Charaktere, vielmehr variieren die Motive und Intentionen, womit für die häufigen Plot Twists Spielraum bleibt.

Von Alf über Beethoven bis hin zu Daft Punk

Doch das größte Alleinstellungsmerkmal von Mr. Robot ist die Inszenierung der einzelnen Episoden. Die Ästhetik der Serie ist meist hervorragend, auch wenn es bei der Umsetzung zwischen den einzelnen Folgen oft Unterschiede gibt. Verschiedene Kameratechniken, unterschiedliche farbliche Kontrastsetzungen und vielfältige Storytelling-Elemente. Dennoch entsteht aus dieser Variabilität gewissermaßen die Einzigartigkeit von Mr. Robot. Vor allem das Cameo mit Alf, als ein Ausschnitt der Folge wie eine Sitcom inszeniert war, wird bei vielen in Erinnerung bleiben. Bei der neuen Folge setzt man hingegen durchgehend auf eine düstere Stimmung.

Neben den visuellen Effekten weiß Mr. Robot, wie man mit Musik wahrliche Gänsehautmomente kreieren kann. Die Bandbreite an Genres ist enorm. Von Hip Hop über Rock, bis hin zu Pop und sogar klassischer Musik á la Beethoven: Immer wieder gelingt es, grandiose Momente mit der passenden Musik zu unterlegen. Auch in der neuesten Folge, als zum Ende Daft Punk im Hintergrund zu hören ist, passen Handlung und Musik einmal mehr optimal zusammen.

Die perfekte Antwort auf ehemalige Kritikpunkte

Gab es in der zweiten Staffel etwas zu kritisieren, war es vor allem die Geschwindigkeit und die teils unübersichtliche Verflechtung vieler Handlungsstränge. Die Erzählzeit war häufig sehr langsam und zögernd und so hatte man nach den zwölf Folgen noch mehr Fragen, die unbeantwortet blieben, als zuvor. Ein Grund hierfür war sicherlich die Etablierung von weiteren Handlungssträngen, es wäre jedoch genug Screentime für einen befriedigerenden Staffelabschluss da gewesen. Befriedigend in dem Sinn, dass wenigstens eine Handlung (vorübergehend) zu Ende gebracht hätte werden können — ein Jahr voller Unwissenheit zu warten, ist eindeutig zu lange! Gegen Staffelende schien es so, als würde sich Mr. Robot noch nicht trauen, den endgültigen Sprung zum nächsten Level zu wagen. Jedoch fährt die Serie bei der aktuellsten Folge das Tempo relativ hoch — ein gutes Omen also.

Darüber hinaus verstrickte sich die Serie in der zweiten Staffel in zu vielen Handlungssträngen. Oft waren die verschiedenen Erzählstränge so verwoben, dass es für das Publikum ungemein schwierig war, der Story zu folgen. Et voilà: Gleich in der ersten Folge werden einige wichtige Hintergründe erklärt, um so die Handlungen einiger Personen besser verstehen zu können. Natürlich mit dem Wissen über die mögliche Gefahr, dass scheinbare Enthüllungen durch einen radikalen Plot Twist bedeutungslos werden. “Control is an Illusion” — der/die ZuseherIn hat bei Mr. Robot schon lange die Kontrolle an Sam Esmail abgegeben.

Viel Hoffnung für die dritte Staffel

Alles in allem präsentierte sich Mr. Robot in Bestform, weil es seine üblichen Stärken gekonnt ausspielt. Mit einer stetig düsteren Inszenierung, gekoppelt mit szenischer Musik, grandiosem Schauspiel und reibungsloser Erzählung verspricht die dritte Staffel, den nächsten Schritt zu gehen und katapultiert sich jetzt schon zu einem Anwärter auf viele Fernsehauszeichnungen. Bleibt die Serie bei dieser zügigen Geschwindigkeit, ohne dass für die Charakterentwicklung Zeit eingebüßt wird, könnte sich die Serie bald neben Game of Thrones und Breaking Bad am TV-Thron einnisten. Wir werden sehen, ob die Serie die hohen Erwartungen tatsächlich halten kann.

Christian auf Twitter: @ch_haslinger9

Foto: Etrg Torrent/Flickr/CC BY-NC-SA 2.0/Illustration von Marcel Weld]

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